Die Stadtgründung von 1244 
Die Stadt Vöhrenbach und ihre ältere Geschichte
Bader - Vöhrenbach - ©thz-historia.de
Als Professor Dr. Karl Siegfried Bader im Jahr 1965 die Arbeiten an seinem Band zur älteren Geschichte der fürstenbergischen Land- und Amtsstadt Vöhrenbach beendet hatte, fand ein zweigeteiltes Werk seinen Abschluss, in dem ein zeitgeschichtlicher Rahmen von über sieben Jahrhunderten einer Behandlung zugeführt werden konnte [Furtwängler 1961, Bader 1965].
 
Die Erstellung seines Bandes beruhte damals auf Vorstudien, die bereits 1950 ihren Anfang nahmen, und ursprünglich durch die Stadtgemeinde initiiert wurden. In späteren Gesprächen hat Professor Bader darauf hingewiesen, dass durchaus noch ergänzendes Archivmaterial vorhanden sei. Es wäre hier aber erforderlich gewesen, die räumliche Abhandlung der geschichtlichen Ereignisse deutlich über die Stadtgrenzen hinaus auszudehnen. So wurde z.B. der wichtige Zusammenhang zwischen Alt-Herzogenweiler und dem Prädium Runstal nur am Rande gestreift.
Verständlicherweise konzentrierte sich der Autor auf die wesentlichen geschichtlichen Kerndaten und schuf mit seinem Werk eine grundlegende Basis zur älteren Stadtgeschichte. Diese zu ergänzen obliegt nun nachfolgenden Generationen.
Neue Beiträge - ©heimatgilde-frohsinn.de
Einige offene Fragen zur Stadtgründung konnten in dem 1994 erschienenen Buch des Arbeitskreises Stadtgeschichte mit dem Titel "Vöhrenbach im Schwarzwald - Neue Beiträge zur Stadtgeschichte" beantwortet werden. Wir wissen heute, dass es auf dem Gebiet der Stadt Vöhrenbach drei Burgstellen gab und die genaue Lage der Burg im Gewann Schlossberg sowie des Dorfes Alt-Herzogenweiler ist bekannt.
 
Die urkundliche Erwähnung einer hochmittelalterlichen Glashütte (1218) in Langenbach wird in der Fachliteratur und in Museumsausstellungen (Wolfach-Glasmuseum) nach wie vor zitiert. Hier konnten aber bis heute keine verwertbaren Bodenfunde gesichtet werden, die mittelalterlichen Gemarkungsgrenzen sind hier fließend. Es gilt nun der Ansatz, durch aufmerksame Geländebetrachtungen und eventuell auftretende Glasbrandrückstände neue Rückschlüsse bilden zu können.
Vöhrenbach im Bregtal - ©thz-historia.de
Die Erschließung des südöstlichen Schwarzwaldes
Die Land- und spätere Amtsstadt Vöhrenbach war von 1250 bis 1806 ununterbrochen im Besitz der Fürstenberger. Es setzte sich hier eine Entwicklung fort, die mit dem Grafen Egino V. von Urach einen ersten Anfang nahm und sich über das gräfliche Haus Urach-Freiburg bis zu den Grafen - und späteren Fürsten - von Fürstenberg erstreckte.
Die Städte Neustadt, Vöhrenbach und Löffingen sind untrennbar mit der altfürstenbergischen Landesgeschichte verbunden und haben während der Erschließung des südöstlichen Schwarzwaldes wichtige Stützpunkte gebildet. Als kleinere Handwerkerstädte (Zunftordnung) stellten diese gewerbliche Mittelpunkte für den weiteren Landesausbau dar.
Die Grafen v. Urach -  Erben der Herzöge v. Zähringen. Graf Egino V. v. Urach (+1237) war der Ahnherr der Grafen von Freiburg und Fürstenberg. In langwierigen Kämpfen gelang es diesem seinen Anspruch auf das mütterliche Zähringererbe überwiegend durchzusetzen. Um 1250 kam es zu einer Teilung des Familienbesitzes. Die jüngere Linie der Grafen v. Fürstenberg übernahm die Gebiete auf dem Schwarzwald, im Kinzigtal und auf der Baar - ©wikipedia Die Grafen v. Urach - Erben der Herzöge v. Zähringen. Graf Egino V. v. Urach (+1237) war der Ahnherr der Grafen von Freiburg und Fürstenberg. In langwierigen Kämpfen gelang es diesem seinen Anspruch auf das mütterliche Zähringererbe überwiegend durchzusetzen. Um 1250 kam es zu einer Teilung des Familienbesitzes. Die jüngere Linie der Grafen v. Fürstenberg übernahm die Gebiete auf dem Schwarzwald, im Kinzigtal und auf der Baar - ©wikipedia
Das Bregtal
Die Erschließung des Schwarzwaldes erfolgte im Mittelalter durch die Klöster und durch ihre Rodungstätigkeit und Landwirtschaft wirkten diese in den inneren Schwarzwald hinein. Mit der Gründung von Städten und Orten wurde dann die Besiedelung des nun vorerschlossenen Raumes durch die Landesherren nachhaltig ausgebaut. Eine zentrale Rolle zur Erschließung des südöstlichen Schwarzwaldes nahm hier die im Bregtal liegende Burg Zindelstein ein. Der Bergfried wurde von den Herzögen von Zähringen erbaut, die südliche Vorburg nachfolgend von den Grafen von Urach.

Wappenschilder
Das Wappen der Grafen von Urach-Freiburg (später auch Fürstenberg) spiegelt die genealogischen Ursprünge der Familie redend wieder und kombiniert Bestandteile der Wappen seiner Ahnen, der Grafen v. Urach (links) und der Herzöge v. Zähringen (rechts) zu einem neuen Wappen (Mitte). Alle drei Adelshäuser waren an der Erschließung des südöstlichen Schwarzwaldes mehr oder weniger beteiligt und lassen sich auf der im Bregtal liegenden Burg Zindelstein nachweisen - ©FFA-DS. Kunst und Kultur der Wappen: Einführung in die Heraldik - Dr. Bernhard Peter
Bild: Fürstenbergische Hauslinien (png, 56 KB)
Bild: Fürstenbergische Stammtafel (png, 320 KB)
 
Weitere Info:
Burg Hausach - castrum Husen. Die staufische Burg wurde 1246, zusammen mit dem oberen und mittleren Kinzigtal, von den Grafen von (Urach-) Freiburg erobert. Gegen Ende des 13.Jhs. kam der Hausacher Besitz des Freiburger Grafenhauses durch Heirat an die Kinzigtäler Linie der fürstenbergischen Vettern. Es erfolgte später ein massiver Umbau nach neuesten Befestigungsgrundsätzen, von der alten Bausubstanz blieb fast nichts übrig. Bild: CC-Lizenz-Gorgalla. Burg Hausach - castrum Husen. Die staufische Burg wurde 1246, zusammen mit dem oberen und mittleren Kinzigtal, von den Grafen von (Urach-) Freiburg erobert. Gegen Ende des 13.Jhs. kam der Hausacher Besitz des Freiburger Grafenhauses durch Heirat an die Kinzigtäler Linie der fürstenbergischen Vettern. Es erfolgte später ein massiver Umbau nach neuesten Befestigungsgrundsätzen, von der alten Bausubstanz blieb fast nichts übrig. Bild: CC-Lizenz-Gorgalla.
Die ersten Jahre - Stadt Vöhrenbach
Am Anfang war - ein Tal, eine Hofstelle mit zwei Eigenleuten - Berthold von Vernbach und Adelheid von Kvrna - und die Stadtgründung von 1244 durch die Grafen v. (Urach-)Freiburg.

In der Literatur wird vielfach erwähnt, dass der absehbare Rückgewinn der Stadt Villingen die Stadtgründer ursächlich veranlasst habe ihre Gründung im Bregtal zu vernachlässigen und dies in den ersten Jahren zu einer Stagnation der Stadtentwicklung geführt hätte. Unter Berücksichtigung der politischen Verhältnisse zu dieser Zeit ergeben sich hier abweichende Positionen, die die Wertigkeit der Stadt Villingen für die Neugründungen Neustadt (um 1240) und Vöhrenbach (1244) etwas zurückfallen lässt und andere Dinge in den Vordergrund rückt.
 
Seit 1246 befanden sich die Grafen von (Urach-)Freiburg im Krieg und unter Aufbietung aller verfügbaren Kräfte wurde ein finaler "Endkampf" mit dem alten staufischen Gegner im oberen und mittleren Kinzigtal ausgefochten.
Die erfolgreiche Eroberung der staufischen Burg Hausen (castrum Husen) und der Städte Haslach, Steinach und Biberach erforderte eine nachfolgende Behauptung dieses Gebietes und fesselte die Kräfte der Freiburger Grafen zusehends, zumal sich hier nachfolgend ein Streit zwischen den Grafen, dem Bischof von Straßburg, und den Herren von Geroldseck um die staufische Beute entwickelte. Eine starke Anspannung der Grafen lässt sich auch daran festmachen, dass die eigenen Kräfte für eine weitergehende Eroberung des vorderen Kinzigtals nicht mehr ausreichten.
Herren von Geroldseck (Hohengeroldseck) - ältere Linie - ©gemeinfrei Herren von Geroldseck (Hohengeroldseck) - ältere Linie - ©gemeinfrei
1248 eroberte der Bischof von Straßburg die staufischen Positionen in der Ortenau und rückte kämpfend bis an das mittlere Kinzigtal heran; die Herren von Geroldseck hielten sich im Besitz der Stadt Zell a.H. Insoweit führte diese Situation zu einer Bindung der Kräfte und dürfte maßgeblich zur anfänglichen Stagnation der Vöhrenbacher Stadtentwicklung beigetragen haben, zumal die Stadt kurz darauf in Straßburger Lehensbesitz überführt wurde (1250) und sich erst nach 1273 aus diesem wieder lösen konnte.
 
Die um 1250 begründete Fürstenbergische Nebenlinie setzte hier auf eine politische Lösung, während die Freiburger Hauptlinie die kriegerische Option wählte und die Geroldsecker nachfolgend bekämpfte. Eine überraschend ausgeführte kriegerische Aktion des Grafen Konrad von Freiburg führte dann 1250 zur Gefangennahme von Walter von Geroldseck und seines Sohnes.
In diesem Zusammenhang könnte auch ein erfolgreich durchgeführter Freiburger Kriegszug gegen die Lahrer Tiefburg stehen; die vorhandenen Indizien lassen dies vermuten. Im Grunde war das Haus Freiburg nicht bereit, auf seine zähringischen Erbansprüche in der Ortenau und dem Renchtal zu Gunsten der Geroldsecker oder dem Bistum Straßburg zu verzichten.
Bistum Straßburg - ©[Bild: David Liuzzo] Bistum Straßburg - ©[Bild: David Liuzzo]
In der Schlacht von Hausbergen (1262) wurde die rechtrheinische Dominanz des mächtigen Bischofs von Straßburg - seit 1260 Walter von Geroldseck - dauerhaft gebrochen. Das kriegerische Zweckbündnis zwischen den Grafen von Freiburg (Haus Freiburg), von Habsburg, und der aufständischen Stadt Straßburg konnte sich erfolgreich gegen diesen mächtigen geistlichen Reichsfürsten durchsetzen. Interessanterweise verbündeten sich hier zwei territorial rivalisierende Adelshäuser (Freiburg, Habsburg) zu Gunsten eines höheren Ziels, oder gegen ein größeres Übel - der Feind meines Feindes ist mein Freund...
 
Die politische Schwächung des Bistums Straßburg auf rechtsrheinischem Gebiet (Ortenau) entlastete auch die Grafen von Fürstenberg und dürfte ursächlich zur Ablösung des straßburgischen Lehensbesitzes auf der Baar geführt haben (u.a. Stadt Vöhrenbach, Kürnburg bei Bräunlingen).
Das Haus Fürstenberg, in Person des Grafen Heinrich I., konnte seit 1273, als verdienter Parteigänger des römisch-deutschen Königs Rudolf I. von Habsburg, eine wesentlich stärkere politische Position einnehmen, die Graf Heinrich I. auch vorteilhaft zur Sicherung seiner Herrschaft nutzte.
Die Grafen von Sulz. Das Haus Sulz besaß landgräfliche Rechte in der Baar und hatte diese an die verwandten Herren von Wartenberg übertragen - ©gemeinfrei Die Grafen von Sulz. Das Haus Sulz besaß landgräfliche Rechte in der Baar und hatte diese an die verwandten Herren von Wartenberg übertragen - ©gemeinfrei
In der Ostbaar widmeten sich zu dieser Zeit die Grafen von Fürstenberg der Todfeindschaft zwischen ihnen und den Freiherren von Wartenberg (Stadt Geisingen) um die Vorherrschaft in der Landgrafschaft Baar. 
Die Wartenberger konnten sich hier auf die verwandschaftliche Unterstützung der Grafen von Sulz berufen, die bereits zur Zeit der Herzöge von Zähringen landgräfliche Rechte in der Baar besaßen und nun in Konkurrenz zu den Interessen des Hauses Fürstenberg standen. Dieser Streit beschäftigte die Fürstenberger über Jahrzehnte und bildete eine offene Flanke.
 
Die Erlangung des Titels und Amtes eines Landgrafen der Baar war ein zentraler Machtanspruch der Fürstenberger zur Absicherung ihrer Herrschaft und führte interessanterweise auch innerhalb des fürstenbergischen Familienverbandes zu nachfolgenden "Verstimmungen" (Fürstenbergische Fehden). Zwischen der älteren Linie Fürstenberg-Baar, mit Sitz auf dem Fürstenberg, und der jüngeren Linie Fürstenberg-Haslach, mit Sitz in der Stadtburg Haslach, entwickelten sich kriegerische Konflikte.
Die Stadt und ihre Stellung
"Bürger und Bauer trennt nichts als die Mauer", oder im mittelalterlichen Originaltext: "Einen burger und eine gebuer scheit nicht me wen ein czuhen und ein muer." Dieser Grundsatz gilt für alle mittelalterlichen Städte und grenzt die Definition einer Stadt doch schon genauer ein. Der augenfällige Unterschied scheint zu besagen, dass der strukturelle Unterschied zwischen Bauernsiedlung und Bürgersiedlung (Stadt) die Befestigung ist. Die Forschung folgt dieser Annahme jedoch nur bedingt, im Groben trifft diese aber dennoch zu. Obwohl es natürlich auch vereinzelt Städte ohne Stadtmauer gab.
 
Im Fall von Vöhrenbach wurde der Status der neugegründeten Stadt eindeutig definiert, die beabsichtigte Errichtung erfolgte entsprechend der Gründungsurkunde von 1244 zunächst als Burg und Stadt. Nach [Bader] ging man bei der Stadtgründung wie folgt vor: Es erfolgte eine Teilung des Stadtgrundes, d.h. dem abgesteckten Bezirk innerhalb der vorgesehenen Mauern, in eine bestimmte Anzahl von Hofstätten. Jeder Siedler hatte auf der Hofseite sein Haus, zunächst einen schlichten Holzbau, zu erbauen. Der Grund und Boden, auf dem das Haus erstand, blieb im Eigentum des Stadtherrn. Die darauf errichteten Gebäulichkeiten dagegen, sollten den Bürgern zur freien Erbleihe, einer Art Erbbaurecht, gehören. Als Gegenleistung hatten die Bürger einen festen, meist nicht hohen Zins, das "Herrenrecht", an den Stadtherrn zu bezahlen (Hofstättenzins). Allerdings gab es noch die sogenannten Schutz- oder Ausbürger. Diese besaßen ein Aufenthaltsrecht, durften aber kein Gewerbe ausüben (Knechte und Taglöhner). Das Stadtrecht galt aber auch für diese.
Die Stadt selbst musste dann noch eine jährliche Steuer an den Stadtherren bezahlen, 1387 betrug diese 6 Mark Silber Freiburger "brandes und gewäges" (Prägung und Gewicht). Zur Eigenfinanzierung konnten von der Stadt zur Vermögenssteuer noch Verbrauchssteuern wie die Bier- oder Salzsteuer erhoben werden, sofern der Stadtherr diese nicht selbst in Anspruch nahm (Salz-Akzise). Ein verbindlicher Steuereid wurde den Stadtbürgern auferlegt, Verstöße konnten zum Verlust des Bürgerrechts führen. Weitere mögliche Belastungen: Marktgeld, Stapelgeld, Wachgeld und die Gebühren für Verwaltungsakte und Gerichtskosten. Zusätzliche Abgaben der Landesherren waren noch die Zölle und eine außergewöhnliche Steuer mit dem Rechtsgrund "Landesnot", also eine Kriegssteuer.
Die mittelalterliche Stadt
 
Die Stadtmauer

Für die Sicherheit des Stadtbezirkes hatten die Bürger zusammen mit dem Stadtgründer zu sorgen. Ihnen wurde daher aufgegeben, die Stadt mit einer Umwallung zu versehen. Diese sollte vordringlich vor Mensch und Tier schützen, in der einfachsten Ausführung als Palisadenzaun mit einem Graben. Im Schwarzwald wurden diese einfachen Schutzvorrichtungen als "Etter" bezeichnet (lat. sepes, septum, allgemeiner clausura, germanisch auch iderzum, zaun, tun, ferner bag, bege, gebage, fridbag, dorffried u.s.w.). Es gab nachweisbar auch "beetterte" Dörfer mit unterschiedlichen Rechtsregelungen innerhalb und außerhalb des Etters (Herrschaft Meßkirch, sieben Orte, Hoch-/Niedergerichtsbarkeit).
Spätestens gegen Ende des 13. Jahrhunderts war Vöhrenbach dann eine Stadt mit festen Mauern. Der Verweis "extra muros Verenbach" im Zehntverzeichnis trennte dann die Leute, die den Großzehnten zu entrichten hatten, von den Stadtbürgern.
 
Dem Recht zur Befestigung der Stadt steht die Pflicht zum Mauerbau gegenüber und auch die Pflicht zum Unterhalt der Mauer. Diese musste dann auch noch verteidigt werden. Jeder Bürger, der zum Tragen einer Waffe fähig war, konnte zur genossenschaftlichen Stadtverteidigung herangezogen werden. Eine Wehrordnung regelte hier die Organisation der Stadtknechte und Wehrmannschaft, Knechtische Rüstung wurde vorausgesetzt oder in Teilen gestellt (Stichwort: Rüstkammer, Gambeson, Brigantine oder Halbharnisch, Blankwaffen, Armbrust, Hakenbüchse, etc.). Auch der bauliche Zustand der Stadtmauer wurde reglementiert, zum Schutz des Stadtbildes sollten die auf der Stadtmauer aufliegenden Häuser in gutem Bau erhalten werden (1581).
 
Für das Jahr 1581 wird weiterhin überliefert: Diejenigen, denen auferlegt ist, Gewehr oder Büchse und Harnisch zu haben, sollen diese Waffen in Ordnung halten und "wohlgerüstet" verwahren!
Der Waffendienst wurde dementsprechend mit Nachdruck reglementiert. 1603 überliefert die Aufstellung eines Musterungsverzeichnisses der Untertanen der Herrschaft über Wald (Ämter Löffingen, Neustadt, Vöhrenbach und Lenzkirch) dann eine ziemlich vollständige Liste der wehrfähigen Bürger. Nahezu einhundert Mann bildeten das Vöhrenbacher Fähnlein, ausgerüstet mit Gewehr oder Büchse, Hacken und sonstiger Wehr, angeführt vom Schultheißen im "Stadt-Trabharnisch". Diese Zahl lässt sich auch für das späte Mittelalter ansetzen.

Ergänzende Info (Verweise):
WEB: Archäologie auf dem Holzweg - Literaturüberblick zu hölzernen Befestigungen in der Neuzeit in Bild und Befund, Olaf Wagener (Univ. Heidelberg) - [Pdf, 2,5 MB]
Stadtbilder
Vöhrenbach vor dem Brand von 1639 - Der mittelalterliche Stadtkern ist noch geschlossen vorhanden.
oben: Vöhrenbach vor dem Brand von 1639 - ©Stadt Vöhrenbach
Das dargestellte Stadtbild überliefert den Baustand nach dem Stadtbrand vom 23. August 1544, in dem 100 (?) Holzhäuser niederbrannten. Nachfolgend mussten die Häuser "ermauert" und mit festen Giebeln versehen sein. Einer Brandgefahr konnte so besser begegnet werden, es gab aber noch weitere Risiken. Die nahezu vollständige Einäscherung der Stadt durch französisch-weimarische Truppen im 30-jährigen Krieg (1618-48) veränderte das mittelalterliche Stadtbild nachhaltig. Der 1. und 2. April 1639 kann als tragisches Schicksalsdatum betrachtet werden, die Kriegstaten des weimarischen Obersten Kanofzky (Canofsky) und seiner 900 Kriegsknechte haben hier vernichtende Züge angenommen (1635-48, Schwedisch-Französischer Krieg) [1]. Für das späte Mittelalter bis zum 30-jährigen Krieg kann eine durchschnittliche Bevölkerungsdichte von 500 bis 600 Menschen, also ca. 80 bis 100 Familienverbände, veranlagt werden. Der nachfolgende Wiederaufbau der Stadt orientierte sich dann an den Gegebenheiten und Erfordernissen dieser Zeit. [Bader]
 
[1] Kaplan Meinrad Grüninger - Kurzgeschichte der Stadt Villingen - §40: "Den 1. und 2. April 1639 kam der Oberst Kanofsky auf Ferenbach, bränt 50 Häuser ab, zog neben Villingen vorbey, seine Marodeurs steckten 2 Müllen in Brand." Der in der Vöhrenbacher Chronik erwähnte Oberst wird dort als Schwede angesprochen, war aber Offizier des weimarischen Heeres in vormals schwedischen und dann französischen Diensten. Am 27. Juli 1641 raubte dieser dann 335 Stück Vieh bei Villingen und stand am 17. September 1642 erneut vor den Toren dieser Stadt. Oberst Friedrich Ludwig Canofsky von Langendorf kapitulierte am 27. Juli 1644 als Freiburger Stadtkommandant nach einer förmlichen Belagerung durch kaiserlich-bayerische Truppen und erreichte einen freien Abzug [Link]. Der Fall Freiburgs hatte für Canofsky allerdings noch ein Nachspiel, Marschall Condé, der Herzog v. Enghien, bezichtigte Canofsky des Verrats und wollte diesen kurzerhand hängen lassen. Der französische Kanzler Kardinal Mazarin milderte das geforderte Strafmaß ab, er verfügte lediglich dessen Entlassung aus dem Dienst des französischen Königs, Oberst Canofsky kam mit dem Leben davon. [Schaufler] Die Zerstörung von Mühlen wurde als Kapitalverbrechen betrachtet, schon am 18. März 1476 wurde zum Beispiel der Schutz von Mühlen in der Kriegsordnung des Eidgenössischen Fußvolkes verankert und mit harten Strafen bewehrt. Es war allen Beteiligten bekannt, dass die Zerstörung von Mühlen einen verheerenden Eingriff in die Lebensmittelversorgung der ländlichen Bevölkerung darstellte!
Vöhrenbach um 1680 - Nach einem Gemälde von Martin Menrad im Fürstlich Fürstenbergischen Schloß Heiligenberg - ©Stadt Vöhrenbach
oben: Vöhrenbach um 1680 - ©Stadt Vöhrenbach
Das Stadtbild von 1680 (Martin Menrad, Schloß Heiligenberg) zeigt noch deutlich den Zerstörungshorizont von 1639 auf. Die Stadtmauer ist dort größtenteils verschwunden, im Häuserverband klaffen große Lücken. 1777 berichtet dann Anton Winterhalder, die meisten bürgerlichen Behausungen in Vöhrenbach seien ganz aus Holz gebaut. Interessanterweise zeigt der Stadtplan von ca. 1800 bereits wieder eine geschlossene Umfriedung des ehemaligen Stadtgebietes auf. Die Lage der drei Stadttore ist gut erkennbar, der Häuserring formierte sich wieder wie eine umgebende Stadtmauer.
Der Stadtplan von Vöhrenbach um 1800 - Ausschnitt: Bannkarte F.F.Archiv - 1787 von Franz Josef Schölle entworfen und 1804 vom Renovator Josef Strobel kopiert - ©Stadt Vöhrenbach
oben: Der Stadtplan von Vöhrenbach um 1800
Ausschnitt: Bannkarte F.F.Archiv - 1787 von Franz Josef Schölle entworfen
und 1804 vom Renovator Josef Strobel kopiert - ©Stadt Vöhrenbach
Für 1813 wird überliefert: das Städtchen ist "in die Runde gebaut, aber von sehr ungleichen Häusern, mit Schindeln gedeckt". Im Zuge der Entwicklungen im 18. Jh. entstanden in Vöhrenbach auch kleinere Vorstädte. Der Plan von 1783 weist vor dem unteren und oberen Tor je eine kleinere Vorstadt auf (untere Vorstadt, auch Vorstadt am inneren Angel, sowie die obere Vorstadt). Es handelte sich hier um überwiegend bescheidene kleinere Häusergruppen, die von Handwerkern erstellt wurden.
 
Johann Baptist Kolb (1774-1816) überliefert kurz vor seinem Tod für 1816 noch folgende Angaben zur Stadt [1]: 111 Häuser mit 727 Seelen, 2.224 Morgen Ackerland (1 badischer Morgen = 36 ar), 808 Morgen Wiesen, 801 Morgen privater Wald, 3.313 Morgen Gemeindewald, 1.814 Morgen ungebautes Land. Es waren noch vorhanden: 42 Pferde, 54 Ochsen, 226 Kühe, 23 Schafe, 78 Schweine, 99 Ziegen. An Handwerkern und Professionisten: 5 Bäcker, 2 Bierwirthe, 2 Bildhauer, 1 Chirurg, 1 Fensterglaser, 1 Figurenschnitzler, 2 Färber, 2 Fuhrleute, 1 Flaschner, 3 Glasmacher, 3 Glashändler, 2 Hafner, 1 Hutmacher, 1 Hebarzt, 1 Küfer, 5 Krämer, 2 Maurer, 1 Messerschmied, 3 Metzger, 3 Müller, 2 Nagelschmiede, 4 Rotgerber, 1 Seiler, 2 Sattler, 1 Säckler, 3 Schmiede, 1 Schlosser, 2 Schreiner, 7 Schneider, 6 Schuster, 3 Schweinehändler, 1 Straußmacher, 2 Strumpfweber, 4 Uhrenmacher, 1 Vieharzt, 3 Weinhändler, 1 Wagner, 1 Wollenweber, 4 Leinenweber, 5 Tafernwirte, 2 Weißgerber, 3 Zimmermeister. Anbau von Naturprodukten: Sommerfrüchte, wie Roggen (Korn genannt), Haber (Hafer), Gerste, Weizen. Dazu Erdbirn (Kartoffel), Rüben, sehr wenig Hanf und Flachs. Kurz zuvor auch Sommerkorn. Nahrungsquellen: Feldbau, Äcker werden zum Teil als Wiesen genutzt. Viehzucht, der Handel, besonders mit Schmalz, Glas, Holzwaren, Schweine aus dem In- und Ausland, Sauerbrunnen(-wasser), vorzüglich aber mit Wein (Kosbachhof). Die Uhrenmacherei ist wenig vertreten, von größerem Umfang die Töpfer- oder Hafner-Arbeit. Umfangreich ist der Handel mit Bretter aus Fichten und Tannen. Die Verfertigung von feinen Strohhüten, die für die Zukunft viel Nutzen und Vorteil verspricht.

Quelle: [1] Historisch-statistisch-topographisches Lexikon von dem Großherzogtum Baden; J. B. Kolb, Dritter Band. O - Z, Karlsruhe 1816, S. 333 - [Google books - Digitalisat].
 
Der letzte Großbrand von 1819 vernichtete dann auch dieses Stadtbild (140 Familienverbände). Der bis dahin gewahrte Häuserring wurde nun aufgegeben, die Wälle abgetragen, Gräben verschüttet und die drei Stadttore abgebaut. Nach vier schweren Bränden in vier Jahrhunderten ging die Geschlossenheit des mittelalterlichen Stadtbildes nun vollständig verloren. Hinweis: Die letzten drei Stadtbrände sind durch Datumsangabe gesichert (23. August 1544, 2. April 1639, 30. Mai 1819), der aus dem 15. Jhdt. datierende Brand wird nur vage überliefert [2], soll aber trotzdem eine Berücksichtigung finden.
Quelle [2]: Realschematismus der Erzdiöcese Freiburg, Freiburg i. B. 1863 - Verlag der Erzbischöfl. Kanzlei - Druck von J. Dilger, S. 400, 36. Vöhrenbach, Landcapitel Villingen. [Pdf, 500 KB] - u.a. [Jahrzeitenbuch, S. 51, 60].
Strafvollstreckung. Holzschnitt mit der Darstellung verschiedener Todes- und Leibestrafen, aus einem Raubdruck des Laienspiegels (Straßburg, 1510). Die Verhängung von Strafen und deren öffentlicher Vollzug erfolgte im Sinne der Abschreckung durch angewandte Grausamkeit - ©gemeinfrei Strafvollstreckung. Holzschnitt mit der Darstellung verschiedener Todes- und Leibestrafen, aus einem Raubdruck des Laienspiegels (Straßburg, 1510). Die Verhängung von Strafen und deren öffentlicher Vollzug erfolgte im Sinne der Abschreckung durch angewandte Grausamkeit - ©gemeinfrei
Stadtrecht von 1387
- Stadtverfassung und Stadtgericht -
Im Gegensatz zu den Pflichten zeigt uns das erhaltene Stadtrecht von 1387 die Stadtverfassung und von den Bürgern in Anspruch genommenen Rechte auf. Neben dem Stadtregiment ist die Ausbildung des Stadtgerichtes von weitgehendem Interesse, dessen eingeräumte Befugnisse können als Gradmesser der gewährten Freiheiten herangezogen werden.

Nach der Urkunde von 1387 setzte sich das Stadtgericht wie folgt zusammen: Der Schultheiß als Stabhalter (Vorsitzender) und zwölf Richter als Urteiler oder Schöffen. Das Stadtgericht behandelte hohe und niedere Rechtssachen, zum Hoch- oder Blutgericht gehörten die Todesdelikte, Diebstahl und alle Vorfälle, die mit einer Lebens- oder Leibesstrafe oder dem Einzug des Vermögens bestraft wurden. Übrige Verbrechen gehörten zur niederen Gerichtsbarkeit.
 
Die hohe Gerichtsbarkeit war im mittelalterlichen Vöhrenbach insoweit geregelt, dass das Stadtgericht darüber befand, der Stadtherr - ein fürstenbergischer Graf - sich aber die Vollstreckung der Strafen vorbehielt. Seit dem 12. Jh. wurden die bereits aus karolingischer Zeit bekannten Strafen wie Blendung, abgerissene Augenlider, abgeschnittene Nasen, Kastration, abgehackte Hände und Füße, Vierteilen, Rädern und vieles mehr dann bekannt. Die Strafen wurden in aller Öffentlichkeit vollstreckt und stellten trotz angewandter Grausamkeit eine makabere Volksbelustigung dar. Vöhrenbach gehörte später zum Einzugsbereich der "Ballei" des Wasenmeisters und Scharfrichters in Donaueschingen.
Die aus dem Mittelalter stammenden Grafenrechte waren hohe Gerichtsbarkeit (Blutbann), Forst, Wildbann, Geleite und Zoll. Eine Landeshoheit setzte den Status eines Grund- und Niedergerichtsherrn voraus. Im Fall von Vöhrenbach (Herrschaft über Wald) lagen die Hoheitsrechte ungeteilt bei den Fürstenbergern.
Asch, Ronald: Verwaltung und Beamtentum (Fürstenberg) Asch, Ronald: Verwaltung und Beamtentum (Fürstenberg)
Fürstenbergische Verwaltungsstrukturen (1490-1632)
Zur Verwaltungsstruktur und dem Beamtentum in den Fürstenbergischen Landen wird auf die nachfolgende Publikation verwiesen: Veröffentlichungen der Kommission für geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg - Reihe B - Forschungen - 106. Band. Ronald Asch - Verwaltung und Beamtentum - Die gräflich fürstenbergischen Territorien vom Ausgang des Mittelalters bis zum schwedischen Krieg 1490-1632 - 1986 - W. Kolhammer Verlag Stuttgart. Der behandelte Rahmen dürfte sicherlich auch tiefergehende Fragen beantworten, auf Grund der Komplexität des behandelten Themas wird eine vollständige Sichtung des Werkes empfohlen.
Selbstverwaltung
Wie in vielen anderen Kleinstädten des Mittelalters waren auch in Vöhrenbach die entsprechenden städtischen Verwaltungsorgane anzutreffen: Der Schultheiß als Vertreter der Stadtherren und gleichzeitig Vorsitzender des Stadtrates (später städtischer Beamter, Beauftragter der Bürgerschaft), sowie der Bürgermeister als sein Stellvertreter (Rechnungsführer). Zusammen mit dem Rat, der auch das Stadtgericht bildete, repräsentierte dieses Gremium die politische Verwaltungsebene. Diese hatte auch das Recht, Vorschriften über die Verwertung und Verwaltung der Stadtallmende zu erlassen. Der Stadtherr will sie daran "nit seumen noch irren", d.h. er überlässt diese Angelegenheiten vollständig der Selbstverwaltung des städtischen Rates. Eine Vielzahl weiterer Rechte und Verordnungen schloss sich hier noch an.

Die zivilrechtlichen Verwaltungsakte innerhalb der Bürgerschaft wurden ebenfalls von diesem Gremium behandelt, bzw. bei Notwendigkeit vom Schultheißen an die landesherrlichen Beamten weitergeleitet. Im Rahmen einer Arbeitsteilung (Delegation) konnte der Schultheiß jedoch für diese stellvertretend tätig werden. Man ergänzte sich dort, wo es sinnvoll war.
 
Auch die Abhaltung der wichtigen Wochenmärkte und Jahresmärkte musste geregelt werden. Der erste urkundliche Nachweis datiert aus dem Jahr 1503, Graf Wolfgang zu Fürstenberg verlieh seiner Stadt Vöhrenbach das Recht zwei Jahrmärkte innerhalb der Mauer abzuhalten (22. Juli und 28. August). Es ist nicht auszuschließen, dass hier ein ortsübliches Marktgeschehen nun offiziell anerkannt wurde.
Die Anzahl der Jahrmärkte erhöhte sich dann im Lauf der Zeit (1753 verdoppelt), die Termine wurden neu festgelegt und ein Viehmarkt zugelassen. Eine nachhaltige Wirkung von Märkten zur allgemeinen Hebung des Wirtschaftslebens war bereits bekannt, die fürstenbergische Regierung reagierte hier zeitgemäß. [Bader]
 
Zur Erfüllung der Sicherheits- und Ordnungsaufgaben wurden dann Beamte bestellt, die in vielfältigen Angelegenheiten wirkten: Die Stadtkasse wurde von einem Bürger- oder Zunftmeister verwaltet, Zoll und Akzise waren einem Einnehmer anvertraut. Der Stadtknecht übernahm auch den Dienst als Nachtwächter, Torwächter waren für das Öffnen und Schließen der Stadttore zuständig. Der Wein- und Brotmesser überwachte die Wirte und Bäcker, die Einhaltung der Gewichtsmaße wurde streng kontrolliert. Weitere Chargen waren u.a. die Viehhirten und Gefängniswärter.
Entsprechende Bürgerpflichten wurden durch eine sachliche und örtliche Delegation der Bürgerschaft zugewiesen. Die "Sachliche Delegation" umfasste die Gewerbeangelegenheiten und betraf die Zünfte, Gilden und Bruderschaften. Zur "Örtlichen Delegation" gehörten die Schutzaufgaben, die städtische Wachmannschaft und die genossenschaftlich organisierte Stadtverteidigung (später Stadtfähnlein).
 
Die Bewohner unterschieden sich in Vollbürger und minderberechtigte Schutz- oder Ausbürger mit Aufenthaltsrecht (Knechte und Tagelöhner). Nur Vollbürger besaßen ein Stimmrecht in den städtischen Organen wie dem Rat und konnten als selbständige Handwerker- und Gewerbetreibende tätig werden. Das Stadtrecht galt aber uneingeschränkt für alle Stadtbewohner, genauer für alle, die "innerhalb" der Stadtmauer lebten. Stadtbauern, also reine Landwirte, waren in ihren Rechten beschnitten, da diese nicht der Zunft angehörten. Eine etwas ungünstige Konstellation, da hier unterschiedliche Einkommensklassen zum Tragen kamen. Ein reicher Bürger konnte sich hier ohne weiteres "breit" machen.
Der Esel, das altvordere Wappentier der Stadt Vöhrenbach - Einzelnachweis 1498, es liegen für das 15. Jh. mehrere Siegel mit diesem Wappentier vor - ©thz-historia.de Der Esel, das altvordere Wappentier der Stadt Vöhrenbach - Einzelnachweis 1498, es liegen für das 15. Jh. mehrere Siegel mit diesem Wappentier vor - ©thz-historia.de
Freie Bürger
1455 wird dann endlich der urkundliche Hinweis nachgereicht, dass die Vöhrenbacher Bürger "persönlich frei und nicht leibeigen" sind. Ansässige Stadtbürger waren vom Recht des sogenannten Todfalls befreit, Leibeigene mussten den "Fall" an den Grundherren zahlen. Wer über ein Jahr in der Stadt ansässig war, wurde von der Leibeigenschaft frei. Die Freizügigkeit, das Recht zur Verehelichung mit Auswärtigen, war zuerst unbegrenzt, nach 1581 galt dieses nur noch innerhalb der Grenzen der Herrschaft Fürstenberg über Wald. Weitere Rechte schlossen sich dann noch an.
 
Diese Rechte mussten aber des öfteren dem Stadtherrn wieder in Erinnerung gerufen werden, die Fürstenberger versuchten mehrfach ihren Einfluss auszuweiten und die Rechte der Stadt zu schmälern. Allgemein betrachtet kann das Verhältnis der Stadt zu ihren Stadtherren jedoch als einvernehmlich bezeichnet werden, im Großen und Ganzen konnte man sich einigen, stritt sich aber durchaus im Kleinen.
Das Leben vor der Mauer
Die Grundherren, ob Landesfürst, Klöster, Adelige und auch Städte, übergaben den Bauern die Hofgüter zur Bewirtschaftung und erhielten im Gegenzug den Zehnten. Allgemein wurde dieser in Naturalien geleistet, später waren aber auch Geldzinse üblich. Es ist verständlich, dass der Bauer nur wirkliches Interesse am überlassenen Hof haben konnte, wenn er möglichst frei darauf schalten und walten konnte, und diesen auch an seine Kinder vererben konnte. Diesem Wunsch kam das Recht der freien Erbleihe nach. Damit hatte der Bauer ein vererbbares und unter bestimmten Einschränkungen auch veräußerbares Recht am Leihgut. Ein Erblehen kam also praktisch einem Eigentum fast gleich. Vor allem war die persönliche Freiheit des Bauern trotz besitzrechtlicher Bindung an den Grundherren nicht eingeschränkt. Es gab aber auch wenige Fälle, wo Bauerngüter nach dem Freistiftsrecht behandelt wurden, eine überaus nachteilige Form des Besitzrechts, das dem Grundherrn erlaubte, das Gut nach einem Jahr neu zu vergeben.
Leibeigenschaft
Die Leibeigenschaft bildete hier eine besondere Beziehung zwischen Grundherr und Bauer. Viele freie oder hörige Bauern wurden zusehends in die Leibeigenschaft gezwungen, die letztlich die Pflichten der Bauern vergrößerte und eine doppelte Abhängigkeit bewirkte. Der Grundherr wurde nun auch vielfach zum Leibherrn, eine brachiale Verschlechterung der persönlichen und wirtschaftlichen Freiheit. Nach modernen Wertmaßstäben betrachtet befand sich die Leibeigenschaft in ihrer Ausgestaltung nach oft zwischen Sklaverei und Hörigkeit. Etliche Leistungen wie der Leibzins (Hörigkeit), der Kopfzins, eine Heirats- und Todfallabgabe, dazu noch Dienstgelder zur Ablösung von Frondiensten und zur Abtretung von Bannrechten auf Wald und Weide, Mühle oder Backhaus wurden erhoben. Zusätzlich noch der Kirchenzehnte in Naturalien. In Summe konnte die Belastung über die Hälfte des schon kargen Ertrages ausmachen. Der Einzug des Mortuariums (Todfalls) – des besten Stückes Vieh beim Tod des männlichen Leibeigenen und des Bestkleids beim Tod der weiblichen Leibeigenen - war eine gängige Erscheinung.
Das Tagebuch des Nürnberger Henkers Franz Schmidt (1554-1634) - ©Sandberg Verlag. Franz Schmidt tötete nahezu 400 Menschen, unzählige weitere hat er gefoltert und verstümmelt. Eine Primärquelle zum Strafrecht der Frühen Neuzeit. ISBN 978-3-930699-82-7. Alternativ: Harrington; ISBN 978-3442749737 Das Tagebuch des Nürnberger Henkers Franz Schmidt (1554-1634) - ©Sandberg Verlag. Franz Schmidt tötete nahezu 400 Menschen, unzählige weitere hat er gefoltert und verstümmelt. Eine Primärquelle zum Strafrecht der Frühen Neuzeit. ISBN 978-3-930699-82-7. Alternativ: Harrington; ISBN 978-3442749737
Frühe Rechtsgrundlagen
Der Laienspiegel von 1509 ist eines der bedeutendsten Rechtsbücher der Frühen Neuzeit und behandelt das Privatrecht, Strafrecht und das öffentliche Recht in drei Teilen. Sein Vorläufer war der Klagspiegel (um 1436), dieser gilt als das älteste umfassende Kompendium des römischen Rechts in deutscher Sprache. Im ersten Teil behandelt dieser das Zivil- und Zivilprozessrecht, der zweite Teil Strafrecht und Strafprozess. Es existieren noch weitere Rechtsbücher, die auf der Basis der oben genannten Werke aufsetzen und diese modifiziert weitertragen - Interner Link (Amt Vöhrenbach).
 
Quelle: 
Layenspiegel 1509 Augsburg
Digitalisat BSB Bayerische Staatsbibliothek

Quelle: Layenspiegel 1510 Straßburg
Digitalisat Universität Heidelberg
Quelle: Constitutio Criminalis Carolina von 1532
Digitalisat BSB Bayerische Staatsbibliothek
Quelle: Hexenverfolgung in der Grafschaft (Fürstentum) Fürstenberg - historicum.net
Quelle: Geschichte des römischen Rechts - F.C. von Savigny (1834).
Landesordnungen
Im Verlauf des ausgehenden 18. Jahrhunderts gingen die aus dem Mittelalter herrührenden Stadtrechte größtenteils verloren, die jeweiligen Landesherren zentralisierten ihre Herrschaften und setzten hier eigene Gerichts- und Gemeindeordnungen durch (Absolutismus). Eine Fortentwicklung der Vöhrenbacher Stadtrechte (1387) endete letztlich mit der Inkraftsetzung des Stadt- und Amtsrechts von 1753. Auf eigenen Wunsch erhielt die Stadt eine neue Satzung, die sich durch die Erhebung zur Amtsstadt auch begründen lässt. Der vormalige Status als Vogtei mit Sitz eines autonomen Amtes hatte sich somit verändert. Zahlreiche Rechte und Vorschriften wurden neu gefasst, 1762 erfolgte dann nochmals eine Erweiterung (Verzeichnis Erbschaftsinventare). Begleitend zu dieser Veränderung erlangte die fürstenbergische Gemeinde- und Gerichtsordnung von 1760 auch in Vöhrenbach Geltung. 1793/96 wird nochmals der Gerichtszwang eindeutig der Herrschaft Fürstenberg zugeordnet. Es durften keine auswärtigen Gerichte, ausschließlich nur das Neustädtische Obervogteiamt, angerufen werden.
Die schon erwähnte Gerichtsordnung von 1760 wies dem Stadtgericht ausschließlich die "kleineren Exzesse" zu, die Strafgelder flossen dann zu den Stadtmitteln. Das Vöhrenbacher Schultheißengericht wurde hier spürbar zurückgedrängt, die landesherrlichen Ordnungen setzten sich unweigerlich durch.
Streitpunkt
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts kam es im Fürstentum Fürstenberg zu einer Auseinandersetzung zwischen den Orten Wolterdingen, Behla, Donaueschingen und Vöhrenbach und der Regierung des Fürsten Joseph Wenzel v. Fürstenberg. Im Verlauf einer Erneuerung der Urbare zu Anfang der 1790er Jahre [1], initiiert durch die Landesvermessung von 1781, wollte die Regierung in diesen die Worte "leibeigen" und "Leibeigenschaft" weiter aufführen. Die Deputierten der genannten Orte verweigerten daraufhin die Unterzeichnung der Urbare, solange diese Begriffe nicht entfernt oder abgeändert würden.
Als Gegenvorschläge wurden die Ersatzbegriffe "leibfällig" und "Untertanschaft" eingebracht, unter den Eindrücken der Aufklärung und den Wirkungen der Französischen Revolution blieb man nun standhaft. Das abschreckende Beispiel des publizierten Urbars des Ortes Aasen von 1783 stand hier greifbar im Raum, dessen Annahme mit der Androhung der "Exekution" durchgesetzt wurde. Diese Maßnahme schlug nun Wogen, die sich nicht ohne weiteres glätten ließen. Mit welcher Härte hier dann verhandelt wurde, lässt sich am nachfolgenden Beispiel gut aufzeigen. Als die Stadt Vöhrenbach im Jahr 1794 ihr neues Urbar anerkennen sollte, ließen die Vorgesetzten der benachbarten Vogteien den Vöhrenbachern ausrichten, "dass sie kommen und sie totschlagen würden", wenn sie als Hauptort des Amtes das verhasste Wort anerkennen und das Urbar unterschreiben würden. Die Gefahr einer weiteren Eskalation führte dann zum Einlenken der Fürstlichen Regierung, unter dem Eindruck der Aufhebung der Leibeigenschaft im österreichischen Breisgau (1782) und in der Markgrafschaft Baden (1783) bewegte man sich zudem auf gefährlichem Terrain. Man beschrieb nur noch die Wirkungen der Leibeigenschaft, das betreffende Wort wurde entfernt. Eine für 1798 geplante Aufhebung der Leibeigenschaft kam nicht zur Ausführung. [Barth]
[1] Ein Urbar oder latinisiert Urbarium (Pl. Urbare bzw. Urbarien, Betonung jeweils auf dem "a") ist ein Verzeichnis über Besitzrechte einer Grundherrschaft und zu erbringende Leistungen ihrer Grunduntertanen (Grundholden).

Ein zuweilen aufflammender Streitpunkt bildete auch die Waldgemarkung der Stadt Vöhrenbach, die Fürstenberger versuchten hier durchaus die Stadt zu beschneiden. Der Werkstoff Holz war begehrt, entsprechende Holzflößungen auf der Breg sind urkundlich fassbar, eine Verarbeitung zur stark nachgefragten Holzkohle durch umliegende Kohlplätze (Kohlemeiler) ebenfalls nachweisbar. Ein permanenter Bedarf an Holzkohle war immer gegeben, das verarbeitende Handwerk in der näheren Umgebung benötigte diesen Energieträger für entsprechende Herstellprozesse.
 
Weitere Info:
Bader: Beiträge zur älteren Geschichte der Stadt Vöhrenbach.
Isenberg u. Scholkmann: Die Befestigung der mittelalterlichen Stadt.
Isenmann: Die deutsche Stadt im Mittelalter 1150-1550.
Pauler: Leben im Mittelalter.
Sigel: Stadt- und Landmauern - Band 1, Beiträge zum Stand der Forschung.
u.a.

Regionale Geschichte:
WEB: Kurzgeschichte der Stadt Villingen - Digitale Veröffentlichungen - Stadt Villingen-Schwenningen - [ Pdf, 550 KB ].

Königsguldiner auf Maximilian (Taler) - Stempelschneider Benedikt Burkhardt, Münzstätte Hall in Tirol, vor 1508 - ©gemeinfrei Königsguldiner auf Maximilian (Taler) - Stempelschneider Benedikt Burkhardt, Münzstätte Hall in Tirol, vor 1508 - ©gemeinfrei
Zum Münzwesen
Im Hinblick auf die Vereinheitlichung unterschiedlicher Münzsysteme kann beispielhaft auf die Bestrebungen der habsburgischen Landesherren in Tirol verwiesen werden.
 
Als Initiator einer ersten Vereinfachung ist der Erzherzog Sigmund v. Tirol zu erwähnen, der dem Durcheinander unterschiedlichster Münzprägungen und dem Abfluss eigener Gelder mit einer Reform Einhalt gebieten wollte. Einer Verwendung fremder und schlechterer Währungen wie dem Dukaten oder Gulden sollte so entgegengewirkt werden. Bereits 1450 beginnt Sigmund v. Tirol mit der Einführung von Nominalen, dem Vierer mit erhöhtem Silbergehalt und der erneuten Prägung des Kreuzers. Danach folgen die Pfundner (12-fache des Tiroler Kreuzers), später noch Halbstücke und eine Münze im Wert eines halben Rechenguldens. 1486 folgen dann die talergroßen Münzen, die Guldiner, oder nach ihrem Gewicht auch Unzialis bezeichneten Münzen als Silberäquivalente zu dem damals zu 60 Kreuzern tarifierten Goldgulden. Mit dem Regierungsantritt von Maximilian in Tirol (1490) wird dieses Münzsystem dann fortgeführt und nur noch mit einer Neuausgabe eines (Maximilian-)Talers ergänzt. Diese Münze trat dann mit einem hohen Verbreitungsgrad auch in Süddeutschland auf.
Es ist klar erkennbar, dass die habsburgischen Landesfürsten in Tirol eine modellhafte Verwaltungsstruktur geschaffen haben und diese in vielen Dingen eine Vorreiterrolle eingenommen hat. Die Haller Münzstätte mit dem nahen Silbervorkommen in Schwaz, dem Silberberg, nimmt hierbei eine herausgehobene Rolle ein. Keine andere Münzstätte in den Erblanden erreichte eine solche Professionalität in Bezug auf Münzsystem und Personal. [Quelle: Die Fugger, die Tiroler Landesherren und das Silber aus Schwaz in Tirol]
 
Reichskreis Schwaben (1500/1512-1806)
Für den Reichskreis Schwaben kann die Reichsmünzordnung von Esslingen 1524 herangezogen werden, die rudimentär die Kontrolle des Münzfußes und die Bestrafung der Münzvergehen reglementierte.
In Süddeutschland dominierten um 1500 die einheimischen Goldgulden, Schillinge und Pfennige das Münzwesen. Eine beabsichtigte Vereinheitlichung der umlaufenden Geldmünzen und deren Verschlechterung durch minderwertige Prägungen konnte allerdings nicht durchgesetzt, bzw. verhindert, werden. Jeder größere Reichsstand betrieb hier ein eigenes Münzwesen.
Im Reichskreis Schwaben kam nur ein Reichstaler (1694) und ein Dukat (1737) als Kreisprägung in Umlauf, die großen Kreisstände mit Münzrecht machten vom diesen Recht allerdings regen Gebrauch und prägten eigene Münzen. Im Grunde ergab sich hier ein heilloses Durcheinander konkurrierender Münzsysteme. Die heutige Numismatik (Münzkunde) beschäftigt sich nicht ohne Grund mit diesem durchaus komplexen Thema, unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten wird hier eine Ordnung hergestellt.
Das Münzwesen des Spätmittelalters kann ohne Zweifel als sehr dynamisch bezeichnet werden, an allen Orten trafen unterschiedlichste Münzen und Gewäge zusammen. Die nachfolgenden Quellen vermitteln einen Einblick in diese Materie:
Adobe Ulrich Lutz: Maße und Münzen in der Landgrafschaft Baar. Auszug: Die Herrschaftsverhältnisse in der Landgrafschaft Baar ... (Pdf - 39 KB).
Adobe Dollinger, Fr.: Die Fürstenbergischen Münzen und Medaillen (Pdf - 26 MB!)
Adobe Roswitha Denk: Das Münz- und Geldwesen Ferdinands I. - (Pdf - 102 KB)
WEB: Eduard Döring: Handbuch der Münz-, Wechsel-, Mass- und Gewichtskunde, Seite 19. Koblenz 1854 - Online Version - google books.
WEB: Geldeswert (http://www.lippold-dauernheim.de/html/geldeswert.html) [Pdf]
Nachbarschaft
Die Grafen v. Freiburg (Haus Urach), Gründer der Stadt Vöhrenbach - 1244. Die Stadt ging nachfolgend in den Besitz der Grafen v. Fürstenberg über. Diese Linie wurde um 1250 durch Graf Heinrich I. von (Urach-) Freiburg begründet - ©wikipedia Die Grafen v. Freiburg (Haus Urach), Gründer der Stadt Vöhrenbach - 1244. Die Stadt ging nachfolgend in den Besitz der Grafen v. Fürstenberg über. Diese Linie wurde um 1250 durch Graf Heinrich I. von (Urach-) Freiburg begründet - ©wikipedia
In der näheren Umgebung der Stadt Vöhrenbach grenzten im Mittelalter die Besitzungen (Groß-, Klein- und Streubesitz) der Klöster St.Georgen, St.Margarethen, St.Blasien, Friedenweiler, Tannheim, Salem-Salmannsweiler und Tennenbach an [Diözese Bistum Konstanz].
Als weltliche Vögte der Klöster treten uns die Freiherren von Falkenstein, von Schwarzenberg und von Triberg sowie das Königshaus der Staufer entgegen; im Kirnachtal waren die Herren von Roggenbach (bis Ende 12.Jh.) und von Kirneck mit ihren beiden Burgen, in Alt-Herzogenweiler zwei Ministeriale auf einer Burg (Motte-Gewann Schlossberg) und im "Praedium Runstal" die Herren von Runstal, Freiherren von Schwarzenberg und zuletzt ein "Magister grangiae" des Klosters Salem (Zisterzienser) nebst Burg, anzutreffen. Zur Burganlage auf der Steig liegen leider nur spärliche urkundliche Quellen vor, die Existenz der Anlage gilt aber als gesichert. Talabwärts schlossen sich als landesherrliche Stützpunkte die jüngere Burg Neufürstenberg (1381 erwähnt, Grafen v. Fürstenberg-Haslach) und die deutlich ältere Burg Zindelstein (1225 erwähnt, Herzöge v. Zähringen, Grafen v. Urach, Freiburg und Fürstenberg) an. Es folgte dann noch die vor dem Hallenberg zu verortende Burganlage (Motte [?]) von Wolterdingen (Ortsadel, Urmark).
 
Der Standort der urkundlich erwähnten Burg "Bei Pregin" (um 1208 - Bregenbach), könnte möglicherweise durch aktuelle Grabungsfunde näher eingegrenzt werden.
Bistum Konstanz [Bild: David Liuzzo]
Bistum Konstanz - errichtet um 585, 1821 aufgelöst. In die neuen Bistümer Freiburg und Rottenburg eingegliedert; die schweizerischen Gebietsteile fielen an die Bistümer Chur und Basel [Bild: David Liuzzo]. Karte des Bistums Konstanz (JPG 320KB)
Bistum Straßburg - [Bild: David Liuzzo]
Bistum Straßburg - errichtet um 343. Im zähringischen Erbfolgekrieg Gegner der Grafen von Urach, unter Bischof Heinrich III. von Stahleck und Walter von Geroldseck territoriale Konflikte mit den Grafen von Urach-Freiburg, Fürstenberg und Habsburg [Bild: David Liuzzo].
Erzbistum Salzburg - [Bild: David Liuzzo]
Erzbistum Salzburg - 739 errichtet.
Die Abtei Salem-Salmannsweiler besaß den Status einer Konsistoralabtei (1178) und gehörte seit 1201 grundrechtlich zum Erzbistum Salzburg. Eine außergewöhnliche Konstellation, da die Abtei in der Diözese Konstanz lag [Bild: David Liuzzo].
 
Kloster St.Gallen - Benediktinerorden - ©wikipedia Kloster St.Gallen - Benediktinerorden - ©wikipedia
Praedium Runstal
Die Geschichte des unbehandelten "Praedium Runstal" ist insoweit für uns zwingend interessant, da hier frühere Verbindungen in das obere Bregtal bestanden und die Gründung der Stadt Vöhrenbach keineswegs in einem leerem Raum erfolgte. Nachweisbare Spuren der aus fränkischer Zeit stammenden Martinskirche in der "Urmark" Klengen führen über das Kloster St.Gallen und das Prädium Runstal (bei Pfaffenweiler) über Alt-Herzogenweiler in das Schönenbachtal (Filialkirche). Nachfolgend ist dann das Kloster Salem (Zisterzienser) in der Raumschaft vertreten.
Reichsabtei Kloster Salem - Zisterzienserorden - ©wikipedia Reichsabtei Kloster Salem - Zisterzienserorden - ©wikipedia
Zisterzienser zwischen Brigach und Breg
Im oberen Bregtal konnte das Kloster Salem (Zisterzienser) Gebietsansprüche des Klosters St.Georgen (Benediktiner) erfolgreich abwehren und sich in der Raumschaft behaupten. Im Kirnachtal - Grangie Roggenbach - musste sich das Kloster Tennenbach (Zisterzienser - seit 1182 als "unechte" Tochter in das Kloster Salem inkorporiert) gegen Übergriffe des Klosters St.Georgen verteidigen, zur Schlichtung des heftigen Streites bedurfte es im Jahr 1187 eines Schiedsspruches durch Papst Urban III.
Kloster Tennenbach - Zisterzienserorden - ©unbekannt Kloster Tennenbach - Zisterzienserorden - ©unbekannt
Das Kirchenspiel von "Alt-Herzogenweiler" umfasste damals auch das Schönenbach-, Rohrbach- und das noch unbesiedelte Langenbachtal (Filialkirche in Schönenbach), sowie von 1244-75 auch die Neugründung Vöhrenbach, bis dieses um 1275 in die Stadt Vöhrenbach abwanderte.
Abschließend bleibt anzumerken, dass das obere Bregtal zur Zeit der Stadtgründung kein Niemandsland darstellte und eine doch sehr interessante mittelalterliche Geschichte aufweisen kann.
Gerade die durch die Gemeindereform von 1971 eingegliederten Teilorte verfügen hier über eine eigene Ortsgeschichte und erweitern den geschichtlichen Rahmen der größer gewordenen Stadt Vöhrenbach nicht unwesentlich.

Quellen:
Diverse Ortschroniken, Fachliteratur, Privatarchiv

Heimatforschung in Vöhrenbach
Hubert Schmalz - 1916/17 - ©gemeinfrei
Hubert Schmalz
Apotheker in Vöhrenbach

Die Geschichte der Stadt Vöhrenbach und des Bregtals hat schon sehr früh interessierte Kreise der Bevölkerung angesprochen und wurde im Falle Vöhrenbachs zuerst von "Laien" aufgegriffen und behandelt. Bedauerlicherweise gingen hier umfangreiche Archive dieser frühen Heimatforscher durch Nachlassregelung oder wissentliche Missachtung und Unkenntnis unwiederbringlich verloren. Eine Ausnahme bildet hier ein kleiner Geschichtsband vom damals in Vöhrenbach lebenden Apotheker Hubert Schmalz, der in den Kriegsjahren 1916/17 dieses Werk veröffentlichte und den Gewinn der Hinterbliebenenversorgung gefallener Soldaten stiftete. Mittlerweile ist dieser Geschichtsband nur noch wenigen Vöhrenbachern bekannt und soll deshalb nachfolgend zur Verfügung gestellt werden.

Die Wissenschaft hat im Laufe der Zeit viele Wissenslücken geschlossen und so wurde auch dieses Werk hinsichtlich der verwendeten Quellen und geschichtlichen Angaben von der Forschung längst überholt.
Dennoch handelt es sich hier um ein sehr interessantes zeitgeschichtliches Werk, das erstmalig die Geschichte des Bregtals zusammenhängend behandelte und einen bis dahin bekannten Kenntnisstand dokumentierte.

Heimatforscher - Die Geschichte von unten!
Allgemeingültiger Artikel über die Bewertung von Heimatforschern
Historische Gesellschaft Eschborn e.V. - Vom Heimatforscher zum Lokalhistoriker
In eigener Sache
Im Hinblick auf die ehrenamtliche Arbeit von Lokalhistorikern und heimatgeschichtlich interessierten Mitbürgern ergeben sich zunehmend Behinderungen, die eine Quellenrecherche erheblich erschweren. Während die Staatsarchive und Bibliotheksverbünde ihr Dienstleistungsangebot in vorbildlicher Form ausbauen und sich dem Interesse der Öffentlichkeit stellen, treten die kommunalen Archive zum Teil auf der Stelle. Es wäre deshalb sehr wünschenswert lokalgeschichtliche Archivalien, die beispielsweise älter als 100 Jahre sind, in einem zentralisierten Archiv mit digitalen Recherchemöglichkeiten und einer ausreichenden Öffentlichkeitsarbeit zu verwahren, respektive diese alternativ zu digitalisieren. Nur so kann eine benötigte Information zeitnah recherchiert werden.
 
Baden-Württemberg
Adobe Gesetz über die Pflege und Nutzung von Archivgut (Landesarchivgesetz – LArchG) vom 27. Juli 1987 (GBl. S. 230), geändert durch Gesetz vom 12. März 1990 (GBl. S. 89) und vom 1. Juli 2004 (GBl. S. 503) - (Pdf, 37 KB)
©tz, thz-historia.de, 2010/15

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