Die (frühen) Kelten im Bregtal
Das Krumpenschloss bei Hammereisenbach-Bregenbach (Stadt Vöhrenbach)
Eine vorgeschichtliche Befestigungsanlage als Teil eines (früh-)keltischen Siedlungsraumes?
Initiation von keltischen Kriegern - La-Tène-Zeit - Kessel von Gundestrup
Initiation von keltischen Kriegern - La-Tène-Zeit - Kessel von Gundestrup
Erläuterung des Begriffes "Frühe Kelten"
Die Wissenschaft klassifizierte die in der ersten Hälfte des vorchristlichen Jahrtausends in Süddeutschland anzutreffenden ethnischen Gruppen über einen längeren Zeitraum als "Frühe Kelten" (Proto-Kelten). Im Ursprung handelte es sich bei den frühen Kelten um eine bäuerlich strukturierte Gesellschaft, die in Kleinverbänden organisiert war, und kein Gemeinwesen im Sinne einer Eigenstaatlichkeit (Großverband) entwickeln konnte. Neuere Ansätze differenzieren hier mittlerweile genauer und spalten diesen Begriff nach zivilisatorischen Entwicklungsstufen auf.
Die mögliche kulturelle Abgrenzung der Späthallstattzeit mit ihren Fürstenhöfen lässt im Grunde eine einheitliche Definitionsform nicht zu. Da wir aber auch nicht von Hallstatt-Kelten sprechen können, wurde der Begriff "Frühe Kelten" nachfolgend als vereinfachte Form ersatzweise verwendet.
Skulptur - Der sterbende Gallier (3.Jh. v.Chr.) - ©Kapitolinisches Museum in Rom. Römische Kopie einer im 3. Jh. v. Chr. erstellten Bronze-Plastik in Erinnerung des griechischen Sieges über die Galater. Erste bekannte vollplastische Darstellung eines keltischen Gaesatae (Speerkrieger). Skulptur - Der sterbende Gallier (3.Jh. v.Chr.) - ©Kapitolinisches Museum in Rom. Römische Kopie einer im 3. Jh. v. Chr. erstellten Bronze-Plastik in Erinnerung des griechischen Sieges über die Galater. Erste bekannte vollplastische Darstellung eines keltischen Gaesatae (Speerkrieger).
Von der Natur umschlossen liegt unweit von Hammereisenbach-Bregenbach ein großflächiges Bodendenkmal in den Wäldern verborgen.
Die vorhandenen Indizien lassen auf eine umfassende (früh-)keltische Siedlungsanlage und eine benachbarte Höhenfestung schließen.
Die anzutreffende Anhäufung von historischen Stätten ist hier außergewöhnlich und wirft bei einer ersten Betrachtung des heutigen Geländes durchaus mehr Fragen als Antworten auf. Es kann jedoch unbestritten behauptet werden, dass sich in direkter Nähe zur althistorischen Bregfurt eine ungewöhnliche Ansammlung von archäologischen Plätzen befindet, die auf eine umfassende Besiedelung in vorgeschichtlicher Zeit (Eisenzeit) schließen lässt.  Es ist sehr bedauerlich, dass die Wissenschaft (Fachbereich Archäologie) diesem Bodendenkmal bisher so wenig Aufmerksamkeit geschenkt hat und somit keine durch Fundmaterial abgesicherten Erkenntnisse bis heute vorliegen!
An dieser Stelle soll der Initiative "Heimatforschung" ein Dank ausgesprochen werden, die sich mit Unterbrechungen nunmehr seit über einem Jahrhundert mit diesem Bodendenkmal beschäftigt und auf sich allein gestellt erste verwertbare Erkenntnisse zusammengetragen hat.
Kelten, spätes 5.Jh. v.Chr. - ©OSPREY Military - Häuptling [1] mit wohlhabendem Krieger [2] und Stammesangehörigen [3] gemäss archäologischen Funden aus dem 5. Jahrhundert v.Chr. Der Brustharnisch [Pectorale] des Häuptlings ist für Italien typisch. Darsteller [2] trägt einen Helm im Negau Stil. Original: Negauer Helm von Daone im Museo di Santa Giulia, Brescia. [Pectorale] Metallplatte, die als einfacher Panzerschutz im Kampf vor dem Brustkorb getragen wurde. In der Frühzeit des römischen Reiches war das Pectorale die übliche Körperpanzerung der unteren Zensusklassen. Kelten, spätes 5.Jh. v.Chr. - ©OSPREY Military - Häuptling [1] mit wohlhabendem Krieger [2] und Stammesangehörigen [3] gemäss archäologischen Funden aus dem 5. Jahrhundert v.Chr. Der Brustharnisch [Pectorale] des Häuptlings ist für Italien typisch. Darsteller [2] trägt einen Helm im Negau Stil. Original: Negauer Helm von Daone im Museo di Santa Giulia, Brescia. [Pectorale] Metallplatte, die als einfacher Panzerschutz im Kampf vor dem Brustkorb getragen wurde. In der Frühzeit des römischen Reiches war das Pectorale die übliche Körperpanzerung der unteren Zensusklassen.
Einleitung
Durch die Heimatforschung hat sich das Wissen über dieses Bodendenkmal mittlerweile doch etwas erweitert. Neue Erkenntnisse weisen nun auf eine verlagerte Siedlungsfläche hin und die anzunehmende Ausdehnung der Befestigungswerke in Richtung des Krumpenschlosses (Vöhrenbach) erschließt die befestigungstechnische Anordnung der Höhenfestung und der anzunehmenden Siedlung nun zu einem schlüssigeren Gesamtkonzept - Höhenfestung und Siedlung könnten jetzt durchaus in eine sinnigere Beziehung zueinander gebracht werden.

Die technische Ausführung des Krumpenschlosses ist beeindruckend und selbst die heute noch sichtbaren Reste der Anlage zeugen von der ehemaligen Größe. Da eine solche Anlage naturgemäß nicht vom Himmel fällt, stellt sich hier die Frage, welche Volksgruppe in nächster Nähe zu dieser Anlage einst gelebt hat und zu solchen Bauleistungen fähig war? Normalerweise lautet die reflexartige Antwort - die (frühen) Kelten!

Wie schon erwähnt liegen zur Zeit noch keine gesicherten Daten in Form von archäologischen Funden vor, die das Krumpenschloss "unzweifelsfrei" als frühkeltisches, vorgeschichtliches Bauwerk klassifizieren. Allerdings weisen die im näheren Umfeld zahlreich vorhandenen frühkeltischen Bodendenkmäler in diese Richtung. Die Grablege eines frühkeltischen Fürsten in zehn Kilometer Entfernung, die archäologisch bestimmte Anlage auf dem "Kapf" bei Villingen mit sechs nachgewiesenen Grablegen einer frühkeltischen Oberschicht [Spindler], die Hügelgrab-Nekropole von Bräunlingen-Waldhausen, die direkte Nähe zu einem frühkeltischen Handelsweg (Krumpenweg-Mistelbrunn) und einer anzunehmenden Siedlung, sowie die Besiedelung der Baar durch diese frühen Kelten bilden hier einen räumlichen Rahmen, der diesen Ansatz als nicht abwegig erscheinen lässt.
Ungeachtet der vorherrschenden Meinungen und Positionen kann grundsätzlich nicht ausgeschlossen werden, dass im Verlauf einer geophysikalischen Feldprospektion und/oder Suchgrabung eine völlig überraschende Fundlage zu Tage treten könnte. Ob diese letztendlich zu einer Bestätigung eines (früh-)keltischen Siedlungsraumes im Bregtal führt, oder völlig andere Ansätze aufwirft, bleibt dahingestellt. Ein nachweisbarer Bronzefund bildet hier möglicherweise einen Anhalt, Annahme und Widerspruch stehen nach wie vor im Raum.
Feldprospektion am Krumpenschloß in Hammereisenbach
WEB: Landnutzung im frühen Mittelalter?
Eine archäopedologische Prospektion im mittleren Schwarzwald (2012) - RGZM - Univ. Heidelberg Datenserver - Thomas Knopf, Tilmann Baum, Thomas Scholten, Peter Kühn (Pdf - 470 KB)
Magdalenenberg, frühkeltisches Fürstengrab - Wikipedia Magdalenenberg, frühkeltisches Fürstengrab - Wikipedia
Das (früh-)keltische Fürstengrab in Villingen (Magdalenenberg) und die angrenzende Siedlung auf dem Kapf haben sicherlich zu einer umfangreichen archäologischen Bestandslage geführt.
Diese wirft aber nach wie vor grundlegende Fragestellungen auf, die möglicherweise erst durch Untersuchungen und Funde in Laubenhausen und dem Krumpenschloß zufriedenstellend beantwortet werden können.
Die Forschung bleibt hier noch Antworten schuldig, zumal das industrielle Zentrum des ebenfalls noch fraglichen Fürstensitzes nach wie vor nicht lokalisiert werden konnte. Außer einem mächtigen Grabhügel und einer Kleinsiedlung ergibt sich eine räumliche Leere; der markante Drang dieser Fürsten zur erhöhten Verteidigungsposition (Höhensiedlung) ist im "direkten" Umfeld des Grabhügels nicht umsetzbar. Die topographisch möglichen Sichtbereiche des Betrachters vom Magdalenenberg aus grenzen jedoch mehrere Geländesektoren ein. Es ist durchaus anzunehmen, dass bei der Anlegung dieses Grabhügels die Zentren der fürstlichen Macht von dort aus am Horizont sichtbar waren, ansonsten könnte dieser seine Funktion als dominante und beabsichtigte Landmarke nicht erfüllen. Der erforderliche Suchradius kann durchaus bis zu 10 km betragen.
Topographische Karte 1:25000 (TK25). Autor und Quelle: Landesvermessungsamt Baden-Württemberg Topographische Karte 1:25000 (TK25). Autor und Quelle: Landesvermessungsamt Baden-Württemberg
1. Ursprünge
Erste Hinweise in Karten tauchen zu Beginn des 17. Jhs. auf und übermitteln uns einen ersten Namen dieser Anlage - "Alt-Fürstenberg", oder das heutige "Krumpenschloss". Beide Namen stehen in keinem geschichtlichen Bezug zur Anlage. Konzentrierte sich die örtliche Aufmerksamkeit zunächst noch auf das Krumpenschloss und seine direkte Umgebung, tritt bald darauf noch ein weiterer Name auf, der nachfolgend erst den Blick auf eine sich nun abzeichnende Gesamtanlage öffnete - "Laubenhausen". Um die Gründe für die Existenz des Krumpenschlosses nachvollziehen zu können, ist es erforderlich, sich einleitend auch mit der anzunehmenden Siedlung Laubenhausen näher zu beschäftigen.

Was hat es nun mit dieser mächtigen Befestigungsanlage
und der benachbarten Siedlung
auf sich, wer hat sie erbaut
und vor allem zu welchem Zweck, und wie ist das nähere
Umfeld des Bregtals historisch zu bewerten?
Wikipedia - Keltischer Rennofen mit Schlackengang. Pro Verhüttung konnten je nach Erz, Ofengröße, Prozessdauer und anderen Faktoren mehrere Kilogramm Eisen gewonnen werden; in der Regel zwischen zwei bis zehn Kilogramm. Die Reduktion des Eisenerzes zu Eisen im Rennofenverfahren unterscheidet sich gravierend von der Eisengewinnung im Hochofen: Der Schmelzpunkt des kohlenstoffreinen Alpha-Eisens liegt bei 1535°C. Diese hohe Temperatur wird in Rennöfen nicht erreicht (ca. 1150°C). Die Bildung von Eisen im Rennfeuer ist folglich eine Feststoffreaktion. Nicht das Eisen wird flüssig (wie im Hochofen), sondern die Schlacke! Zur Gewinnung von einem Kilogramm Eisen waren bis zu dreißig Kilogramm Holzkohle notwendig (incl. Ausschmieden der Schlackenrückstände). Wikipedia - Keltischer Rennofen mit Schlackengang. Pro Verhüttung konnten je nach Erz, Ofengröße, Prozessdauer und anderen Faktoren mehrere Kilogramm Eisen gewonnen werden; in der Regel zwischen zwei bis zehn Kilogramm. Die Reduktion des Eisenerzes zu Eisen im Rennofenverfahren unterscheidet sich gravierend von der Eisengewinnung im Hochofen: Der Schmelzpunkt des kohlenstoffreinen Alpha-Eisens liegt bei 1535°C. Diese hohe Temperatur wird in Rennöfen nicht erreicht (ca. 1150°C). Die Bildung von Eisen im Rennfeuer ist folglich eine Feststoffreaktion. Nicht das Eisen wird flüssig (wie im Hochofen), sondern die Schlacke! Zur Gewinnung von einem Kilogramm Eisen waren bis zu dreißig Kilogramm Holzkohle notwendig (incl. Ausschmieden der Schlackenrückstände).
Die in die Hallstattzeit "D1/D2" (600-450 v.Chr.) zu datierte Wehranlage könnte in direkter Verbindung mit dem nur 10 km entfernten frühkeltischen Fürstengrab "Magdalenenberg" in Villingen stehen!
Die Wissenschaft ist sich hier einig, dass sich der Reichtum dieses Fürsten maßgeblich aus der Verhüttung der im Bregtal reichlich vorhandenen Eisenerzstätten speiste. "Wer das Eisen hat, hat die Macht"!

Die frühkeltische Siedlung Kapf/Magdalenenberg kann bis ins Jahr 630-620 v.Chr. durch Funde zurückverfolgt werden und endet abrupt zwischen 550/500 v.Chr. Eine nachfolgende Verlagerung des Fürstensitzes auf den Hohenasperg ist nicht auszuschließen, sofern zu dieser Zeit auch wirklich ein Fürst auf dem Kapf residierte [?].

An dem Kreuzungspunkt der West-Ost und Nord-Süd-Handelswege gelegen muss dieser vermutete Fürstensitz eine hohe politische wie auch wirtschaftliche Bedeutung besessen haben. Handelt es sich bei dem Grabhügel in Villingen um die repräsentative Grablege dieses Fürsten, treffen wir nun im näheren Umfeld auf eine anzunehmende befestigte Siedlung (Laubenhausen) mit einer benachbarten Höhenfestung (Krumpenschloss). Das es sich einstmals um eine wirtschaftliche Siedlung handeln könnte, lässt sich auf Grund der vielfach aufzeigbaren Spuren tagebaulicher Tätigkeit zum Abbau des in der Gegend reich vorkommenden Eisenerzes vermuten. Besonders das Eisenbach- und Fahlenbachtal weisen hier reichhaltige Lagerstätten (Eisenerze) auf.
Erläuternd ist anzumerken, dass in diesem Gebiet seit 1523 nennenswert Eisenerz abgebaut und verhüttet wurde - Bergbaurevier Eisenbach, Eisenbergwerk Hammereisenbach.

Archäologische Untersuchungen bei Neuenbürg-Waldrennach erlauben mittlerweile einen detaillierten Einblick in die (früh-)keltische Eisenproduktion. Es konnten dort zahlreiche Rennöfen aus dem 6. und 5.Jh. v.Chr. ausgegraben und naturwissenschaftlich untersucht werden (Waldrennach). Aus der Fundlage ergeben sich auch Rückschlüsse auf die Arbeitsabläufe der (früh-)keltischen Eisenerzeugung (Pochsteine).


Rennofen in Berglage - noch ohne Düsenziegel.
Rennofen in Berghanglage ohne Düsenziegel.
Bis zu 100 Rennläufe waren möglich, die Ofenbrust
wurde immer wieder repariert - ©unbekannt!
Links - Keltische Lanzenspitze nach archäologischem Fund - Spätlatènekultur - Repliken von ©archaeoschmiede.de - Ausgewähltes Beispiel zu der herausragenden Schmiedekunst der keltischen Kultur. Die künstlerische Ausbildung der keltischen Waffenerzeugnisse ist erstaunlich und verweist auf einen hohen Grad an Kreativität und handwerklichem Können. Links - Keltische Lanzenspitze nach archäologischem Fund - Spätlatènekultur - Repliken von ©archaeoschmiede.de - Ausgewähltes Beispiel zu der herausragenden Schmiedekunst der keltischen Kultur. Die künstlerische Ausbildung der keltischen Waffenerzeugnisse ist erstaunlich und verweist auf einen hohen Grad an Kreativität und handwerklichem Können.
Bekannterweise waren die Kelten hervorragende Metallverarbeiter und Prospektoren. Insoweit kann man einer anzunehmenden Siedlung Laubenhausen durchaus den Status eines wirtschaftlichen Raumes zuweisen, in welchem eine auf Handwerk und Handel geprägte Bevölkerung einst gelebt haben könnte. Anhand der vorhandenen Hügelgräbergruppen [?] lassen sich auch zumindest "grobe" chronologische Rückschlüsse zum Alter der möglichen Siedlung bilden. Das Vorhandensein eines auffälligen rechteckigen Areals (Kultbezirk / Viereckschanze ?) in unmittelbarer Nähe zu Hügelgräbergruppen könnte als markanter Hinweis auf eine mögliche Existenz der Siedlung bis in die frühe La-Tène-Zeit gedeutet werden.
Neueste Grabungsfunde erschüttern die überkommene Auffassung, dass die in Süddeutschland zahlreich auffindbaren Viereckschanzen überwiegend als Kultstätten angesprochen werden können. Ein Großteil dieser Anlagen liegt in direkter Nachbarschaft zu Siedlungsgebieten und die umfassenden Ausgrabungen in Ehningen, Riedlingen und Bopfingen lassen diese eher als eingefriedete ländliche Gehöfte - Herrenhöfe - erscheinen. Das Rätsel der "Viereckschanzen" bleibt spannend und könnte in der Zukunft noch manche überraschende Wendung nehmen.

Im Gegensatz zu den Zentralsiedlungen weisen die einfacheren keltischen Siedlungen auf dem Land hinsichtlich Entwicklung, Dauer und Ende eine deutlich stabilere Kontinuität auf. Diese beginnen z.B. bereits in der frühen Hallstattzeit (Ha C), setzen sich dann in die späte Hallstattzeit (Ha D2/D3) fort und reichen bis in die frühe und mittlere La-Tène-Zeit hinein. Typischerweise wurden jedoch nur "Zentralsiedlungen" durch starke Befestigungen geschützt!

Ob eine anzunehmende Siedlung Laubenhausen und das Krumpenschloss noch zur Zeit der großen Keltenwanderungen existiert haben könnte, ist gänzlich unbekannt. Hier kann nur der Spaten des Archäologen die entsprechenden Antworten an den Tag fördern.
Standort der Areale Krumpenschloss und Laubenhausen, 3D-Karte (TK25). Autor und Quelle: Landesvermessungsamt Baden-Württemberg 
Standort der Areale Krumpenschloss und Laubenhausen, 3D-Karte (TK25). Autor und Quelle: Landesvermessungsamt Baden-Württemberg
2. Art und Umfang der Siedlung Laubenhausen
Eine genaue Beschreibung der anzunehmenden Siedlung Laubenhausen lässt sich im Rahmen dieses Berichtes nicht umfänglich wiedergeben und ist auch nicht beabsichtigt. Es sollen jedoch einige kennzeichnende Daten Erwähnung finden.

Aufnahme 1991 - Die Ausdehnungsfläche der möglichen Siedlung Laubenhausen beträgt mindestens 70 ha und war ehemals von mächtigen Befestigungen (Abschnittswällen) umgeben. Diese weisen eine geschätzte Länge von mehr als 4 km auf und werden in einen Nord- und Südteil untergegliedert. Im Nordteil treffen wir heute noch auf bis zu 3 m breite Steinwälle mit einer Höhe von 0,8 m, teilweise noch mit Einfassungen. Im Gelände sind auch Doppelwälle mit einem Abstand von bis zu 10 m feststellbar. Die heute noch sichtbaren Befestigungsreste weisen auf einen gezielten planerischen Entstehungprozess hin, d.h. der Siedlungsraum wurde nach und nach stärker befestigt und ausgebaut. Ohne Zweifel handelt es sich hier um eine beeindruckende Befestigungsanlage, die seinesgleichen sucht. Interessanterweise sind die stärksten Befestigungen nach Süden ausgerichtet. Es stellt sich hier die Frage, welche Bedrohung von dort einst ausging?
Karte Laubenhausen, Annahme 2010 - ©Heribert Saldik - Die Geschichte des Oberen Bregtals. Karte Laubenhausen, Annahme 2010 - ©Heribert Saldik - Die Geschichte des Oberen Bregtals.
Aktuelle Aufnahme - Da sich die früheren Untersuchungen überwiegend auf die Gemarkung der Stadt Donaueschingen konzentrierten, blieben die festgestellten und anzunehmenden Befestigungswerke auf Vöhrenbacher Gebiet, die die Ebene zwischen Krumpen- und Wilddobel nach Norden abschließen, bisher unbeachtet. Es deutet sich nun an, dass die bisherige Lage der anzunehmenden Siedlung falsch angenommen wurde und "nicht" zwischen dem Laubenhausener Brunnen und dem südlichen Abschnittswall zum Liegen kommt, sondern nun auf der Ebene nördlich des Brunnens angenommen werden muss! Diese absolut sinnige Annahme könnte die bisher in der Luft hängenden Objekte Siedlung, Krumpenschloss, Krumpenweg und Bregfurt zu einem funktionalen Gesamtbild zusammenfügen. "Die befestigungstechnischen Vorteile dieser Bergspornlage mit Steilhängen erschließen sich von selbst"!
Die räumliche Ausdehnung der Gesamtanlage könnte sich noch erweitern, durch neuere Geländeaufnahmen konnte auf der gegenüberliegenden Seite des Bregtals, nahe dem Krumpenschloss etwas talabwärts gelegen, eine weitere Anlage gesichtet werden; eine genauere Beschreibung liegt aber noch nicht vor!
Keltischer Schild - La-Tène-Periode (Replika) ©armamentarium.de Keltischer Schild - La-Tène-Periode (Replika) ©armamentarium.de
In diesem Zusammenhang würden die am Tierstein feststellbaren Steinformationen auch einen Sinn ergeben und einen möglichen Vorposten erklärbar erscheinen lassen. Die nun anzunehmende Einbeziehung des Krumpenweges in den nördlichen Eingangsbereich des Siedlungsraumes, am Übergang des Krumpendobels zum Wilddobel, ist sinnig nachvollziehbar und ermöglicht die Kontrolle des der Bregfurt zustrebenden Krumpenweges. Das nun mögliche Konzept der "zirkularen Verteidigungsstellung", mit der Bregfurt als Mittelpunkt und den flankierenden Befestigungen des nördlichen Siedlungseinganges, des Krumpenschlosses, des möglichen Vorpostens am Tierstein und der lokalisierten Anlage gegenüber dem Krumpenschloss, könnte die strategische Beherrschung des Kreuzungspunktes von Bregtal und dem in Nord-Süd Richtung verlaufenden Krumpenweg durch den Schmelzdobel - in Richtung Magdalenenberg - zwingend abgesichert haben. Die Gewichtung der Nordbefestigung im Vergleich zur Südbefestigung dürfte sich somit deutlich verschieben. Auch kann die Südbefestigung mit ihren massiven Wällen dann als erste Verteidigungslinie angenommen werden, auf welche nachfolgend die auf der Höhe des Laubenhausener Brunnens quer über den Bergsporn (Ebene) verlaufenden Befestigungswerke, mit dem vorgelagerten südlichen Eingang zum Siedlungsraum, als zweite Verteidigungslinie folgen. Die Südbefestigung könnte somit in der zeitlichen Abfolge als Erweiterungsbauwerk zur Siedlungsbefestigung angesehen werden. Das Nutzungskonzept der dadurch neu entstandenen geschützten Fläche erschließt sich derzeit aber noch nicht.

Derzeitiger Zustand
Durch die frühe Anlegung von Holzabfuhrwegen wurde das gesamte Areal in Mitleidenschaft gezogen. Die extensiv betriebene forstwirtschaftliche Nutzung der letzten vierzig Jahre hat der Anlage mehr Schaden zugefügt als die vergangenen Jahrtausende zuvor. Auch hier ist ein permanenter Zerfall historischer Substanz zu beobachten.
Aktuell 2011/12: Großflächiger Holzeinschlag mit schwerem Gerät!
Krumpenschloß-Höhenkarte - Atlas der obertägig sichtbaren archäologischen Denkmale - Baden-Württemberg. Ein Vergleich mit dem unteren DGM-Bild zeigt beispielhaft die exakte Übereinstimmung der Karte zu den Geodaten auf. Krumpenschloß-Höhenkarte - Atlas der obertägig sichtbaren archäologischen Denkmale - Baden-Württemberg. Ein Vergleich mit dem unteren DGM-Bild zeigt beispielhaft die exakte Übereinstimmung der Karte zu den Geodaten auf.
3. Das Krumpenschloss
Die Höhenfestung liegt in ca. 800 m Entfernung von Laubenhausen (neue Position) auf einem Höhenrücken, dem Schlossberg, und etwa 400 m von der alten Bregfurt Fischerhof entfernt. Die Anlage bildet ein Oval und dehnt sich mit einer Länge von 150 m nach Westen und einer Breite von 80 m nach Norden und Süden aus. Ein mächtiger Schildwall bildete im Westen einen Vorwall und wurde selber durch einen mit Erdreich aufgeschütteten Wall geschützt. Die Höhe des ehemaligen Schildwalles wird auf 10 m (?) geschätzt. Ein an der Abruchkante des Berges ehemals aufgesetzter Ringwall umgab die Anlage. Der gesamte Ringwall, wie auch der Schildwall, war mit zum Teil "behauenen" Steinbrocken verblendet, diese weisen eine beachtliche Größe auf und waren in "mörtelloser" Bautechnik aufgesetzt. Auch wurden Reste von erhaltenen Trockenmauern festgestellt (in sito), der Innenbereich der Anlage ist sehr flach gehalten. Unter Zugrundelegung archäologischer Ausgrabungsergebnisse keltischer Befestigungsanlagen lässt sich der Torbereich annähernd vermuten. Noch heute zeugen die eindrucksvollen Reste dieser Anlage von der einstigen Größe.
Der Aufbau der Befestigungswälle dürfte der Beschreibung der keltischen Wälle zur Zeit der römischen Okkupation Galliens geähnelt haben (Vorläufer des Murus Gallicus, oder der Pfostenschlitzmauer). Die Anlage selbst "muss" als wehrtechnisches Bauwerk angesprochen werden, eine andere Bestimmung erschließt sich derzeit noch nicht. Nur durch Grabungen können hier weitergehende Erkenntnisse ermittelt werden.
Anmerkung:
In der Fachliteratur werden schwer befestigte frühkeltische Handels- und Lagerplätze erwähnt, in denen die Waren geschützt aufbewahrt wurden. Auch konnten im nahen Breisgau befestigte Kleinhöhensiedlungen archäologisch nachgewiesen werden.
©geolas.com - rechnergestützte Auswertung von LIDAR-Scan-Daten - Visualisierung von abgeleiteten Modellen  (DOM, DTM, DGM). LIDAR-Scan-Technologie durchdringt bewaldete Gebiete bis zum Erdboden (last echos); Vegetationsschichten und Bebauung können rechnergestützt entfernt werden und ermöglichen erweiterte Einblicke in die Topographie des Geländes. ©geolas.com - rechnergestützte Auswertung von LIDAR-Scan-Daten - Visualisierung von abgeleiteten Modellen (DOM, DTM, DGM). LIDAR-Scan-Technologie durchdringt bewaldete Gebiete bis zum Erdboden (last echos); Vegetationsschichten und Bebauung können rechnergestützt entfernt werden und ermöglichen erweiterte Einblicke in die Topographie des Geländes.
Hinsichtlich der heute zur Verfügung stehenden bahnbrechenden Möglichkeiten der Luftbildarchäologie und LIDAR-Scan-Technologie (Light Detection And Ranging) stellt es kein Problem dar, das Areal im Bereich des Krumpenschlosses und Laubenhausen einer genaueren Betrachtung zu unterziehen. Eine Auswertung eines "hochaufgelösten" digitalen Geländemodells (DTM, DGM) könnte zu weitergehenden Erkenntnissen führen, sofern die derzeit zur Verfügung stehenden Geodaten des LV-BW nicht ausreichen (Raster-/Höhenauflösung).

Krumpenschloss - DGM-Geodaten, Nordausrichtung. ©lv-bw.de
Krumpenschloss - DGM-Geodaten, Nordausrichtung. ©lv-bw.de

Adobe Pdf  Luftbildarchäologie und LIDAR (5,8 MB)
©Die Burg - Frühmittelalterliche Walltypen - Germanisches Nationalmuseum Nürnberg. ©Die Burg - Frühmittelalterliche Walltypen - Germanisches Nationalmuseum Nürnberg.
Im Hinblick auf die umstrittenen Positionen zu dieser Anlage, ist die Vermutung einer frühmittelalterlichen Befestigungsanlage (Krumpenschloss) eher unwahrscheinlich. Die im Frühmittelalter in Mitteleuropa existierenden zwei Burgenkreise des fränkischen bzw. fränkisch geprägten Raumes sind ausreichend erforscht und weisen bestimmte bautechnische Merkmale auf. Frühmittelalterliche Befestigungsanlagen sind im Gelände durch topographische und befestigungstechnische Merkmale charakterisiert und heben sich von den vorhergehenden, vorgeschichtlichen Befestigungen und den nachfolgenden der hoch- und spätmittelalterlichen Zeit deutlich ab. Gräben und Staffelung der Befestigungssysteme sowie die im Vorfeld angelegten Hindernisse sind für diese Zeit charakteristisch. Eine erste Befestigungsphase erfolgte erst in spätmerowingischer Zeit - 6./7. Jh. n.Chr. - und knüpfte an spätrömische Vorläuferbauten an, oder es handelte sich um vollständig neu angelegte Höhensiedlungen, deren Existenz und Gründung für diese Zeit durchaus belegt werden kann.

Rechtes Bild - Frühmittelalterliche Walltypen: (a) Zweischalige Trockenmauer, (b) Trockenmauer Holz-Erde Konstruktion mit Anschüttung (oben) und mit vorgesetzter Mörtelmauer und Türmen, (c) geschütteter Wall.
Rekonstruktion eines keltischen Zangentores mit zweispuriger Durchfahrt in einer Pfostenschlitzmauer (Oppidum Manching - Spätlatènezeit, nach R. Gensen). Rekonstruktion eines keltischen Zangentores mit zweispuriger Durchfahrt in einer Pfostenschlitzmauer (Oppidum Manching - Spätlatènezeit, nach R. Gensen).
Die heutigen oberirdischen Reste der Befestigungsanlage "Krumpenschloss" lassen hier aber keine grundlegende Übereinstimmung erkennbar erscheinen! Gerade die anzunehmende wehrtechnische Ausbildung einer sicherlich vorhandenen Toreinfahrt weicht hier grundsätzlich von den typisch frühmittelalterlichen Zangentoren ab. Dies gilt ebenso auch für die spätlatènezeitlichen Zangentore der deutlich größeren keltischen Oppida. Auf Grund des bekannten Wallverlaufs ist eine deutlich abweichende Befestigungstechnik zu vermuten und diese rückt funktional zunehmend näher an eine anzunehmende (früh-)keltische Siedlung Laubenhausen heran.
Toranlage Otzenhausen - Spätlatènezeit - ©keltenring-otzenhausen.de
Zudem liegen urkundliche Quellen aus der frühmittelalterlichen Zeit vor; die Unterlagen reichen bis weit in die Merowingerzeit zurück und eine solche massive Anlage dürfte mit Sicherheit einen urkundlichen Nachhall erzeugt haben, sofern sie in diesem Zeithorizont neu errichtet worden wäre.

"Das Landesdenkmalamt klassifiziert das Krumpenschloss (Ringwall) als vorgeschichtliche Anlage und führt diese in der Liste der archäologischen Kulturdenkmale auf!"

Bild rechts - Keltische Toranlage Otzenhausen in Verbindung mit einem Murus Gallicus (reduziertes Zangentor) - Spätlatènezeit - ©keltenring-otzenhausen.de
Rekonstruktion eines Tores mit gegeneinander versetzten Wallenden (Tangentialtor) in einer Pfostenschlitzmauer (für die Rekonstruktionszeichnung ist eine möglichst einfache Form gewählt, die eine allgemeine Vorstellung geben soll) - ©duensberg.de Rekonstruktion eines Tores mit gegeneinander versetzten Wallenden (Tangentialtor) in einer Pfostenschlitzmauer (für die Rekonstruktionszeichnung ist eine möglichst einfache Form gewählt, die eine allgemeine Vorstellung geben soll) - ©duensberg.de
Übergreifend lässt sich feststellen, dass Torzugänge von befestigten Anlagen so angelegt werden konnten, das potentielle Angreifer den Verteidigern eine direkte Angriffsfläche boten, indem sie sich mit ihrer vom Schild nicht gedeckten Seite dem Tor nähern mussten. Eine Idealform stellt hier das Tangentialtor dar, das ein seitliches lineares Bestreichen des Gegners mit Wurfgeschossen gut ermöglichte. Die archäologischen Auswertungen entsprechender (früh-/spät-)keltischer Anlagen bestätigten diese vorteilhafte fortifikatorische Anordnung. Hinweis: An weniger gefährdeten Bereichen über Steilhängen (Höhensiedlung), oder bei vorgelagerten Feuchtflächen wie Sümpfe und Moore (Flachsiedlung), trat an die Stelle der Holz-Stein-Mauer bisweilen auch eine Palisade. Funktional bedingt ergeben sich hier vielfältige Möglichkeiten zur Verteidigung einer Siedlung unter Berücksichtigung topographischer Besonderheiten und Bedingungen.
Bild: Schalensteine in Hammereisenbach. Aktuelle Veröffentlichung mit Verweis auf diese Anlage: Magisch-Mystisch-Megalithisch - Die rätselhafte vorchristliche Vergangenheit von Süd- und Hochschwarzwald. Roland Weis / Ramesh Amruth, Rombach Verlag, Freiburg, 2013 - ISBN 978-3-7930-5097-1 Bild: Schalensteine in Hammereisenbach. Aktuelle Veröffentlichung mit Verweis auf diese Anlage: Magisch-Mystisch-Megalithisch - Die rätselhafte vorchristliche Vergangenheit von Süd- und Hochschwarzwald. Roland Weis / Ramesh Amruth, Rombach Verlag, Freiburg, 2013 - ISBN 978-3-7930-5097-1
Vorgeschichtliche Schalensteine in Hammereisenbach im Bregtal
- Hammerwäldle, Auf der Streife, Kuckucksweiher -

Im November 2011 konnte im Rahmen einer Geländebegehung eine vorgeschichtliche Megalithanlage in Hammereisenbach besichtigt werden. Eine kurz zuvor erfolgte Freilegung der Anlage durch örtliche Helfer ermöglichte eine umfassende Betrachtung dieser doch sehr ungewöhnlichen Steinformation.
Die Anlage selbst wurde bereits schon früher einer literarischen Behandlung zugeführt - die nachfolgende Beschreibung stammt aus dieser Quelle: "Deutliche Spuren einer vorkeltischen Besiedlung der Gegend lassen sich übrigens in der Megalithanlage im Hammerwäldle, hoch über dem rechtsseitigen Bregtal und dem Ort Hammereisenbach, klar erkennen. Dort liegt der Kuckucksweiher, eine Gruppe von aufeinanderliegenden Felsblöcken aus Granit mit mehreren eingetieften Schüsseln, einem Schalensitz, eingeschliffener Kerbe und keilförmigem Sattelstein. Die größte Schüssel hat einen Durchmesser von fast 80 Zentimetern. In der Nähe, etwa 30 Meter hangwärts, liegen längliche, menhirartige Steine verstreut in einer Mulde. Auch das christliche Bannzeichen, das Kreuz ist vorhanden und somit lässt sich die Anlage mühelos in die typisierten Megalithformen des Schwarzwalds und der Vogesen einfügen." [Kelten-Kulte-Anderswelten, von Doris Benz und Ben Schreger (Freya Verlag)].
Murus Gallicus - Querschnitt - Wikipedia - GNU-Lizenz Murus Gallicus - Querschnitt - Wikipedia - GNU-Lizenz
4. Befestigungstechnik
Der "Murus Gallicus" ist eine architektonische Technik des mörtellosen Mauerbaus, den vorwiegend die Kelten zum Bau von Befestigungsanlagen verwendeten.
 
Die frühlatènezeitlichen Höhensiedlungen (480-380 v.Chr.) nutzten bereits diese Befestigungstechnik, entsprechende Vorläufer hat es mit Sicherheit gegeben. Es handelt sich beim Murus Gallicus im Prinzip um ein Fachwerk aus Holzstämmen und Holzbalken, dessen versetzte Zwischenräume mit Steinen und gestampfter Erde aufgefüllt wurde; die äußeren Mauerseiten waren mit einer Trockenmauer verblendet.
Rekonstruierter keltischer Wallabschnitt (Murus Gallicus) von Bibracte (Haeduerer) - Spätlatènekultur - Wikipedia Rekonstruierter keltischer Wallabschnitt (Murus Gallicus) von Bibracte (Haeduerer) - Spätlatènekultur - Wikipedia
Durch die sehr effiziente und wirksame Bauweise, die jedoch auf Grund ihres natürlichen Zerfalls (Verrottung des Holzes) nur eine begrenzte Lebenszeit aufwies, konnte die Mauer besser auf Belastungen durch Rammen reagieren und war somit den reinen Steinmauern/-wällen deutlich überlegen. Die Stabilität und Zähigkeit des Fachwerks leitete die Belastungen einfach weiter und verhinderte, dass bei geschlagenen Breschen die ganze Mauer einstürzte. Der Aufwand zum Unterhalt dieses Bauwerkes war jedoch erheblich und musste permanent erbracht werden. Heutige Schätzungen gehen davon aus, dass die Mauer alle 15 bis 20 Jahre erneuert werden musste (Fäulnisbefall des Holzes bei feuchter Umgebung). Der Aufbau und die Festigkeit dieser Wälle wird in den römischen Quellen für die Zeit der (Spät)-Latènekultur eingehend beschrieben (De bello Gallico - Gaius Julius Caesar).
Pfostenschlitzmauer Typ Altkönig-Preist - Wikipedia - GNU-Lizenz Pfostenschlitzmauer Typ Altkönig-Preist - Wikipedia - GNU-Lizenz
Ergänzend ist noch anzumerken, dass es mehrere unterschiedliche Bauformen von keltischen Wällen gab. Beim sogenannten "Glaswall", auch "vitrified wall", wurden Steine durch ein starkes Grundfeuer verglast und bildeten eine miteinander verbackene Steinmasse, die mehrfach übereinander aufgebracht werden konnte.
Der schon erwähnte "Murus Gallicus" stellt eine Stein-Erde Konstruktion mit eingelegtem Holzfachwerk dar. Die Mauern sind trotz des Holzanteils "feuersicher" (neue Erkenntnisse) und können erstaunliche Höhen und Dicken erreichen. Mittlerweile wird hier ein abgewandeltes Bauprinzip angenommen, bei welchem die Fachwerkeinlage vertikal unterbrochen ist und ein Brand sich nicht fortsetzen kann (Bibracte).
Pfostenschlitzmauer - Wikipedia - GNU-Lizenz Pfostenschlitzmauer - Wikipedia - GNU-Lizenz
Verwandt zu diesem ist die "Pfostenschlitzmauer" (Kastenbauweise). Als Pfostenschlitzmauer werden typisch keltische Verteidigungsmauerwerke der späten Eisenzeit bezeichnet. Hier wurden vertikal in den Untergrund getriebene Pfosten mit längs und quer liegenden Ankerhölzer zu einem Kastensystem verbunden. In diesen "Schotten" wurden dann sorgfältig geschichtete Bruchsteine aufgesetzt. Die Außenseiten der Mauer waren ebenfalls mit einer Verblendung (Trockenmauer) versehen.
Interessanterweise wurde beim Oppidum von Manching (Spät-Latènekultur) eine vormalige Murus-Gallicus-Mauer durch eine Pfostenschlitzmauer ersetzt. Entsprechende bauliche Vorteile müssen anscheinend zu dieser Entscheidung geführt haben.

Das verfügbare Abraummaterial in der Nähe von Bergbaustätten wurde sicherlich zur Erstellung dieser Wälle mit herangezogen, d.h. durch eine zusätzliche Steinschüttung konnten diese noch verstärkt werden.
Es ist aber dringlich zu beachten, dass diese "Abraumhalden" selber im Gelände nicht als Wall verstanden werden. Die subjektive Differenzierung zwischen Wall und Abraumhalde kann durchaus zu irrtümlichen Ergebnissen führen.
Keltische Festung Dun Aonghus - Massiv-Trockenmauer - Wikipedia GNU-Lizenz Keltische Festung Dun Aonghus - Massiv-Trockenmauer - Wikipedia GNU-Lizenz
Zu welchen Bauleistungen die Kelten fähig waren zeigen die noch fast vollständig erhaltenen Befestigungswerke der Festung Dun Aonghus (auch Dun Aenghus) in Irland. Diese wird von einer mehrfachen Linie dicker Trockensteinmauern umgeben, die heute noch eine Höhe von 6 m aufweisen und in Ermangelung des Werkstoffes Holz vollständig in Stein ausgeführt wurden. Es handelt sich um eine der eindrucksvollsten Festungen in ganz Europa aus der vorchristlichen Eisenzeit. Der Name eines überlieferten irischen Keltenhäuptlings hat sich auf die Festung übertragen (Aonghus).
Sofern es die topographische Ausformung des Geländes zuließ, gliederten die keltischen Baumeister natürliche Hindernisse in die Befestigungswerke mit ein.
5. Keltische Siedlungsgebiete
In vorgeschichtlicher Zeit bildete das heutige Süddeutschland den "Kernbereich" der nordwestalpinen Hallstattkultur (ca. 750-500/450 v.Chr.). Dieser verlief vom oberheinischen Raum über den Quellbereich der Donau hinausgreifend nach Osten. Aus diesen bekannten Anfängen entwickelte sich überschneidend die La-Tène-Kultur (5-1 Jh. v.Chr.), die sich nachfolgend in Mitteleuropa und Kleinasien verbreitete und bis Britannien und Irland ausstrahlte und deren Träger von der griechischen Geschichtsschreibung als Kelten (Keltoi, Galatai; 5. Jh. v.Chr. - Hekataios, Herodot) und von den römischen Quellen als Gallier (Galli, Celtae) bezeichnet wurden. In einer verallgemeinerten Form lassen sich die Kelten wie folgt definieren: "Die Völker, die während der zweiten Hälfte des ersten Jahrtausends v.Chr. in Mittel- und Westeuropa lebten und die sich mit Hilfe von Dialekten der indoeuropäischen Sprachfamilie, die heute als das Keltische bekannt sind, verständigten [Stephen Allen]." Im Grunde spricht vieles dafür, dass die Keimzelle der keltischen Zivilisation und Kunst im 6.Jh. v.Chr. im Raum zwischen Württemberg und Burgund entstand.

Hallstatt-Kultur
Die prunkvollen Fürstenhöfe der frühen Kelten aus der nun endenden Hallstattzeit überstanden aber diesen Kulturwechsel nicht. Diese wurden von den Neuerungen der La-Tène-Kultur im Sturm hinweggefegt; die sich entwickelnden Anfänge einer keltischen Hochkultur fanden ein abruptes Ende.

Die vormals nur durchschnittlich kriegerisch veranlagten Hallstatt-Fürsten, die mehr dem Handel mit Rohstoffen, Waren und dem mediterranen Lebensstil zugewandt waren, gingen in diesem kulturellen Erdbeben zugrunde. Interessanterweise lassen sich in den Gräbern dieser Mächtigen auch nur wenige kriegerische Erzeugnisse nachweisen (Westhallstattkreis). Diese bevorzugten als Grabbeigabe überwiegend reichlich verzierte eiserne Dolche in Schmuckscheiden, seltener ist eine Lanze mit eiserner Spitze nachweisbar, Schwerter kommen so gut wie gar nicht mehr vor. Bunt geschmückte Gewänder aus Schafwolle, Leinen oder versponnenem Dachshaar sowie schwere goldene Halsringe kennzeichneten diese Herrscher. Die Fundarmut kriegerischer Werkzeuge aus dieser Zeit (Westhallstattkreis) lässt aber nicht generell auf eine friedliche Epoche schließen. Auf Grund der fehlenden literarischen Quellen aus der späten Hallstattzeit kann ersatzweise auf die oberitalisch-südostalpine Situlenkunst (Este-Kultur und Hallstattzeit) zurückgegriffen werden. Dort sind wohl geordnete (früh-)keltische Verbände von Fußkriegern und Reitern mit einheitlicher Ausrüstung dargestellt.
 
Die Wissenschaft geht davon aus, dass die damals dominierende griechische Kriegführung (Hoplit) durchaus die frühen Kelten beeinflusst hat und die einheitliche Formation der Phalanx, und die damit verbundene Kampfweise des lanzenführenden Phalangit (Pezhetairoi) oder Thrakers (Psiloi), den traditionellen Schwertkampf abgelöst haben könnte. Auch dürfte der griechische Körperpanzer (Leinenpanzer-Linothorax, Herzpanzer-Kardiophylakes) bei den frühen Kelten zumindest bekannt gewesen sein, der elitäre Glocken- und spätere Kompositpanzer ist für die Hallstattzeit nachgewiesen und gilt als früher Vorläufer des spätlatenezeitlichen keltischen Kettenpanzer.

Internet-Projekt: Hetairoi - Griechische Krieger und Ausrüstung
Geordnete keltische Kriegerverbände auf einer verzierten Schwertscheide aus Hallstatt (um 400 v.Chr.)
Geordnete keltische Kriegerverbände auf einer verzierten Schwertscheide aus Hallstatt (um 400 v.Chr.)
Torques der Dame von Vix - Mont Lassois - 480 v.Chr. - Historisches Museum Bern - [Wikipedia-CC-Rosemania] Torques der Dame von Vix - Mont Lassois - 480 v.Chr. - Historisches Museum Bern - [Wikipedia-CC-Rosemania]
Symbole der Macht - der Torques (Wendelring)
- Offener Halsreif aus der späten Hallstatt- und Latènezeit -
Der Torques verlieh anscheinend seinem Träger einen besonderen Status und kann durchaus als Herrschaftszeichen gedeutet werden. Götterfiguren sowie die Statue des Fürsten vom Glauberg tragen Torques.
Die künstlerische Ausbildung dieses Schmuckstückes variiert in Aussehen und Verarbeitung. Die wertvollsten aufgefundenen Torques bestehen aus massivem Gold, einfachere Ausführungen aus Silber und Bronze.
Er tritt überwiegend in tordierter (gedrehter) Ausführung auf und verfügt über besonders ausgeformte Endstücke mit unterschiedlichen Motiven (Kugeln, Tierköpfe, Tellerform). Der geborgene Torques aus der Fürstlichen Grabstätte von Vix ist aus 24-karätigem Gold gefertigt und besitzt ein Gewicht von 485 Gramm. Seine Entstehung wird auf 480 v.Chr. datiert.
Griechischer Hoplit aus Baumeister: Denkmäler des klassischen Altertums. 1888. Band III., Seite 2004. Die ersten griechischen Kolonisten waren immer Militärsiedler. Es handelte sich um eine waffenfähige Mannschaft (Hetairoi), die das ausgewählte Gebiet verteidigen und ausbauen konnte. So wurde auch um Massalia gekämpft. Griechischer Hoplit aus Baumeister: Denkmäler des klassischen Altertums. 1888. Band III., Seite 2004. Die ersten griechischen Kolonisten waren immer Militärsiedler. Es handelte sich um eine waffenfähige Mannschaft (Hetairoi), die das ausgewählte Gebiet verteidigen und ausbauen konnte. So wurde auch um Massalia gekämpft.
Griechische Hemisphäre - Hellenismus
Die Verbindung zur griechischen Kultur kam über den antiken Handelsstützpunkt Massalia, auch Massilia, dem heutigen Marseille, zustande. Um 620-600 v.Chr. gründeten die Griechen an diesem Hafen eine Siedlung, die zu einer mächtigen griechischen Kolonie heranwuchs. Über die großen Flüsse (Rhone, Saone, Doubs, Rhein und Donau) entwickelten sich Handelsbeziehungen zu den Fürstenhöfen/Zentren der ausgehenden Hallstattzeit (z.B. Heuneburg). Im Gegenzug fanden nordalpine Waren (Sklaven, Kupfer, Zinn, Eisen, Salz und Bernstein) über ein weiträumiges Fernhandelsnetz ihren Weg in den Süden.
Die Ursprünge dieses Fernhandelsnetzes reichen bis weit in die Bronzezeit zurück (Bernsteinstraße). Eine dieser Handelsstraßen - die westdeutsche Landroute - verlief von der Nordseeküste, der späteren Cimbrischen Halbinsel, über Rhein und Rhone durch die "Burgundische Pforte" zur griechischen Kolonie Massalia und von dort in die Toskana, dem Kerngebiet der Etrusker (etruskische Route). Den Griechen waren die friesischen Inseln bereits bekannt (Elektriden-Bernsteininseln). Der Bernstein war der Schlüssel und der Motor dieses Fernhandelsnetzes (Zahlungsmittel, Kultobjekt).

Der Import von Kulturgegenständen aus dem Mittelmeerraum lässt sich anhand archäologischer Funde gut nachvollziehen und die Beeinflussung der einheimischen Kunst durch Nachahmung dieser Kulturgüter ist durchaus feststellbar. In der Hallstattepoche treffen wir noch auf eine geradlinig-geometrische geprägte Formensprache, die sich in der nachfolgenden La-Tène-Kultur in einem wirren Spiel von runden und fließenden Formen (Ranken, Wellen, Linien) dann als eigenständige Interpretation äußert. Inspiriert von etruskischen Kunstgegenständen (Bronzegeschirr) und Dekorformen entstand hier etwas vollständig Neues, eine fast nicht nachvollziehbare wirre Vermischung von Formen und Motiven (Vexierstil), die wissentlich eine fixierende Klarheit in der Abbildung vermeidet. Der ständige Wechsel in allen Formen dominierte diesen heute so schwer zu verstehenden Kunststil.

Griechische Hopliten-Phalanx.
Griechische Hopliten-Phalanx [Wikipedia]
 
Im Jahr 49 v.Chr. wurde das griechische Massalia nach sechsmonatiger Belagerung vom römischen Feldherrn Gaius Iulius Caesar erobert und in die Provinz (Gallia) Narbonensis integriert.
Keltisches Adeligenpaar aus Britannien um 200 v. Chr - Gemälde von ©Peter Conolly. Der dargestellte Kelte ist ein Angehöriger der Kriegerkaste. Das weißgekalkte Haar gehörte zum typischen Erscheinungsbild dieser stolzen Krieger und kann als spiritueller Hinweis auf das gewählte Totem gedeutet werden; in diesem Fall des Pferdes und der Pferdegöttin Epona. Die blaue Bemalung oder Tätowierung der Haut wurde durch die Verwendung des pflanzlichen Farbstoffes Färberwaid (Isatis tinctoria L., Deutsche Indigo) ermöglicht. Als Körperschutz trägt der Krieger das von den Kelten erfundene Kettenhemd, bestehend aus kleinen Eisenringen (in 4 in 1 Technik gefügt). Die römische Armee übernahm diesen erfolgreichen elitären Panzertyp nachfolgend als lorica hamata und setzte diesen in großer Zahl ein (Triarius-Manipel, später Regelpanzer). Der Schild ist noch ohne den eisernen Schildbuckel dargestellt, häufig wurden auf dem Schild spirituelle Motive aufgemalt. Hinweis: Das abgebildete Schwert entspricht dem Kirkburn-Typ - Beschreibung siehe nachfolgend. Keltisches Adeligenpaar aus Britannien um 200 v. Chr - Gemälde von ©Peter Conolly. Der dargestellte Kelte ist ein Angehöriger der Kriegerkaste. Das weißgekalkte Haar gehörte zum typischen Erscheinungsbild dieser stolzen Krieger und kann als spiritueller Hinweis auf das gewählte Totem gedeutet werden; in diesem Fall des Pferdes und der Pferdegöttin Epona. Die blaue Bemalung oder Tätowierung der Haut wurde durch die Verwendung des pflanzlichen Farbstoffes Färberwaid (Isatis tinctoria L., Deutsche Indigo) ermöglicht. Als Körperschutz trägt der Krieger das von den Kelten erfundene Kettenhemd, bestehend aus kleinen Eisenringen (in 4 in 1 Technik gefügt). Die römische Armee übernahm diesen erfolgreichen elitären Panzertyp nachfolgend als lorica hamata und setzte diesen in großer Zahl ein (Triarius-Manipel, später Regelpanzer). Der Schild ist noch ohne den eisernen Schildbuckel dargestellt, häufig wurden auf dem Schild spirituelle Motive aufgemalt. Hinweis: Das abgebildete Schwert entspricht dem Kirkburn-Typ - Beschreibung siehe nachfolgend.
La-Tène-Kultur
Der brachiale Zusammenbruch aller tradierten Werte und Bräuche beginnend um 480 v.Chr. ist heute kaum erklärbar und stellte die damalige frühkeltische Welt auf den Kopf. Die La-Tène-Kultur brach mit allem vorher Bekannten und der Krieg griff nun bestimmend in die keltische Oberschicht ein. Die Ausbildung einer feudalen aristokratischen Kriegerkaste und die permanente Anwendung des Kampfes und Krieges lässt sich nun an den überkommenen archäologischen Funden ablesen. Ab diesem Zeitpunkt sind nahezu in jedem Grab der keltischen Elite die "Werkzeuge" des Kriegers nachweisbar: Stoßlanze, Wurfspeer, Schwert, Dolch, Pfeil und Bogen, Schleuder, Scheibenpanzer, Helm, Schild und Streitwagen gehören nun zur Ausrüstung der keltischen Kriegerfürsten. Schwertkampf und Einzelduell dominieren nun wieder die keltische Kriegsführung.
Als elitäres Standesabzeichen ist der goldene Ring am linken Handgelenk, oder eine goldene Schmuckscheibe, in den Einzelgräbern feststellbar. Der größere Teil der keltischen Bevölkerung bildete aber nach wie vor eine bäuerlich geprägte Unterschicht. Für diese war ein Kriegseinsatz eher die Ausnahme.

Die abbrechenden Funde der La-Tène-Zeit verweisen dann auf einen tiefgreifenden Strukturwandel zu Beginn der historischen keltischen Wanderbewegungen nach Italien und in die Balkangebiete. Es muss hier zu einer beträchtlichen Abwanderung keltischer Bevölkerungsteile gekommen sein. In der Po-Ebene und an der adriatischen Küste ließen sich um 400 v.Chr. über 300.000 Angehörige der keltischen Stämme der Boier, Cenomanier, Lingonen und Senonen nieder; zu dieser Zeit endet auch die Periode der Hügelgräberkultur.  Kleinere Keltengruppen erreichten auch früh das Schwarze Meer und erscheinen dort als Verbündete der Makedonen. Nach einem Zitat des Strabon schworen die Kelten im Jahr 335 v.Chr. dem Eroberer Alexander dem Großen die Treue. Die überlieferte Treueformel lässt durchaus Rückschlüsse auf die Ehrhaftigkeit der Kelten zu und lautet wie folgt: "Wir wollen die Treue halten, oder aber der Himmel möge niederstürzen und uns zerschmettern, die Erde sich öffnen und uns verschlingen, das Meer sich erheben und uns ersäufen"!

Sechzig Jahre später setzten die keltischen Tektosagen, Trokmer und Tolistobogier nach Kleinasien über; die Galater bekriegten erfolglos die Griechen und wandten sich später ebenfalls nach Kleinasien.
Um 200 v.Chr. kommt die keltische Expansionsbewegung zum Erliegen, es bildete sich nun die spätlatenezeitliche Oppidakultur aus. Es existierten aber daneben noch burgähnliche Kleinzentren, die zahlreich über das Land verteilt waren. Ein sehr schönes Beispiel stellt die teilrekonstruierte spätkeltische Befestigungsanlage "Altburg" bei Bundenbach dar.
Die dortige Anlage wurde als Höhensiedlung auf einem Bergsporn angelegt und weist eine Grundfläche von 2 ha auf. Anhand der festgestellten Gräben und 3600 Pfostenlöchern konnte die Anlage im Grundriss vollständig rekonstruiert werden. Die damalige Bevölkerung gehörte dem keltischen Stamm der Treverer an.
Spätkeltische Kleinburg
Spätkeltische Kleinburg "Altburg" bei Bundenbach (Hunsrück), ©unbekannt
William Turner: Dido erbaut Karthago - 1815. National Gallery, London. Public Domain William Turner: Dido erbaut Karthago - 1815. National Gallery, London. Public Domain
Im zweiten punischen Krieg (218-201 v.Chr.) kämpften keltische Kriegerverbände aus der Po-Ebene im Heer des karthagischen Feldherren Hannibal Barkas (Barkiden) gegen die römische Republik.
Die keltischen Söldnertruppen wurden von den Karthagern (Punier) als Bundesgenossen geschätzt und entsprechend ihrer gewohnten Kampfweise auch sehr effektiv eingesetzt - auch in der Phalanx.
Die keltische Reiterei galt als eine der besten in der damals bekannten Welt. Nicht umsonst haben die Römer nach der Eroberung Galliens keltische Hilfstruppeneinheiten in ihre Armee eingegliedert und deren spezifische Ausrüstungsteile teilweise übernommen. Auch wenn Gaius Iulius Cäsar die germanische Reiterei noch höher einschätzte.
Karte der keltischen Gebiete zur Zeit des Gajus Julius Cäsar - Wikipedia GNU-Lizenz Karte der keltischen Gebiete zur Zeit des Gajus Julius Cäsar - Wikipedia GNU-Lizenz
In die verlassenen süddeutschen Gebiete rückten im frühen 2.Jh. v.Chr. die Stämme der Helvetier (Südwesten, Verbigener) und Vindeliker (Südosten) nach. Den römischen Quellen zufolge gliederten sich die Helvetier in bis zu vier Teilstämme (pagi) - Verbigener, Tiguriner, Tougener und Toutonen (unterschiedliche Autorenquellen). Nach den Aufzeichnungen von Gaius Iulius Caesar waren die Helvetier in Grenzkriege mit germanischen Stämmen verwickelt und wurden von diesen langsam aber beständig in die Nordwestschweiz abgedrängt (um 100 v.Chr.). Dem griechischen Geographen Ptolemaios nach, habe es in Süddeutschland eine Helvetier-Einöde gegeben. Interessanterweise verwendeten die Helvetier zur Zeit des Caesar die griechische Schrift, eine Hinterlassenschaft der griechischen Kolonie Massalia.

Zwischen 52 und 15 v.Chr. wurden die kontinentalen Kelten durch Rom und die Germanen in grausamen Kriegen unterworfen. Die keltische Welt ging unter, es folgte nun der Übergang zur gallo- oder provinzialrömischen Epoche.
Kirkburn-Schwert, ©Britisches Museum London Kirkburn-Schwert, ©Britisches Museum London
Das Kirkburn-Schwert - 3. Jh. v.Chr.
Eines der schönsten und aufwendigsten keltischen Waffenerzeugnisse stellt das 1987 in England aufgefundene Kirkburn-Schwert dar.
Ein erhabenes und auf höchstem künstlerischen Niveau stehendes Erzeugnis keltischer Handwerkskunst. Diese Prunkwaffe stand keinem Spitzenerzeugnis aus griechischer, spätetruskischer oder römischer Produktion qualitativ nach und repräsentiert eindrucksvoll den hohen schöpferischen Grad der keltischen Waffenschmiede.

Das Schwert wurde vom Britischen Museum konservatorisch aufbereitet und wissenschaftlich untersucht.
icon jpg  Beschreibung des Kirkburn-Schwertes (jpeg, 570 KB)
Keltische Goldmünze Keltische Goldmünze
6. Beginn der keltischen Münzprägung
Auszug: Dokumentation - Österreichische Nationalbank

"Vermutlich knapp nach 300 v. Chr. haben die ersten Keltenstämme begonnen eigene Münzen zu prägen, die freilich nichts anderes waren als zunächst getreue Nachahmungen klassischer Vorbilder. Von Münzen also, an die sie gewöhnt oder aber von deren Bildinhalt her sie beeindruckt gewesen waren. Die Einflußsphäre des keltischen Volkes hatte damals bereits ihre größte Ausdehnung erreicht: von England bis in die Hochebenen Kleinasiens, von Hispanien bis ans Schwarze Meer waren sie angesiedelt und hatten den vor ihnen dort seßhaften anderen Völkern gleichsam als Oberschichte ihre für diese oft fremde keltische Kultur vermittelt. Die Münzen der Kelten sind für uns eine der wenigen direkten Zeitzeugen; ihre – allerdings raren – Münzlegenden beinahe die einzigen schriftlichen Dokumente dieses bloß in mündlicher Tradition verhaftet gewesenen Volkes."

Eisenzeithaus Venne - ©eisenzeithaus.de, Ausstellung Schnippenburg, deutsche Keltenforschung - Der Besucher kann hier erstmals in Deutschland eine Gegenüberstellung der Funde vom norddeutschen Ausnahmefundplatz Schnippenburg mit den Funden der am besten erforschten süddeutschen Keltenstadt, dem Oppidum Manching, erleben. Eisenzeithaus Venne - ©eisenzeithaus.de, Ausstellung Schnippenburg, deutsche Keltenforschung - Der Besucher kann hier erstmals in Deutschland eine Gegenüberstellung der Funde vom norddeutschen Ausnahmefundplatz Schnippenburg mit den Funden der am besten erforschten süddeutschen Keltenstadt, dem Oppidum Manching, erleben.
eisenzeithaus.de

www.eisenzeithaus.de
In Ostercappeln-Venne wurde 2008 ein Gehöft aus der vorrömischen Eisenzeit gebaut.
Die Idee ein Eisenzeithaus zu rekonstruieren steht im Zusammenhang mit dem Ausgrabungsprojekt Schnippenburg. Auf dem 3000 qm großen Areal soll nach der Fertigstellung wie vor 2300 Jahren gelebt und gearbeitet werden: Typische Nutzpflanzen der damaligen Zeit wachsen im Garten, im eingefriedeten Bereich grasen alte Haustierrassen, auf Schauflächen und Werkplätzen werden Ackerbau und Handwerk anschaulich dargestellt.
Über einen befreundeten Kontakt kam hier ein Bezug zu diesem Projekt zustande. Dieses schließt eine wichtige zeitgeschichtliche Lücke und wird vorbildlich von der "unteren" Denkmalbehörde und dem Land Niedersachsen unterstützt. Es soll deshalb an dieser Stelle Erwähnung finden.
Emmer Getreide [Wikipedia] Emmer Getreide [Wikipedia]
7. Nahrungsmittelanbau
Die Basis der (früh-)keltischen Nahrungsmittelversorgung bildete das Emmer-Getreide (Triticum dicoccum-Zweikorn). Es handelt sich beim Emmer-Getreide, zusammen mit Einkorn, um eine der ältesten kultivierten Getreidearten. Die Pflanze lässt sich bis 3.000 v.Chr. zurückverfolgen - ursprünglich stammt sie aus dem Nahen Osten, dort wird sie seit mindestens 10.000 Jahren angebaut.
 
In Baden-Württemberg wird der Anbau dieser frühen Weizensorten wieder gefördert. Emmergetreide ist eiweiß- und mineralstoffreich. Trotz seiner mäßigen Klebereigenschaften ist Emmer auch für die Brotherstellung geeignet. Vollkornbackwaren verleiht Emmer einen herzhaften und leicht nussigen Geschmack [Wikipedia].
Eisenzeitlicher Ackerbau - ©Butser Ancient Farm (UK) Eisenzeitlicher Ackerbau - ©Butser Ancient Farm (UK)
Mit dem Anbau dieser Getreidearten konnte sich der prähistorische Mensch vom Jäger und Sammler zum sesshaften Ackerbauer und Viehzüchter entwickeln. Dieser Prozess wird als Neolithische Revolution bezeichnet und setzte in Süd- und Mitteleuropa zwischen 7500 v.Chr. und 4000 v.Chr. ein. Der mögliche Ernteertrag des latènezeitlichen Emmer-Getreideanbaus kann mit 1 t/ha angegeben werden. Untersuchungen der britischen Butser Ancient Farm bestätigen dies. Daneben wurde noch Gerste, Dinkel, Roggen, Hirse und Hafer angebaut. Dazu kommen als Feldfrüchte Erbsen, Linsen und Feldbohnen. Als Ölfrüchte wurden Lein und Leindotter gepflanzt. Ebenfalls wurde die wilde Weinrebe geerntet. Ihre Früchte lassen sich zu Rosinen dörren. Auch konnte die Butser Ancient Farm die Viehzuchthaltung von antiken Schafrassen und anderer Nutztiere rekonstruieren, bzw. wichtige Wissenslücken schließen. In den Aufzeichnungen von Gaius Iulius Caesar findet der effiziente keltische Getreideanbau seinen Niederschlag, die Kelten betrieben zu dieser Zeit einen umfangreichen Getreide- und Lederhandel (Export).

Es handelte sich bei den Kelten um eine mächtige ethnische Gruppe mit einer organisierten Gesellschaftsstruktur, die bereits "vor" der römischen Okkupation umfassend ausgebildet war!
Schädeltor von Roquepertuse - der Ort und das religiöse Zentrum wurden bei einem Angriff der Römer im Jahr 124 v. Chr. vollständig zerstört, jedoch ist der Zeitpunkt der Zerstörung auch früher im 2. Jh. v. Chr. möglich. ©Museum Borély in Marseille Schädeltor von Roquepertuse - der Ort und das religiöse Zentrum wurden bei einem Angriff der Römer im Jahr 124 v. Chr. vollständig zerstört, jedoch ist der Zeitpunkt der Zerstörung auch früher im 2. Jh. v. Chr. möglich. ©Museum Borély in Marseille
8. Kriegerische und religiöse Bräuche
Die antike Geschichtsschreibung übermittelt in drastischen Berichten den von den Kelten angewandten Brauch der religiösen Menschenopferung. Der Geschichtsschreiber Diodor bestätigt die römischen Berichte zu den blutigen Riten dieses Volkes, in denen Hunderte von Menschen gepfählt, gekreuzigt und nachfolgend verbrannt wurden. Die Schlachtung eigener Frauen und Kinder vor dem Kampf, um die Götter günstig zu stimmen, wird den Galatern (Kelten) von den Griechen zugeschrieben. Inwieweit es sich hier um Kriegspropaganda handelte bleibt dahingestellt, die archäologischen Funde bestätigen jedoch grundsätzlich einen keltischen Opferbrauch. In Ribemont-sur-Ancre im Departement Somme wurde ein keltischer Kultplatz aus dem 3. Jahrhundert v.Chr. entdeckt; in dem untersuchten Areal von 150 mal 180 m wurden die Gebeine von etwa tausend geopferten Jugendlichen zwischen fünfzehn und zwanzig Jahren sorgsam aufgeschichtet ausgegraben. Kriegsgefangene wurden in Opferstätten in großer Zahl getötet und deren enthauptete Körper auf Gestellen bis zur Verwesung zur Schau gestellt.
Gaesatae (Speerkrieger) - furor celticus - ©celtic-heritage.at Gaesatae (Speerkrieger) - furor celticus - ©celtic-heritage.at
"Die keltische Götterwelt wurde mit viel Blut beschworen".
Ein freiheitsliebendes, wildes und durchaus grausames Volk -
wie so viele andere auch!

Der Brauch des Witwenmordes am Gattengrab, sowie die Tötung von Grabgefährten als Beigabe ist archäologisch nachgewiesen; gleichfalls wurden auch bevorzugte Knechte und Hörige zusammen mit ihrem Herrn auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Ebenso ist die kriegerische Kopfjagd und Trophäen-Verehrung anhand archäologischer Funde bezeugt und begegnet vielfach in der keltischen Kunst. Dem keltischen Glauben nach war der Kopf der Wohnort der Seele und stellte ein besonderes mystisches Symbol dar.
Der Bericht von Cassius Dio (LXII 7) zur Opferung von Frauen an die Siegesgöttin Andate (Britannien, 60-61 n.Chr., Boudicca-Aufstand) lässt sich kaum in der Öffentlichkeit wiederholen, der geschilderte Grad an Bestialität ist nur schwer wiederzugeben. Der abgrundtiefe Hass der keltischen Bevölkerung gegenüber der römischen Besatzungsmacht muss sich hier größtenteils aus dem Fehlverhalten und Versagen der höheren römischen Verwaltungebene gespeist haben.
Darstellung des keltischen Gottes Cernunnos (Celticum) auf dem Kessel von Gundestrup. Das Hirschgeweih taucht als ritueller Gegenstand auch in Opfergruben/-brunnen auf. Darstellung des keltischen Gottes Cernunnos (Celticum) auf dem Kessel von Gundestrup. Das Hirschgeweih taucht als ritueller Gegenstand auch in Opfergruben/-brunnen auf.
Rituale und spiritueller Glaube durchdrangen alle Aspekte des keltischen Kriegerlebens (La-Tène-Zeit). Der Hang zum Übernatürlichen umgab jeden Krieger und spiegelte sich im starken Bezug zur Natur wieder. Jeder Baum, Fluß, See und Berg wurde von einem besonderen Geist durchströmt; Quellen, Wasserläufe und Bäume galten als besonders heilig. Zeremonien fanden an besonderen Orten, innerhalb von heiligen Eichenhainen (drunemeton), statt, während in Flüssen, Seen und Sümpfen rituelle Gegenstände als Opfergabe für die Götter versenkt wurden. Diese reichten von Waffen- und Schmuckgegenständen bis zu Tier- und Menschenopfer hin.
 
Als besonders verehrungswürdige Tiere galten auf Grund ihrer spezifischen Eigenschaften wie Schnelligkeit, Wildheit und Treue, das Pferd, der Stier, das Wildschwein, der Rabe und der Hund. Das gewählte Totem wurde äußerlich erkennbar an der Kleidung und Rüstung dargestellt und sollte dessen Eigenschaften und Geist auf den Krieger übertragen.
Die Trennung zwischen Alltagswelt und der Welt der Götter und Toten war gleitend; beide Welten existierten Seite an Seite und waren miteinander verwoben. Das Diesseits und Jenseits der Welten konnte in der keltischen Gedankenwelt wechselseitig durchwandert werden.
 
S.P.Q.R - Senatus Populusque Romanus. Bild: Wikipedia Commons Lizenz - Lamré S.P.Q.R - Senatus Populusque Romanus. Bild: Wikipedia Commons Lizenz - Lamré
Römische Republik - Imperium Romanum
Die brachiale Unterwerfung der keltischen Völker und deren rigorose Ausplünderung durch das Römische Reich haben eine blutige Spur hinterlassen. Innerhalb der keltischen Bevölkerungsgruppe müssen die menschlichen Verluste gewaltige Ausmaße erreicht haben. Es gilt hier die Vor- und Nachteile des römischen Friedens (pax romana) für die jeweiligen Betroffenen genau abzuwägen.
Die schriftlichen Quellen aus dieser Zeit übermitteln überwiegend nur die überkommene Wahrheit des römischen Siegers. Ob diese Darstellung die historischen Ereignisse korrekt wiedergibt, ist fraglich...
Imperator Caesar Divi filius Augustus (63 v.Chr.-14 n.Chr.) - ©Wikipedia Imperator Caesar Divi filius Augustus (63 v.Chr.-14 n.Chr.) - ©Wikipedia
Rom und seine Kriege
Die römische Militärdoktrin bildete in der Antike einen eigenen Schwerpunkt und unterschied sich grundsätzlich von den konkurrierenden Mächten.
Sehr leidvoll mussten die Griechen, Punier und Gallier in den Kämpfen gegen die Römische Republik erkennen, dass sie auf einen Gegner stießen, der auf dem Schlachtfeld die totale Vernichtung des Feindes anstrebte.
Obwohl die Griechen und Punier durch überlegene Taktik die ersten Schlachten noch für sich entscheiden konnten, führte dieses kriegerische Ringen nachfolgend zu ausufernden Blutbädern. Der Begriff Pyrrhussieg beschreibt diese Situation sehr eingehend.
 
Die überaus brutale römische Kriegführung rührte ursprünglich von den katastrophalen Erfahrungen der Republik während der keltischen Wanderungen, den punischen Kriegen sowie den Bürgerkriegen her, in deren Verlauf sich der Stadtstaat am Rand des Abgrunds bewegte. Eine totale Militarisierung des Gemeinwesens war die Folge, der kriegerischen Standhaftigkeit der Republik kann man durchaus Respekt entgegenbringen.
Web: Imperium Romanum
Legionär um 25 v.Chr. - ©www.ruestungsschmiede.de Legionär um 25 v.Chr. - ©www.ruestungsschmiede.de
Stehendes Heer
Nach der Professionalisierung des römischen Heeres, begonnen unter Marius und vollendet unter Kaiser Augustus, stand eine Berufsarmee zur Verfügung, die in der antiken Welt ihresgleichen suchte. Spätestens zu diesem Zeitpunkt hatte sich die römische Legion der frühen und hohen Kaiserzeit zu einer perfektionierten Kampfmaschine weiterentwickelt, die in der offenen Feldschlacht mit durchschlagender Wucht auf den Gegner einwirkte. Nur im Kleinkrieg, aus dem Hinterhalt, oder auf schwierigem Gelände war es noch möglich, dieser gepanzerten Macht die Stirn zu bieten - zerbrach die ordo militaris, war die Legion wieder besiegbar!
Ein konsularisches Heer setzte sich aus mindestens zwei Legionen und zusätzlichen Hilfstruppen zusammen.

Beispielhafte Niederlage
Dem keltischen Stamm der Eburonen gelang es 54 v.Chr. in einem Hinterhalt eineinhalb Legionen (XIV. + Vexillation) vollständig zu vernichten; bis zu 9.000 Legionäre wurden bei Atuatuca erschlagen. Diese römische Niederlage zeigt verblüffende Parallelen zu der späteren Varusschlacht im Teutoburger Wald (9 n.Chr.) auf. Der Gefechtsverlauf und die taktischen Verhältnisse sind durchaus vergleichbar.
Legionsadler (Replika) - ©Wikipedia Legionsadler (Replika) - ©Wikipedia
Römische Vergeltung
Die Rachefeldzüge des Gaius Iulius Caesar gegen die Eburonen löschten den zwischen Rhein und Maas siedelnden Stamm nahezu aus. Die antiken Quellen (u.a. Commentarii de Bello Gallico) künden von einem legendären Verkauf von 53.000 Gefangenen [?]. Caesar zählt die Eburonen zwar zu den vier cisrhenanischen (linksrheinischen) Germanenstämmen, die Stammesbezeichnung, die überlieferten Personen- und Ortsnamen (Ambiorix, Atuatuca), sowie der archäologische Befund, der der keltischen Spätlatène-Kultur zuzurechnen ist, sprechen jedoch für die Zugehörigkeit zu den Kelten.

Die Grenzkriege des Römischen Imperiums in Gallien, Germanien und Britannien wurden mit großer Härte geführt. Nach dem Durchzug römischer Truppen durch aufständische Gebiete war nahezu kein Überleben mehr möglich. Was sich diesen noch als wehrfähig entgegenstellte wurde erbarmungslos niedergemacht, die kläglichen Reste marschierten in die Sklaverei oder die Arena. Behausung und Agrarfläche wurde auf Jahre zerstört, das menschliche Dasein endete - pax romana.
Manipel-Signum (Replika) der [LEG]io [III] - ©Wikipedia - Gliederung der Legion (Marius, Augustus): 10 Kohorten = 3600-6000 Mann; 1 Kohorte aus 3 Manipeln = 360-600 Mann; 1 Manipel aus 2 Zenturien = 120-200 Mann; 1 Zenturie mit 80 Mann. Dazu noch 300 Reiter und Hilfstruppen (Socii, bis 88 v.Chr., bellum Marsicum). Später wurde die 1. Kohorte deutlich verstärkt, die Reiterei auf 120 Mann reduziert (4 Turmen), sowie ein ständiges Hilfstruppen-Kontingent (auxilia: cohors, ala) angegliedert. Manipel-Signum (Replika) der [LEG]io [III] - ©Wikipedia - Gliederung der Legion (Marius, Augustus): 10 Kohorten = 3600-6000 Mann; 1 Kohorte aus 3 Manipeln = 360-600 Mann; 1 Manipel aus 2 Zenturien = 120-200 Mann; 1 Zenturie mit 80 Mann. Dazu noch 300 Reiter und Hilfstruppen (Socii, bis 88 v.Chr., bellum Marsicum). Später wurde die 1. Kohorte deutlich verstärkt, die Reiterei auf 120 Mann reduziert (4 Turmen), sowie ein ständiges Hilfstruppen-Kontingent (auxilia: cohors, ala) angegliedert.
Nördliches Alpenvorland
Erste römische Truppen können im Umfeld des Bregtals um 15 bis 9 v.Chr. durch vorliegende Bodenfunde lokalisiert werden. Der überlieferte Feldzug des Tiberius bis zu den Quellen der Donau erfuhr durch einen interessanten archäologischen Fund möglicherweise eine späte Bestätigung. Das 1977 bei Hüfingen (Gewann Krumme Äcker) aufgefundene Militärlager aus der frührömischen Zeit dürfte eine größere Truppen-/Versorgungseinheit für kurze Zeit aufgenommen haben. Eine magnetometrische Aufnahme des Lagers ergab einen 60 mal 100m großen Lagergrundriss (0,6 ha).
Im teilweise angeschnittenen Innenraum des Lagers sind sehr exakt und sorgfältig errichtete Holzgebäude nachweisbar, die eine frühe temporäre Präsenz römischer Truppenverbände in dieser Raumschaft als gesichert erscheinen lassen. Geborgene Funde (auch Münzen) bringen diese Anlage mit den Feldzügen des Augustus in Verbindung [GFingerlin].

Im benachbarten Landkreis Waldshut wurde ein bereits 1967 entdecktes frührömisches Militärlager einer umfassenden archäologischen Betrachtung unterzogen (Rettungsgrabung). In dem aufgefundenen Lager bei Küssaberg-Dangstetten war nachweislich eine Vexillation der XIX. Legion stationiert. Archäologische Funde bestätigten mittlerweile die Anwesenheit von drei Kohorten - [COH]ors I, II, III - und einer Reiterabteilung (auxilia) dieser Legion.
 
Die Vexillation wurde anscheinend ununterbrochen im Verlauf des Alpenfeldzuges von 15 v.Chr., und der nachfolgenden Sicherung des Voralpenlandes, gegen die keltischen Stämme der Brigantier (östl. Bodenseeraum, Bregenz) und Vindeliker (nördl. Bodenseeraum bis Augsburg) eingesetzt. Römische Quellen führen noch weitere Stämme auf, eine verlässliche Zuordnung ist jedoch nicht möglich.
 
Das Dangstetter Vexillationslager (Stand-/Winterlager) gehört zu den am genauesten datierten Fundplätzen der römischen Zeit und stellt eine der ältesten militärischen Anlagen auf deutschem Boden dar, die im Zusammenhang mit den augusteischen Feldzügen entstanden sind. Historiker verweisen auf die Möglichkeit, dass von diesem Lager aus der Vorstoß des Tiberius über den Bodensee und dann ostwärts nach Augsburg erfolgte. Die Stärke der römischen Truppen kann mit 2-3 Legionen und zusätzlichen Hilfstruppen (Auxilia) veranschlagt werden (ca. 20.000 Mann).

Interner Link: Die Römer am Bodensee
Römisches Vexillum (Replika) Römisches Vexillum (Replika)
Augusteische Germanenkriege
10 v.Chr. wurden die germanischen Markomannen (suebischer Volksstamm, Maingebiet) von Rom vernichtend geschlagen, 8 v.Chr. dann zur Kapitulation gezwungen. Mit der gelungenen Abwanderung des Stammes in das Gebiet des heutigen Böhmen und Mähren gelang es diesem sich vorerst vom römischen Druck zu befreien. Zur endgültigen Zerschlagung des erstarkten markomannischen Königreichs (rex Maroboduus) zogen die Römer dann 6 v.Chr. eine Heeresgruppe von 12 Legionen mit nahezu 60.000 Legionären und zusätzlichen Hilfstruppen (alae, cohortes) zusammen, der Pannonische Aufstand verhinderte jedoch die Ausführung des geplanten Vernichtungskriegs. Mit der römischen Niederlage in der Varusschlacht (9 n.Chr.) endete dann die römische Expansion in Germanien. Das römische Imperium führte aber weiterhin präventive Militärschläge gegen germanische Volksstämme durch, zunächst noch aus einer überlegenen Machtposition heraus, später aus purer Not.
Gaius Iulius Caesar - 100-44 v.Chr.
Gaius Iulius Caesar
100-44 v.Chr.
Feldherr u. Politiker,
Zerstörer des
keltischen Gallien.
Römischer Legionsschild - Scutum [Wikipedia]
Conscribe te militem in legionibus.
pervagare orbem terrarum.
inveni terras externas.
cognosce miros peregrinos.
eviscera eos.
Legio XIII Gemina - caesarisch. Errichtet 57 v.Chr. - Gallischer Krieg [CatMan61]
Geh zu den Legionen,
sieh dir die Welt an,
reise in fremde Länder,
triff faszinierende Leute
und reiß ihnen die Eingeweide heraus.
 
Archäologie-Online-Portal
Literatur:
-
Die Geschichte des Oberen Bregtals - Heribert Saldik
    Download möglich (Pdf - 1,7 MB) - überarbeitete Fassung 2011
- Schriften des Vereins für Geschichte und Naturgeschichte der Baar,
    Band 37 - 1991, Download möglich (Pdf - 37 MB)!
- Magisch - Mystisch - Megalithisch: Roland Weis, Ramesh Amruth
- Die Frühen Kelten - Konrad Spindler
- Das Zeitalter der Keltenfürsten: ... - Martin Kuckenburg
- Die Kelten - Martin Kuckenburg
- Die Kelten - Alexander Demandt
- Die Kelten - Wolfgang Meid
- "De bello Gallico" von Gaius Iulius Caesar
- weitere unbenannte Quellen
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