Höherer Reichsadel
König und Reich
Als römisch-deutscher König werden in der neueren Geschichtsschreibung die Herrscher des Heiligen Römischen Reiches für die Zeit zwischen ihrer Wahl zum König und ihrer Krönung zum Kaiser bezeichnet. Es existierten hier frühere Bezeichnungen aus der Ottonenzeit wie König der Franken (lat. Rex Francorum), unter den Saliern Römischer König oder König der Römer (Rex Romanorum), am Ende des Heiligen Römischen Reiches König in Germanien (Germaniae Rex).
 
Nach der Königswahl durch die Kurfürsten in Aachen oder Frankfurt (Goldene Bulle von 1356) konnte der neugewählte König dann zur Kaiserwahl nach Rom aufbrechen, ein allerdings durchaus mühsames Unternehmen mit zuweilen unsicherem Ausgang (Romzüge). Im Spätmittelalter wurde durch Kaiser Maximilian I. dann ein abweichendes Verfahren begründet, seit 1508 konnten sich die Herrscher mit der päpstlichen Erlaubnis selbst zum "erwählten Römischen Kaiser" ernennen. Seine offizielle Titulatur lautete dann erstmalig: "Wir Maximilian von Gots genaden erweiterter Romischer kayser, zu allen zeiten merer des Reichs, in Germanien zu Hungern, Dalmatien, Croatien etc. kunig [...]."
Codex Manesse, Zürich, zw. 1305 und 1340, fol. 6r: Heinrich VI., mit Schild und seinem Helm mit Helmzier, Schwert und Szepter (HRR) - ©gemeinfrei Codex Manesse, Zürich, zw. 1305 und 1340, fol. 6r: Heinrich VI., mit Schild und seinem Helm mit Helmzier, Schwert und Szepter (HRR) - ©gemeinfrei
Reichsbanner und Feldzeichen
"Im Mittelalter trug das deutsche Hauptfeldzeichen (Reichsbanner) den Erzengel Michael im Bild, unter Otto II. und seit Friedrich I. den Adler (schwarzer Adler mit des Kaisers Hauswappen auf der Brust im gelben Feld). Otto IV. ließ das Heerbild auf einem Fahnenwagen nach Art des italienischen carroccio führen. Die purpurne Blutfahne, das Zeichen des Kaisertums oder der obersten Lehnsherrlichkeit, wurde bis ins 17. Jahrh. bei der Verleihung der mit dem Blutbann verknüpften Reichslehen durch den Kaiser neben dem Reichsbanner aufgestellt. Das Reichsbanneramt war ein Erzamt, das Leopold I. der neunten Kur (Hannover) verlieh. Kaiser Ludwig der Bayer belehnte 1336 mit der Führung der Reichsfahne den Grafen Ulrich von Württemberg, bei welcher Gelegenheit sie zum erstenmal in den Urkunden des Reiches Sturmfahne genannt wird. Sie wurde dem Feldherrn in der Schlacht vorangetragen. Im Gegensatz zur letztern gab es noch eine Reichsrennfahne, mit deren Führung das Kurhaus Sachsen in der Würde des Reichserzmarschalls belehnt war; sie war schwarz und weiß quergestreift, darin zwei gekreuzte rote Schwerter; im 16. Jahrh. wurden jedoch auch die Fahnen der Reiterei Rennfahnen genannt. Als Zeichen der Vereinigung der Streitkräfte der Nation unter dem Reichsoberhaupt galt die Sturmfahne bis zu Ende des 15. Jahrh. Seitdem waren die Fahnen der kaiserlichen, fürstlichen und ständischen Truppen verschieden, der Adler schmückte nur die der ersteren. Lehensherren, denen bis 100 streitbare Männer folgten, führten ein längliches Banner und hießen Bannerherren." [Meyers]
Reichssturmfahne - ©gemeinfrei
Reichssturmfahne - ©gemeinfrei
Als Reiterstandarte zeigte die ursprünglich quadratische Reichssturmfahne wie das Reichsbanner den schwarzen Reichsadler in goldenem Feld und hatte oben einen fest mit dem Banner verbundenen, langen roten "Schwenkel". Später wurde sie auch mit einem doppelköpfigen Adler abgebildet. [Beispiel]
Reichsrennfahne - ©gemeinfrei
Reichsrennfahne - ©gemeinfrei
Die Reichsrennfahne wurde vom Reichsmarschall bzw. dessen Truppen neben dem Reichsbanner des Heiligen Römischen Reiches des Kaisers getragen. Sie beschreibt sich: Geteilt von Schwarz und Silber zwei schräggekreuzte rote Schwerter. Sie ist das persönliche Feldzeichen des römisch-deutschen Kaisers und zeigt ihn in der Schlacht, in Unterscheidung zur schwarz-gelben Reichssturmfahne, die der Vorstreiter führte.
Kaiser und Papst
Das Spannungsverhältnis zwischen Kaisertum und Papsttum kann durchaus als kritisch bezeichnet werden, man bekriegte und einigte sich in stetem Wechsel. Das bezeichnende Ringen um Geltung und Vorrang zwischen weltlicher und geistlicher Macht, ist durch ein schon makaber anmutendes Missverständnis zwischen dem staufischen König Friedrich I. und Papst Hadrian IV. beispielhaft überliefert. Beim Treffen von Sutri im Jahr 1155 entstand ein grotesker politischer Eklat, weil der Staufer dem Papst beim Absteigen vom Pferd den Steigbügel nicht gehalten hat. Die Verstimmung über diesen Bruch des päpstlichen Hofprotokolls beschäftigt noch heute die Historiker. Im Grunde handelte es sich hier aber um weit komplexere politische Verhältnisse, die auch zu schweren kriegerischen Konflikten führten (z.B.: Investiturstreit, Lombardischer Bund - Ghibellinen und Guelfen in Reichsitalien).
 
Mit der nachgewiesenen Fälschung der Konstantinischen Schenkungsurkunde (lat. Constitutum Constantini, Donatio Constantini ad Silvestrem I papam) durch die Kirche, war letztlich deren Anspruch auf die politisch wirksame Oberherrschaft zusammengebrochen. Der von den Päpsten ins Feld geführte Anspruch auf weltliche Macht basierte nicht auf einer Schenkung des römischen Kaisers Konstantin (+337 n.Chr.), sondern entstammte einer Fälscherwerkstatt!
Die rigorose Durchsetzung dieses gefälschten Anspruchs entfachte Kriege und führte in Reichsitalien zu endlosen Kämpfen zwischen dem Reich und den päpstlichen Unterstützern (lat. fautores episcopi, Guelfen). Für das Mittelalter kann nur schwerlich ein weiteres Dokument mit einer solchen zerstörerischen Wirkung und geschichtlichen Tragweite herangezogen werden.
 
Die erneute Veröffentlichung der Schrift "De donatione Constantini" des italienischen Humanisten Lorenzo Valla (+1457), durch den deutschen Reichsritter Ulrich von Hutten in den Jahren 1517-20, machte diesen Tatbestand weiten Kreisen dann erst bekannt. Hutten ergänzte die von ihm im Haus des Johannes Cochlaeus in Bologna aufgefundene Schrift Vallas von 1440 mit erklärenden Beigaben und scheute vor einer Veröffentlichung nicht zurück. Seine Edition war eine Anklage gegen das Machtstreben der Päpste, für die der Krieg ein Mittel zum Zweck war.
 
Derzeit gehen Historiker davon aus, dass gut die Hälfte aller mittelalterlichen Urkunden mit einem Privilegia einer Fälschungsabsicht zugrunde liegt. Fand sich keine passende Urkunde, wurde einfallsreich eine Fälschung erstellt. Man durfte sich nur nicht erwischen lassen. Eine besondere Dreistigkeit legte hier zum Beispiel der Habsburger Rudolf IV. (*1339, +1365) an den Tag, der durch Urkundenfälschung den Titel "Erzherzog" kreierte und sich selbst zu den Kurfürsten gleichstellen ließ (Privilegium Minus => Privilegium Maius). Der italienische Geschichtsschreiber Francesco Petrarca (*1304, +1374) urteilte bereits früh über diese Urkunden und erklärte sie zu Fälschungen. Erst mit der reichsrechtlichen Anerkennung des Privilegium Maius von 1453 durch den habsburgischen Kaiser Friedrich III. erlangte die bekannte Fälschung dann Rechtskraft. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt...
 
Weitere Info:
Adobe Deutinger, Roman: Sutri 1155 - Mißverständnisse um ein Mißverständnis. (Pdf, 180 KB).
WEB: Schneidmüller, Bernd - Die Aufführung des Reichs. Zeremoniell, Ritual und Performanz in der Goldenen Bulle von 1356.
Quelle: Heiko Wulfert - Die Kritik an Papsttum und Kurie bei Ulrich von Hutten (1488-1523).
Univ., Diss., 2008, Rostock [Leseprobe - Google Books]
Codex Balduineus (um 1340) - ©wikipedia Codex Balduineus (um 1340) - ©wikipedia
Die Kurfürsten
Ein Kurfürst (lateinisch princeps elector imperii oder elector) gehörte zu der begrenzten Zahl jener Reichsfürsten des Heiligen Römischen Reiches, die das Kurfürstenkollegium bildeten und denen seit dem 13. Jahrhundert das alleinige Recht zur Wahl des römisch-deutschen Königs zustand [Wikipedia].
 
Die damaligen Kurfürsten (1308), durch die Wappen über ihren Köpfen kenntlich, sind, von links nach rechts, die Erzbischöfe von Köln, Mainz und Trier, der Pfalzgraf bei Rhein, der Herzog von Sachsen, der Markgraf von Brandenburg und der König von Böhmen.
Herzogtum Schwaben - ©gemeinfrei Herzogtum Schwaben - ©gemeinfrei
Herzog und Herzogtum
Das Herzogtum - lat. ducatus -, ist der stammesbezogene bzw. territoriale Amts- und Herrschaftsbereich eines Herzogs (lat. dux).

Das Herzogtum Schwaben war eines der Stammesherzogtümer im ostfränkischen Reich und bestand von 911-1268. Die Ursprünge dieses Herzogtums führen zum alten Herzogtum Alamanien, welches seit dem 6.Jh. zum Fränkischen Reich gehörte und im Jahr 746 aufgelöst wurde.

Der Titel und das Amt des Herzogs v. Schwaben war umstritten und wurde von den Staufern, Zähringern und Welfen beansprucht. Mit dem Aufstieg der Staufer zum Königshaus setzten sich diese aber durch und besetzten das Amt bis zu ihrem Untergang im Jahr 1268. Danach brachen die Lehnsstrukturen dieses Herzogtums zusammen. Eine später versuchte Wiedererrichtung des Herzogtums Schwaben durch die Habsburger scheiterte an den Einzelinteressen der erstarkten schwäbischen Dynasten. Der letzte erbberechtigte Spross mit einem Anspruch auf das Herzogtum, Johann v. Schwaben, genannt Parricida, ermordete aus Rache über das vorenthaltene väterliche Erbe seinen Onkel, den deutschen König Albrecht I. v. Habsburg. Seit dem Mord galt Johann v. Schwaben als verschollen.
Reichsunmittelbarkeit
Im Fall des Herzogtums Schwaben ergab sich hier eine interessante Konstellation. Mit dem Aussterben der Staufer und der Vakanz der Herzogswürde löste sich der Lehnsverband gegenüber dem Herzogtum auf, die betroffenen Herrschaften in Schwaben wurden de facto lehnsfrei. Ironischerweise erreichten die schwäbischen Adelsgeschlechter über diesen Weg die
Reichsunmittelbarkeit, in benachbarten Herzogtümern der Reiches musste dieser Status gegen die Landesfürsten durchaus hart erkämpft werden. In Folge des Zerfalls der herzoglichen Zentralgewalt entstanden nun viele kleinere, reichsunmittelbare Herrschaften, die jede für sich betrachtet formal nur noch dem Kaiser und dem Reich verpflichtet waren. Ein Flickenteppich von Reichsritterschaften entstand nun im Süden des Reiches, die größtenteils bis zu seinem Ende noch Bestand hatten (1803). Im rechtlichen Sinn entstand hier ein Chaos, da unzählige Rechtsverhältnisse ungeklärt, bzw. nicht einer Vereinheitlichung unterworfen wurden. Jeder kleine Herr konnte nun auf "sein" Recht bestehen, einem Missbrauch wurde hier Tür und Tor geöffnet.
Wappen der Gefürsteten Grafschaft Tirol (1493) - ©gemeinfrei Wappen der Gefürsteten Grafschaft Tirol (1493) - ©gemeinfrei
Landesfürst und Grundherr
Im Gegensatz zu diesen Verhältnissen ergaben sich zum Beispiel für Tirol zentrale Rahmenbedingungen, die die Stellung der Bauern deutlich stärkten. So unglaublich es klingt, vor dem Gericht waren Grundherr und Bauer gleichgestellt. Der Tiroler Landesfürst
Meinhard II. (1238-1295) sorgte dafür, dass die Bauern nicht mehr der Gerichtsbarkeit des Grundherrn, sondern nur dem landesfürstlichen Richter unterstanden und auf diese Weise vor allfälligen Übergriffen oder Unterdrückung durch den Grundherrn geschützt waren. Der Tiroler Bauer war also kein Untertan seines Grundherren, er stand gleichberechtigt neben den anderen Ständen. Ein wesentlicher Unterschied zum Bauern in Schwaben zu dieser Zeit!
 
Ein fundamentaler Fortschritt stellte der "Große Freiheitsbrief" von 1342 dar. Dieser sicherte das Mitspracherecht der Volksvertreter bei der Regierung, insbesondere bei neuen Gesetzeserlässen und die Zustimmung bei Steuerausschreibungen. Das Land soll, so heißt es dort, nach dem "Rat der Besten" regiert werden. Diese idealen Vorstellungen von Demokratie erlangten praktische Bedeutung in der Landesordnung von 1404. Der Landesfürst erneuerte das Recht für alle Stände, bei der Regierung des Landes mitzureden. Selbstbewusst zogen nun auch Vertreter der Bürger und Bauern neben Geistlichkeit und Adel in den Tiroler Landtag ein und hatten über das Schicksal des Landes mitzubestimmen, zu einer Zeit, wo in anderen deutschen Ländern die Bauern noch immer als Leibeigene der Grundherren behandelt wurden.
 
Weitere Info:
Die Herzöge von Zähringen
Herzöge von Zähringen - ©Südkurier-Verlag Herzöge von Zähringen - ©Südkurier-Verlag
Die Zähringer
Der Verzicht der Zähringer auf die schwäbische Herzogswürde wurde von den Saliern im Jahr 1097 mit der Zusammenführung der zähringischen Gebiete und weiterer Reichslehen zu einem neuen Titularherzogtum ersatzweise honoriert. Die vollwertige standesgemäße Anerkennung dieses neuen Herzogtums im Reichsverband der alten Stammesherzogtümer blieb den Zähringern jedoch versagt. Aus dem Friedensvertrag von 1097 lässt sich nur die Berechtigung zur Führung eines leeren Herzogtitels ableiten; dem Geschlecht wurde ein herzoglicher Rang zugestanden, obwohl dieses mit keinem Herzogtum (Dukat) des Reiches belehnt war. Insofern fanden sich die Zähringer auf der untersten Stufe der herzoglichen Rangfolge im Reich wieder (Titularherzöge).

"Machtpolitisch" spielten die Zähringer sicherlich eine gewichtige Rolle im Süden des Reiches, zur Bildung eines anerkannten Herzogtums reichten die Kräfte aber nicht aus. Eine sich kurzfristig eröffnende Chance zur Schaffung eines burgundischen Herzogtums wurde von den Zähringern leider nicht genutzt, die abgespaltenen zähringischen Nebenlinien der Herzöge von Teck und der Markgrafen von Baden blühten allerdings noch Jahrhunderte weiter.

Weitere Info:
Karte - Europa 919-1125 (2 MB)
WEB: Historische Karten von Europa - Euratlas
WEB: Herzogtum Schwaben
WEB: Herzogtum Zähringen
Herzog Berthold V. v. Zähringen - ©gemeinfrei
Herzog Berthold V. v. Zähringen - ©gemeinfrei
Reitersiegel des Herzogs Berthold V. v. Zähringen (1187, +1218)
Letzter regierender Herzog v. Zähringen und Rektor von Burgund.

Die Zähringer gehörten dem jüngeren Reichfürstenstand an und dieser bildete zusammen mit den alten Stammesherzögen den höheren Reichsadelsstand. Das Geschlecht führte anscheinend seine Ursprünge auf die Ahalolfinger zurück und hatte zur Zeit der Karolinger seinen Stammsitz an den Oberläufen des Neckars und der Donau. Seit dem 11.Jh. bezeichneten sich diese dann nach ihrem neuen Stammsitz, der Burg Zähringen bei Freiburg, als Zähringer.
Die ersten Zähringer erscheinen als Inhaber der Grafschaften Breisgau, Thurgau, Ortenau, Albgau und teilweise der noch einheitlichen Baar (999). Angehörige des Geschlechtes wurden in der zweiten Hälfte des 11.Jhs. als Herzöge von Kärnten und Schwaben urkundlich aufgeführt. Nach 1100 betitelten sich diese dann erstmalig als "Herzöge v. Zähringen".

Im Investiturstreit (1076-1122) unterstützten die Zähringer überwiegend den Papst und bekämpften zusammen mit den Welfen, den damaligen Herzögen von Sachsen und Bayern, die kaiserliche Partei (Salier). Die Bürgerkriege wurden mit äußerster Härte geführt und hinterließen große Verwüstungen. Eine Annäherung der Zähringer an den Rivalen Rudolf von Rheinfelden, dem Herzog von Schwaben und Gegenkönig der päpstlichen Partei, führte zu einer dauerhaften Verbindung der beiden Häuser Zähringen und Rheinfelden. Nach dem Aussterben der Rheinfelder erbten die Zähringer deren umfassenden Besitz (Burgund).

Mit Berthold V. verstarb ein mächtiger Gegenspieler der Staufer und sein erbenloser Tod bedeutete den völligen Zerfall des deutschen Südwestens. Haupterben der "Eigengüter" des kinderlos verstorbenen Herzogs waren seine beiden Schwestern Agnes und Anna v. Zähringen. Kurz nach seinem Tod brach ein langer und heftiger Erbfolgekrieg um das Zähringererbe aus.
Zähringer Besitz in der Baar/Baargau:
Zu Aasen, Achdorf, Allmendshofen, Bachzimmern, Beckhofen, Blumberg, Bräunlingen, Bregenbach, Bregtal, Burgberg, Dauchingen, Dittishausen, Döggingen, Donaueschingen, Eisenbach, Eschach, Eßlingen, Fischbach, Fürstenberg, Glasbach, Göschweiler, Grünburg, Grüningen, Hammereisenbach, Hausen vor Wald, Herzogenweiler, Hochemmingen, Hondingen, Kirnach, Klengen, Kürnburg, Langenbach, Langenordnach, Linach, Löffingen, Mistelbrunn, Neidingen, Neustadt, Nordstetten, Opferdingen, Pfaffenweiler, Pfohren, Reiselfingen, Rietheim, Rötenbach, Rudenberg, Schönenbach, Schollach, Seppenhofen, Sinkingen, Sumpfohren, Tannheim, Titisee, Überbecken, Unadingen, Urach, Villingen, Vöhrenbach, Waldau, Waldhausen, Weiler, Wolterdingen, Zindelstein. - Im großen und ganzen kennzeichnen diese Orte den Grafschaftsbezirk der Zähringer in der Baar [Heyck].
Weitere Info:
Adobe "Salier", in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005) - (Pdf, 54 KB)

Regionale Geschichte:
WEB: Kurzgeschichte der Stadt Villingen - Digitale Veröffentlichungen
Stadt Villingen-Schwenningen - [ Pdf, 550 KB ]
Die Grafen von Urach und Freiburg
Erben der Zähringer
Graf Egino IV. - mit dem Barte - v. Urach - ©gemeinfrei
Graf Egino IV. - mit dem Barte - v. Urach - ©gemeinfrei
Siegel des Grafen Egino IV. v. Urach (1228, +1230).
Verheiratet mit Agnes v. Zähringen (+1230), Tochter des Herzogs Berthold IV. v. Zähringen.

Das Haus Urach war Parteigänger der Päpste und stand mehrfach in Gegnerschaft zu den Staufern. Die schweren kriegerischen Auseinandersetzungen führten das Haus Urach nahezu an den Rand des Abgrundes. Beginnend von den Zähringern pflanzte sich die anti-staufische Parteinahme über die Uracher bis zu den Fürstenbergern fort und endete letztendlich erst mit dem Aussterben der Staufer im Jahr 1268.
 
Im Zähringischen Erbfolgekrieg besetzte Graf Egino IV. die Gebiete auf dem Schwarzwald und der Baar, während sein Sohn Egino V. diese im Breisgau mit der wichtigen Stadt Freiburg halten konnte. Erst nach langem Ringen konnte die überaus wichtige Landbrücke St.Peter zwischen der Baar und dem Breisgau gesichert (1229) und der staufische Sperrriegel in den Breisgau dauerhaft durchbrochen werden.
Als Hauptgegner erwies sich hier Kaiser Friedrich II., der an einer Erledigung des zähringischen Besitzes hohes Interesse zeigte.
Graf Egino V. v. Urach und Freiburg - ©gemeinfrei
Graf Egino V. v. Urach und Freiburg - ©gemeinfrei
Reitersiegel (1228) des Grafen Egino V. v. Urach und Freiburg.
Stifter des Hauses Urach-Freiburg (+1237).

Graf Egino V. war der älteste Sohn des Grafen Egino IV. v. Urach und der Agnes v. Zähringen. Er wurde nach dem Tod des letzten Herzogs v. Zähringen, Berthold V. (+1218), in einen langjährigen und kostspieligen Erbfolgekrieg um das Erbe seiner Mutter verwickelt. Gegen große Widerstände gelang es diesem, die zähringischen Erbgüter im Breisgau, dem Renchtal und auf der Baar (Schwarzwald) größtenteils seinem Haus zu erhalten. Zähringische Miterben zu geringeren Teilen waren die Herzöge v. Teck, die Markgrafen v. Baden und später Hachberg und die Grafen v. Kiburg. Das Haus Urach-Freiburg schied sich kurz vor 1250 in die ältere Hauptlinie der Grafen v. Freiburg und eine jüngere Nebenlinie der Grafen v. Fürstenberg.
Die Grafen von Fürstenberg
Landgrafen der Baar
Graf Heinrich I. v. Fürstenberg - ©F.F.Archiv Donaueschingen
Graf Heinrich I. v. Fürstenberg - ©F.F.Archiv Donaueschingen
Grabplatte König Rudolf I. v. Habsburg im Speyerer Dom Grabplatte König Rudolf I. v. Habsburg im Speyerer Dom
Reitersiegel (1283) des Grafen Heinrich I. v. Fürstenberg (+1284)
Stifter des Hauses Fürstenberg mit Sitz auf der Burg und Stadt Fürstenberg in der Baar.

Der Graf war einer der Söhne des Grafen Egino V. v. Urach und Freiburg, Mitgründer der Städte Neustadt und
Vöhrenbach, sowie verdienstvoller Parteigänger des römisch-deutschen Königs Rudolf I. v. Habsburg (+1291). König Rudolf I. nennt den Grafen Heinrich I. einen jener Männer, "die dem römischen Reiche sonder Wanken anhänglich, in langen Dienstjahren mit aller Kraft und Anstrengung, mit unerschütterlicher Gesinnung und unermüdlicher Ausdauer zu dessen Besten arbeiten".
 
Lehnsfolge für den König
Mit der persönlichen Führung und Verteidigung eines der beiden Königsbanner betraut, nahm Graf Heinrich I. mit seiner Gefolgschaft an einer der größten Ritterschlachten des Mittelalters teil. Auf dem Marchfeld bei Dürnkrut und Jedenspeigen wurde am 26. August 1278 die Erbfolge der Babenberger und der weitere Verlauf der Reichsgeschichte ausgefochten. Etliche Tausend Kämpfer rangen für den römisch-deutschen König Rudolf I. v. Habsburg und König Ottokar II. v. Böhmen um den Sieg, der letztere unterlag und wurde unmittelbar nach der verlorenen Schlacht von persönlichen Feinden ermordet.

Politische Mission
Am 10. Juli 1275 wurde Graf Heinrich I., zusammen mit dem Hofkanzler Rudolf und dem Ordensmeister der Johanniter Berengar, zu ersten diplomatischen Verhandlungen nach Reichsitalien entsandt. Die dortige politische Lage hatte sich für das Reich und den neuen König ungünstig entwickelt, ein kleineres Reichskontingent war bereits abmarschiert und in Mailand eingetroffen.
Der seit 1273 anhaltende Konflikt mit König Ottokar II. v. Böhmen führte auch in Reichsitalien zu Reaktionen. Es folgten schwierige Verhandlungen mit den Städten und dem Kirchenstaat, die sich über sieben Monate hinzogen. Nach wie vor standen sich die gegnerischen Parteien der Guelfen und Ghibellinen unversöhnlich gegenüber, dieser Konflikt bildete über Jahrhunderte eine offene Wunde im Körper des Reiches [Konstantinische Schenkung].
 
Hinweis: Regest 477 HRR, (Rudolf), Fundstelle/Zitat: RI VI 1 n. 477 (URI) - 1275 .... „verkündet allen markgrafen, grafen usw. obrigkeiten und bewohnern der Romagna und Maritima die ernennung des grafen Heinrich von Fürstenberg zum rector der Romagna und Maritima (regimen vice nostri nominis exequendum sibi plenarie committentes) und fordert sie auf denselben (cum comes idem sit os ex ossibus nostris et caro de carne transumptus) freudig aufzunehmen und ihm in allem zu gehorchen. Speciali quadam nobis ipsis.“ [Formhülse, die möglicherweise in Vorbereitung einer späteren Ernennung zur Ausführung kam, jedoch nicht vollzogen wurde.]
 
Weitere anspruchsvolle Aufträge im Dienst des Reiches schlossen sich an, das junge Haus Fürstenberg stärkte seine Verbindung zum regierenden Haus Habsburg und konnte somit auch herrschaftliche Vorteile ableiten, bzw. offene Streitigkeiten einer Klärung zuführen. Die Stadt Villingen erwies sich hier allerdings als schwere Kost, die den Fürstenbergern sprichwörtlich auf dem Magen lag. Streitigkeiten mit der selbstbewussten Stadt waren an der Tagesordnung und zogen sich über Generationen hin. 1325/26 kam es zur kriegerischen Eskalation, die Stadt wurde letztlich freigekauft und an Herzog Albrecht v. Österreich abgetreten (1326).
Landgrafschaft Baar
Graf Heinrich I. v. Fürstenberg wurde im Jahr 1283 erstmals mit der Landgrafschaft Baar (Westbaar), als persönliches Lehen (!), durch König Rudolf I. v. Habsburg belehnt. Mit König Rudolf I. begründet sich der Aufstieg des Hauses Habsburg zur Universalmonarchie, dieser Anspruch findet auch in den bekannten Devisen dieser Herrscher einen Niederschlag:
Wahlsprüche und Sinnsprüche aus Österreichs Geschichte
- Dr. Peter Diem.
 
Das 
Haus Fürstenberg schied sich im Jahr 1286 in eine ältere Linie Fürstenberg-Baar und eine jüngere Nebenlinie Fürstenberg-Haslach. Die Nordbaar mit der Stadt Villingen, das Bregtal sowie die Besitzungen im Kinzigtal und die Stadt Haslach wurden nach der Landesteilung vom Grafen Egen v. Fürstenberg-Haslach in Besitz genommen.
Die Wartenberger Baar
bestand in dem Schloß Wartenberg, den Städten Geisingen und Vöhrenbach, den Dörfern Donaueschingen, Aufen, Wolterdingen, Tannheim, Kirchdorf, Hochemmingen, Aasen, Heidenhofen, Pfohren, Sunthausen, Unterbaldingen und Zimmern, den Tälern Schwärzenbach, Langenbach, Schönau (Schönenbach), Linach, Bregenbach, Eisenbach, Urach, Schollach, Langenordnach, Rudenberg, den Klöstern Amtenhausen, Friedenweiler und Tannheim; dazu kamen an Hochobrigkeitsortschaften die Dörfer Schwenningen, Schura, Trossingen zur Hälfte, Talheim, Tuningen, Öfingen, Oberbaldingen und Biesingen, welche landesherrlich nach Württemberg gehörten, Durchhausen, Oberflacht und Seitingen, welche der Dompropstei Konstanz, Klengen, Marbach, Überauchen, Rietheim, Grüningen, Pfaffenweiler, welche der Stadt Villingen, und Dürrheim, Weigheim und Neuhausen, welche der Johanniterkomturei zu Villingen zustanden, ferner das rottweilische Mühlhausen und das der Familie Freiberg gehörige Aulfingen.
Die Fürstenberger Baar
bestand in den drei Städten Fürstenberg, Hüfingen und Löffingen, den Dörfern Mauenheim, Hausen, Kirchen, Hintschingen, Gutmadingen, Neidingen, Sumpfohren, Hondingen, Riedböhringen, Behla, Döggingen, Unadingen, Dittishausen, Reiselfingen, Seppenhofen, Göschweiler, Rötenbach, Mundelfingen und Bruggen, den Tälern Neustadt, Viertäler, Ober- und Unterlenzkirch, Kappel, Saig, Berg, Raitenbuch, Schluchsee, Aha, Fischbach und Schwendi, den Klöstern Neidingen und Grünwald; dazu kamen an Hochobrigkeitsortschaften Stetten unter Neuhewen, Leipferdingen, Kommingen, Nordhalden, Talheim, Utenhofen, Tengen-Dorf, Aselfingen, Opferdingen, Eschach und Achdorf, Bachheim, Hausen vor Wald und Allmendshofen.
Graf Friedrich I. v. Fürstenberg-Baar - ©gemeinfrei
Graf Friedrich I. v. Fürstenberg-Baar - ©gemeinfrei
Reitersiegel des Grafen Friedrich I. v. Fürstenberg-Baar (+1295/97).
Graf Friedrich I. war der älteste Sohn des Grafen Heinrich I. v. Fürstenberg und setzte nach der Fürstenbergischen Landesteilung von 1286 die Hauptlinie Fürstenberg-Baar fort. Durch die Heiratsverbindung mit der Erbtochter Udilhild v. Wolfach kam die freiherrliche Herrschaft Wolfach im Kinzigtal an das Haus Fürstenberg (-Baar).
Das einvernehmliche Verhältnis der beiden fürstenbergischen Linien Baar und Haslach geriet nach dem Tod des Grafen Friedrich I. ins Wanken. Sein Sohn und Nachfolger, Graf Heinrich II., lag mit der Haslacher Linie mehrfach in Streit und beide Linien befehdeten sich aus verschiedentlichen Gründen über einen längeren Zeitraum hinweg.
Graf Egen v. Fürstenberg-Haslach - ©gemeinfrei
Graf Egen v. Fürstenberg-Haslach - ©gemeinfrei
Reitersiegel des Grafen Egen v. Fürstenberg-Haslach (+1324),
Landgraf der Baar, aus dem Jahr 1303.

Graf Egen war einer der Söhne des Grafen Heinrich I. v. Fürstenberg und Stifter der jüngeren Nebenlinie Haslach im Kinzigtal. Der Graf führte als Helmzier noch die Pelzkugel; nachfolgende Grafen dieser Linie führten zur Unterscheidung zwei nach innen gewendete Hifthörner.
Gf. v. Fürstenberg-Haslach - ©gemeinfrei
Gf. v. Fürstenberg-Haslach - ©gemeinfrei
Die Grafen von Fürstenberg-Haslach
Landgrafen der Baar, Herren des Kinzigtals, der Nordbaar und des Bregtals.
Diese jüngere Linie des Hauses Fürstenberg gründete sich im Jahr 1286 und blühte bis ins Jahr 1386. Erster Graf dieser Linie war Graf Egen v. Fürstenberg (-Haslach).

Interessanterweise ist die Erinnerung an die damals eigenständige gräfliche Linie Fürstenberg-Haslach im Bregtal nahezu verloren gegangen. Vielfach wird hier vereinfachend nur von Fürstenberg gesprochen, jedoch unwissentlich übersehen, dass diese Haslacher Linie ein Jahrhundert lang die dominierende Standesherrschaft im Bregtal bildete und seit der Zeitenwende vom Hoch- zum Spätmittelalter nachhaltig in der Raumschaft wirkte. Insofern ist es mehr als gerecht, auf die ehemalige Existenz und politische Eigenständigkeit dieser Grafenlinie, mit Sitz im Kinzigtal und dem Bregtal (Zindelstein), eingehend hinzuweisen.

Weitere Info:
Adobe Stammbaum der Grafen v. Fürstenberg-Haslach (Pdf, 73 KB)
Adobe Zur Geschichte des Fürstenbergischen Wappens - Heraldische Monographie (Pdf, 5 MB)
Grabplatte - Graf Götz von Fürstenberg-Haslach (+1341) zugeschrieben - Stadtkirche Haslach
Grabplatte - Graf Götz von Fürstenberg-Haslach (+1341) zugeschrieben - Stadtkirche Haslach
 
Bei dem Grafen Götz (Gottfried) v. Fürstenberg-Haslach handelte es sich um ein außerordentlich kriegerisches Mitglied dieser Linie. Etliche Fehden gegen die benachbarten Herrschaften und Städte kennzeichneten diesen Grafen. Auch konnte dieser, die als Landbrücke wichtige Herrschaft Triberg (1341-1355) als Pfandherr erwerben. Aufgrund einer Intervention der Herzöge v. Österreich ging diese Herrschaft nachfolgend dem Haus jedoch wieder verloren.
Grabplatte Gräfin Anna v. Fürstenberg-Haslach (+1341) - Stadtkirche Haslach
Grabplatte Gräfin Anna v. Fürstenberg-Haslach (+1341) - Stadtkirche Haslach
 
Anna v. Fürstenberg-Haslach, Ehefrau des Grafen Götz v. Fürstenberg-Haslach, geborene Gräfin v. Montfort. Wappen: oben - Grafen v. Fürstenberg-Haslach / unten - Grafen v. Montfort.

Die einflussreichen und sehr begüterten Grafen von Montfort trugen ihren Namen nach dem nahe der Schweizer Grenze gelegenen Stammschloss Montfort bei Weiler im heutigen Vorarlberg. Mit ihren Herrschaften Feldkirch (bis 1390), Bregenz (bis 1523) und Tettnang (bis 1779) haben sie die territoriale Entwicklung Oberschwabens, der Ostschweiz und Vorarlbergs entscheidend beeinflusst.
Siegel der Adelheid von Fürstenberg-Haslach - Gräfin von Zollern - 1405 - ©gemeinfrei
Siegel der Adelheid von Fürstenberg-Haslach - Gräfin von Zollern - 1405 - ©gemeinfrei
Siegel der Adelheid von Fürstenberg-Haslach - Gräfin von Zollern - 1405
Tochter des Grafen Hug v. Fürstenberg-Haslach (+1371) und Schwester des Grafen Johann v. Fürstenberg-Haslach (+1386); verheiratet mit Graf Friedrich v. Zollern (Straßburger Linie) - Stammmutter der Fürsten von Hohenzollern. Haupterbin der fürstenbergisch-haslachischen Eigengüter und letztes "erbberechtigtes" Mitglied dieser Linie.

Führte mit dem Grafen Heinrich IV. v. Fürstenberg-Baar einen Erbfolgestreit um das Haslacher Erbe. Mit der Unterstützung ihres Mannes, eines Grafen von Zollern (Straßburger Linie), und des verbündeten Markgrafen Bernhard I. von Baden, gelang es der Gräfin sich Teile aus dem Haslacher Erbe in einem langjährigen Erbstreit zu sichern.

Mit dem Grafen Heinrich IV. v. Fürstenberg setzte sich dann die alleinregierende Hauptlinie fort, 1408 spaltete sich aber bereits wieder eine Nebenlinie Fürstenberg-Kinzigtal ab. Mit deren Erlöschen im Jahr 1490 kam es dann wieder zur Vereinigung der Fürstenbergischen Lande.
Info
Der Niedergang des Adels im Spätmittelalter
Das Erstarken der Landesherren und Städte ließ den Ritterstand verarmen,
die überkommene Lebensweise als Ritter und Kämpfer des Reiches starb aus.
Erbteilungen und Machtverlust brachten auch Hochadelsgeschlechter zu Fall.
Klimatische Veränderungen
Als es in Europa extrem kalt war. Die Winter zwischen 1430 und 1440 waren unverhältnismäßig kalt. Sie brachten in Teilen Europas Missernten, steigende Nahrungsmittelpreise, Hunger, Krankheiten – und Pilzvergiftungen. Online-Artikel: Neue Zürcher Zeitung - 1.12.2016 [Link]
Studie WEB: The 1430s: a cold period of extraordinary internal climate variability during the early Spörer Minimum with social and economic impacts in north-western and central Europe [Pdf, 4,8 MB] - Quelle: Clim. Past, 12, 2107-2126, 2016
Zeitenwende
Der Ausgang des Spätmittelalters
Kaiser Maximilian I. v. Habsburg (1459-1519). Gemälde: Peter Paul Rubens (1618) - Reminiszenz an einen großen (Gewalt-) Herrscher - ©gemeinfrei Kaiser Maximilian I. v. Habsburg (1459-1519). Gemälde: Peter Paul Rubens (1618) - Reminiszenz an einen großen (Gewalt-) Herrscher - ©gemeinfrei
Wenn wir heute vom Ende des Spätmittelalters sprechen, verbinden wir in der Regel diesen Epochenwechsel mit der Regierungszeit des römisch-deutschen Königs und späteren Kaisers Maximilian I. von Habsburg (*1459; +1519). Seine politischen Handlungen orientierten sich an einem veränderten Weltbild und an einer sich im künstlerischen wie technischen Bereich zu neuen Höhen entwickelnden Gesellschaft. Alte Strukturen gingen unweigerlich ihrem Niedergang entgegen, der Ritterstand und der Reichsadel mussten sich diesem Wandel stellen.
 
Als letzter Ritter des ausgehenden Mittelalters postuliert, steht dieser außergewöhnliche Herrscher maßgeblich für den Wandel und die Erneuerung des Heiligen Römischen Reiches. Letztlich sollten die von Maximilian im Zuge der Reichsreform beabsichtigten Veränderungen das Reich stärken und einer weiteren Zersplitterung der kaiserlichen Zentralgewalt vorbeugen.
 
Maximilians Regierungszeit wurde allerdings von zahlreichen Kriegen begleitet, entweder wurden diese für das Reich, die Erblande, oder Burgund geführt. Trotz seines ausgeprägten Interesses für das Kriegswesen und seiner durchaus vorhandenen Begabung gelang es dem Kaiser wegen seiner oft allzu optimistischen Einschätzung der Lage und der andauernden Überstrapazierung seiner finanziellen Ressourcen selten, seinen militärischen Sieg dauerhaft in politische Erfolge umzuwandeln. [Pfaffenbichler]

Weitere Info:
WEB: Historische Karten von Europa - Euratlas
Interner Link: Ohne Kapital kein Krieg!
Albrecht Altdorfer, Triumphzug Kaiser Maximilians, Szene: Reichsbanner mit Herzschild Österreich-Burgund. Entstehungsjahr um 1513–1515, Grafische Sammlung der Albertina in Wien.
Albrecht Altdorfer, Triumphzug Kaiser Maximilians, Szene: Reichsbanner mit Herzschild Österreich-Burgund. Entstehungsjahr um 1513–1515, Grafische Sammlung der Albertina in Wien.
Innsbrucker Hofkirche zum hl. Kreuz mit Grabmal Maximilians I. und Silberner Kapelle - Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Austria license. Innsbrucker Hofkirche zum hl. Kreuz mit Grabmal Maximilians I. und Silberner Kapelle - Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Austria license.
Kenotaph des Maximilian I.
Das Grabmal Kaiser Maximilians I. bildet ein monumentales Werk mit zahlreichen massiven Bronzefiguren (daher im Volksmund: "Schwarze Mander" = schwarze Männer), das sich im Hauptschiff der Hofkirche Innsbruck befindet. Das Grabmal wurde von Kaiser Maximilian I. (1459–1519) bereits zu seinen Lebzeiten für die St. Georgs-Kapelle in der Burg in Wiener Neustadt in Auftrag gegeben, blieb jedoch unvollendet. Erst sein Enkel, Kaiser Ferdinand I. (1503–1564), ließ das Prunkgrabmal nach Innsbruck bringen und als Kenotaph in der eigens dafür von ihm erbauten Hofkirche aufstellen. Der Kenotaph wurde erst 1584 unter Erzherzog Ferdinand II. (1529–1595) vollendet. [Denkmallink: Objekt-ID 64204]
Biografie: 1477 Herzog von Burgund - ab 1486 römisch-deutscher König - ab 1490 Erzherzog von Österreich - ab 1508 Kaiser des Heiligen Römischen Reichs.
Die Grafen von Fürstenberg am Ende des Mittelalters
Der Übergang zur Früh-Renaissance
Zeichen der Zeit
Der finanzielle Ruin kleinerer Adelsfamilien, sowie das Wegbrechen tradierter Werte des Rittertums, verursachten einen gesellschaftlichen Umbruch. Ein absehbarer Aufstieg des städtischen Bürgertums und ein sich im Wandel befindliches Handels- und Finanzsystem mit ungeahnten Möglichkeiten veränderten die bis dahin festgefügte mittelalterliche Welt. Nicht mehr nur die gesteigerte Ertragsgewinnung aus Landbesitz, sondern auch das Generieren von Geldmittel in fremden Diensten, oder durch Produktion und Handel von Waren, war zur Notwendigkeit geworden. Der immense Geldbedarf des Adels musste bedient werden, die Finanzwirtschaft prosperierte immer stärker.
Albrecht Altdorfer, Triumphzug Kaiser Maximilians, Szene: Die berühmten Grafen (darunter Fürstenberg). Entstehungsjahr um 1513–1515, Grafische Sammlung der Albertina in Wien.
Albrecht Altdorfer, Triumphzug Kaiser Maximilians, Szene: Die berühmten Grafen (darunter Fürstenberg). Entstehungsjahr um 1513–1515, Grafische Sammlung der Albertina in Wien.
König Maximilian im Helmbartenturnier mit Graf Wolfgang v. Fürstenberg (um 1501, Innsbrucker Hof) - ©gemeinfrei König Maximilian im Helmbartenturnier mit Graf Wolfgang v. Fürstenberg (um 1501, Innsbrucker Hof) - ©gemeinfrei
Wegbereiter in eine neue Zeitepoche
Seit 1490/91 befanden sich die Fürstenbergischen Lande wieder in einer Hand, die beiden Söhne des Grafen Konrad v. Fürstenberg (+1484), Heinrich VII. (*1464; +1499) und Wolfgang (*1465; +1509) übten nach dem Aussterben der Kinzigtäler Linie (Graf Heinrich VI., *1407, +1490) die alleinige und später wieder ungeteilte Herrschaft aus (1484-1509).
 
Die Geschicke des Hauses Fürstenberg verliefen zu dieser Zeit in überschaubaren aber zuweilen auch anstrengenden Bahnen. Im Dienst für das Reich waren die beiden Grafen als Feldherren und Diplomaten tätig und ragen unter den Mitgliedern des Hauses Fürstenberg durchaus heraus. Der Strom der Zeitenwende hatte diese als reichsunmittelbare Landesherren ebenfalls erfasst und den politischen wie gesellschaftlichen Veränderungen ausgesetzt. Schon eine Generation zuvor standen die Fürstenberger in habsburgisch-tirolischen Diensten, die erwähnten Grafen Konrad und Heinrich VI. v. Fürstenberg hatten hier bereits Wege vorgezeichnet (Erzherzogtum [Ober-] Österreich, Austria Superior).
Kaiser Maximilian I. v. Habsburg. Gemälde von Albrecht Dürer (1519) - ©gemeinfrei Kaiser Maximilian I. v. Habsburg. Gemälde von Albrecht Dürer (1519) - ©gemeinfrei
Es treten uns nun zwei Akteure entgegen, die sich außerordentliche Verdienste um das Reich erworben haben und in unterschiedlichsten Stellungen dem römisch-deutschen König und späteren Kaiser Maximilian I. auf das Engste verbunden waren. Obwohl dieses Engagement in habsburgischen Diensten durch schwere Verwerfungen am Hof des Erzherzogs Sigmund v. Tirol zuerst belastet wurde, konnte sich das Haus Fürstenberg unbeschädigt den Innsbrucker Machenschaften wieder entziehen. Allerdings gelang es erst durch die tatkräftige Unterstützung seines Bruders Wolfgang und intensiven Bitten und Fürbitten für Graf Heinrich eine Begnadigung durch Kaiser Friedrich III. zu erwirken und diesen aus der Reichsacht wieder zu lösen. Also ein denkwürdig schlechter Start für diesen fürstenbergischen Grafen, der sich im habsburgischen Dienst zuerst wieder bewähren musste. Hier begründete sich nun die weitere Laufbahn der beiden Brüder im Dienst des Habsburgers Maximilian, der mehrfach in der Landgrafschaft Baar verweilte und in der Überlieferung Spuren hinterlassen hat. Nachfolgend werden die wichtigsten Wegmarken der beiden Grafen verkürzt dargestellt.
Stammwappen des Hauses Fürstenberg - ©gemeinfrei Stammwappen des Hauses Fürstenberg - ©gemeinfrei
Graf Heinrich VII. v. Fürstenberg (1464-1499)
Sohn des Grafen Konrad v. Fürstenberg (+1484)
+ 1485: Erzherzoglicher Rat zu Innsbruck/Tirol
+ 1486: Jerusalemreise + 1488/89: In Reichsacht gesetzt + 1490: Im Hofgefolge König Maximilians zu Innsbruck; Ungarnfeldzug mit schwäbischen Landsknechten und bayerischen Hilfstruppen + 1492: Bestallung zum königlichen Rat + 1496: Ernennung zum Hofmarschall; Italienfeldzug + 1499: Schweizerkrieg - Oberster Feldhauptmann über alle in den vorderösterreichischen Erblanden liegenden Truppen. Am 22.07.1499 in der denkwürdigen Schlacht bei Dornach-Dorneck erschlagen. Sein Leichnam wurde von den Schweizern vom Schlachtfeld geraubt und nicht wieder zurückgegeben. Selbst das persönliche Eingreifen König Maximilians führte hier zu keiner Lösung, die Ruhestatt des Grafen verblieb in der Ferne. Ein Totenschild in der Gruftkirche Neudingen erinnert als Epitaph an sein Schicksal.
Turnierbuch Freydal: Graf Wolfgang v. Fürstenberg im Antzogen-Rennen mit Freydal - Süddeutsch, ca. 1512-1515 - ©Kunsthistorisches Museum Wien, Kunstkammer, Inv.-Nr. 5073. Der Graf hat als Wolf v. Furstenberg Einzug in das von Kaiser Maximilian I. in Auftrag gegebene Turnierbuch Freydal gehalten und zählte zu den hochrangigen Mitgliedern des habsburgischen Hofstaates. Turnierbuch Freydal: Graf Wolfgang v. Fürstenberg im Antzogen-Rennen mit Freydal - Süddeutsch, ca. 1512-1515 - ©Kunsthistorisches Museum Wien, Kunstkammer, Inv.-Nr. 5073. Der Graf hat als Wolf v. Furstenberg Einzug in das von Kaiser Maximilian I. in Auftrag gegebene Turnierbuch Freydal gehalten und zählte zu den hochrangigen Mitgliedern des habsburgischen Hofstaates.
Graf Wolfgang v. Fürstenberg (1465-1509)
Sohn des Grafen Konrad v. Fürstenberg (+1484)
+ 1486: Im Hofgefolge des Pfalzgrafen und Kurfürsten Phillip bei Rhein; Ritterschlag in Aachen durch den neugekrönten König Maximilian + 1489-1499: Im Dienst der Grafen und Herzöge v. Württemberg + 1490: Im Hofgefolge König Maximilians zu Innsbruck; Ungarnfeldzug mit schwäbischen Landsknechten und bayerischen Hilfstruppen +1496: Italienfeldzug + 1497: Landhofmeister des Herzogtums Württemberg + 1498/99: Absetzung Herzog Eberhards II. v. Württemberg. Graf Wolfgang wird von König Maximilian zum Verweser des Herzogtums Württemberg bestellt + 1499: Schweizerkrieg - Befehlshaber der württembergischen Truppen, Oberster Feldhauptmann des Schwäbischen Bundesheeres; Regierender Graf in allen Fürstenbergischen Landen + 1500: Verleihung des Münzrechtes durch König Maximilian; Ernennung zum königlichen Rat und Kämmerer + 1502: Bestallung zum Obersten Hauptmann und Landvogt der vorderösterreichischen Lande im Elsass, Sundgau, Breisgau, der vier Städte am Rhein, dem Schwarzwald und der Stadt Villingen; Bestallung zum Hofmarschall + 1504: Württembergischer Feldzug gegen die Pfalz; Kriegszug in die Ortenau + 1505: Ernennung zum Ritter vom Goldenen Vlies + 1506: Befehlshaber der deutschen Landsknechte bei der Überfahrt König Philipps nach Spanien (Pdf, 50 KB); Diplomatische Missionen in den Niederlanden, Spanien und England + 1509: Italienfeldzug, am 31.12.1509 verstorben.
Orden vom Goldenen Vlies - Kaiser Maximilian I.
Eintrag: Graf Wolfgang v. Fürstenberg - Ritter vom Goldenen Vlies (1505), Jpeg 930KB; Livre du toison d'or - BSB Cod.icon. 285; [S.I.] Niederlande Ende 16. Jh.; [WEB]; 17. Kapitel des Ordens vom Goldenen Vlies, Middelbourgh 1505, 40r
Entenburg bei Pfohren - ©Südkurier Verlag 1990 Entenburg bei Pfohren - ©Südkurier Verlag 1990
Der römisch-deutsche König und spätere Kaiser Maximilian I. verweilte vom 25. bis 27. April 1507 drei Tage bei seinem Hofmarschall, dem Grafen Wolfgang v. Fürstenberg, auf der Burg bei Pfohren. Die vom Grafen Heinrich dem Älteren v. Fürstenberg (1432-1490) erbaute Wasserburg, ist heute noch als Bauwerk erhalten. Leider wurden die vier Ecktürme zurückgebaut und der Wassergraben verfüllt, der einstige wehrhafte Charakter dieses (Jagd-)Schlosses ging somit "etwas" verloren. Nichtsdestotrotz handelt es sich hier um ein historisches Bauwerk, das in seinen Mauern doch illustre Gäste beherbergte.
Ritterbünde
Beide Grafen waren Mitglieder des
Schwäbischen Bundes und der Adelsgesellschaften von Fisch, genannt "Sewer", und zum Falken, genannt "Schnaithölzer". Beide Gesellschaften vereinigten sich zur Gesellschaft vom Fisch und Falken (1484) unter dem Patronat des Sankt Jörgenschild. Graf Heinrich VI. v. Fürstenberg (+1490) war ein Stifter der Rittergesellschaft zum Fisch und Falken. Auszug Wappenbuch: [S.l.] Süddeutschland 1. Hälfte 16. Jh.Wappenbuch - BSB Cod.icon. 392 d (jpeg, 960 KB) - Grafen v. Fürstenberg.
Totenschild Graf Heinrich VII. v. Fürstenberg - Gruftkirche Neudingen
Totenschild Graf Heinrich VII. v. Fürstenberg - Gruftkirche Neudingen
Totenschild Graf Wolfgang v. Fürstenberg - Gruftkirche Neudingen
Totenschild Graf Wolfgang v. Fürstenberg - Gruftkirche Neudingen
Der Schwäbische Krieg - Ein Tal der Tränen und Niederlagen
Schlacht bei Dornach-Dorneck (1499) - ©gemeinfrei
Schlacht bei Dornach-Dorneck (1499) - ©gemeinfrei
Fürstenbergische Erbteilung von 1491
Als wichtige und richtungsweisende Entscheidung hat sich die Fürstenbergische Erbteilung von 1491 erwiesen. In diesem Vertragswerk wurde die agnatische Regelung beim Verkauf von Hausgütern im Sinne des Fürstenbergischen Hausgesetzes - dem Hauskommiß - erstmalig vorgesehen. Einer drohenden Zersplitterung des Hausbesitzes wurde hier in Anfängen entgegengewirkt.
 
[Riezler] Die beiden Grafen behielten gemeinsam die Stadt Fürstenberg, wo jedoch nur Heinrich seinen Sitz haben sollte, das Landgericht und das Geleitsrecht in der Baar und das Verleihungsrecht aller fürstenbergischen wie auch der ererbten hohenklingenschen Lehen. Es wurde auch ein gegenseitiges Öffnungsrecht für alle Schlösser mit aufgenommen. Graf Heinrich erhielt in Summe die meisten Besitzungen auf der Baar, sein Bruder Wolfgang die Besitzungen im Kinzigtal und auf dem Schwarzwald - im Einzelnen das fürstenbergische Kinzigtal mit den Städten Haslach und Wolfach, auf der Baar und dem Schwarzwald - Schloss und Dorf Pfohren, Hochemmingen, Heidenhofen, den Anteil Heinrichs VI. an Sunthausen, Bräunlingen, Deggingen (Döggingen), Waldhausen, Mistelbrunn, Wolterdingen, Tannheim, Herzogenweiler, Stadt Vöhrenbach, Schloss Neufürstenberg, die Täler Langenbach, Schönenbach, Bregtal, die Güter zu Weilersbach und einiges andere. Die Wildbänne wurden durch die Festlegung einer Grenzlinie anteilig getrennt. 1499 konnten die geteilten Besitzungen unter Graf Wolfgang bereits wieder vollständig vereint werden.
 
Auch wurden weitere Erwerbungen getätigt: Graf Heinrich erwarb 1491 die Herrschaft Lenzkirch und weitere kleinere Gebietsteile, Graf Wolfgang konnte 1500 die Kastvogtei des Klosters Wittichen an sich ziehen, 1506 folgte dann endgültig die Herrschaft Schenkenzell. Bereits 1488 erwarben die beiden Grafen von der Witwe des Ritters Dietpold v. Habsberg Donaueschingen, mit Schloss und Dorf und den benachbarten Dörfern Ober- und Unteraufen nebst der Pfandschaft über den reichenauischen Kelnhof zu Donaueschingen. Die 1491 noch gemeinschaftlich übernommene Herrschaft Romberg war kurz danach an Graf Wolfgang gefallen. Der Kinzigtäler Bergbau bildete zu dieser Zeit bereits eine wichtige Einnahmequelle.
 
In ihren Gebieten mussten die beiden Grafen manche Streitigkeiten mit umliegenden Herrschaften klären. 1492 bildete der Streit mit der Stadt Bräunlingen einen Schwerpunkt, die dortige Einquartierung von 300 Kriegsknechten stellte sicherlich eine drastische Maßnahme dar. Im Bregtal musste sich Graf Wolfgang zudem mit den Obervögten von Triberg und weiteren österreichischen Räten auseinander setzen, die hohe Gerichtsbarkeit Fürstenbergs für das Rohrbachtal wurde in Zweifel gezogen. Auch mussten Ansprüche des Klosters St. Georgen gegenüber Vöhrenbacher Leibeigenen zurückgewiesen werden. Eine Vielzahl weiterer mühseliger Rechtsstreitigkeiten schloss sich schier endlos an.
 
Der erwähnte Streit mit der Stadt Bräunlingen konnte auf Basis des am 5. August 1492 in Innsbruck geschlossenen Vergleiches dann endgültig beendet werden. Die Fürstenberger (Graf Heinrich VII.) verzichteten auf ihre Ansprüche, die sich auf einen Vertrag zwischen ihnen und Erzherzog Sigmund v. Tirol bezogen (1460, Graf Heinrich VI.). Mit der faktischen Ablösung des Erzherzogs Sigmund als Landesfürst durch König Maximilian v. Habsburg (1490) wurde dieser Vertrag sofort kassiert, Kaiser Friedrich III. erklärte diesen zudem als unwirksam (12. Februar 1490). Bräunlingen fiel an Österreich zurück, eine Entschädigung in Höhe von 1.600 Gulden wurde Fürstenberg zugestanden (österreichische Pfandschaft gegen Fürstenberg von 1460).
Kriegszug in die Ortenau - 1504
Im Verlauf der kriegerischen Handlungen des Reiches gegen Pfalzgraf Ruprecht kam es in der Nachbarschaft zum fürstenbergischen Kinzigtal zu schweren Kämpfen
(Bayerischer/Landshuter Erbfolgekrieg).
 
Die zur Hälfte von der Pfalz gehaltene Reichspfandschaft "Landvogtei Ortenau" (früher Mortenau) wurde Anfang 1504 von König Maximilian eingezogen, der anschließende Kriegszug sollte diese dem pfälzischen Kurfürsten wieder entreißen. Zum 3. August 1504 wurde dann die Stellung des Aufgebots im Elsass, Sundgau, Breisgau und Schwarzwald durch König Maximilian angeordnet (6.000 Mann), Graf Wolfgang v. Fürstenberg -
Oberster Hauptmann und Landvogt der vorderösterreichischen Lande - wechselte vom württembergischen Kriegsschauplatz (Feldzug gegen die Pfalz) nun an den Oberrhein. Im Gefolge König Maximilians belagerte der Graf dann mit einem starken Truppenverband die beherrschende Burg Ortenberg. Der Zuzug von Artillerie ermöglichte einen massiven Beschuss der Burg, diese wurde nachfolgend sturmreif geschossen und erobert. Kurz darauf öffnete auch die ortenauische Stadt Offenburg ihre Tore, am 7. August befand sich der König in deren Mauern. Maximilian nutzte die Eroberungen dann zur Begleichung seiner Schulden bei Graf Wolfgang v. Fürstenberg. Für "Sold, Dienst, geliehenes Geld und Darlehen, die der Graf in wichtigen Angelegenheiten und Geschäften des Königs und Reichs vorgestreckt, die auch dem Könige und Reiche in mannigfacher Weise nützlich und wohl gediehen waren" schuldete er Graf Wolfgang 24.000 Gulden. Dafür verpfändete er dem Fürstenberger am besagten 7. August 1504 zu Offenburg den eroberten pfälzischen Anteil an der Landvogtei und Herrschaft Ortenau - die andere Hälfte derselben hatte als Reichspfand Bischof Albrecht von Straßburg inne - mit dem Schloss Ortenberg, den Städten Offenburg, Gengenbach, Zell am Harmersbach, mit hohen und niederen Gerichten, den Einkünften aus Friesenheim und allem Land und Dörfern, die zu diesem Teil der Ortenau gehörten - [Riezler].
 
Am 26. August 1504 überliefert Heinrich Slebusch, dass der fürstenbergische Graf mit der Belagerung und Eroberung des Schlosses Geroldseck beauftragt wurde. Bereits am 22. August wurde der Zuzug schwerer Geschütze veranlasst (Hauptbüchsen), eine Schiffsverlastung über den Rhein für den 25. August anberaumt (Stadt Straßburg). 
König Maximilian war zwischenzeitlich schon abgereist.
 
Quelle: Maximilian - RI XIV,4,1 n. 18982, in: Regesta Imperii Online
Quelle: Maximilian - RI XIV,4,1 n. 19022, in: Regesta Imperii Online
Quelle: Maximilian - RI XIV,4,1 n. 19023, in: Regesta Imperii Online
Quelle: Maximilian - RI XIV,4,1 n. 19035, in: Regesta Imperii Online
Quelle: Maximilian - RI XIV,4,1 n. 19036, in: Regesta Imperii Online
Quelle: Maximilian - RI XIV,4,1 n. 19088, in: Regesta Imperii Online
 
Das Haus Fürstenberg hielt diese Reichspfandschaft dann bis zum Jahr 1551. Ein Verzeichnis der Landvögte der Ortenau führt erstmals ab 1509 Wolfgangs ältesten Sohn Graf Wilhelm (+1549) auf, nachfolgend rückte dann dessen Bruder Graf Friedrich II. von 1547-51 in der Herrschaft nach.
Die fürstenbergische Hausgeschichte - in Person des Grafen Wilhelm - ist mit der Burg Ortenberg verwoben, das Leben und Sterben dieses Grafen dort nachweisbar.
Adobe Gernot Vilmar: Sicherung und Instandsetzung von Schloß Ortenberg im Ortenaukreis - (Pdf, 2 MB, Univ. Heidelberg Archiv)
Herzog Ulrich v. Württemberg (1487-1550) - ©KHM, Wien. Die Ermordung des Hans v. Hutten 1515 beschädigte seinen Ruf im Reich. Ulrich wollte die Liebschaft zu Huttens Ehefrau fortsetzen und ließ sich zu dieser Tat hinreißen. 1519 eroberte der Schwäbische Bund, als Reaktion auf den von Ulrich durchgeführten Überfall auf die Reichsstadt Reutlingen, das Herzogtum und unterstellte dieses Kaiser Karl V., der wiederum gab es an die Habsburger weiter. Herzog Ulrich wurde verbannt und musste ins Exil nach Mömpelgard ausweichen. Dort war allerdings der regionale Konflikt mit den Fürstenbergern neu ausgebrochen. Herzog Ulrich v. Württemberg (1487-1550) - ©KHM, Wien. Die Ermordung des Hans v. Hutten 1515 beschädigte seinen Ruf im Reich. Ulrich wollte die Liebschaft zu Huttens Ehefrau fortsetzen und ließ sich zu dieser Tat hinreißen. 1519 eroberte der Schwäbische Bund, als Reaktion auf den von Ulrich durchgeführten Überfall auf die Reichsstadt Reutlingen, das Herzogtum und unterstellte dieses Kaiser Karl V., der wiederum gab es an die Habsburger weiter. Herzog Ulrich wurde verbannt und musste ins Exil nach Mömpelgard ausweichen. Dort war allerdings der regionale Konflikt mit den Fürstenbergern neu ausgebrochen.
Streit mit Württemberg
1505 kam es zu einer schweren Verstimmung zwischen Graf Wolfgang v. Fürstenberg und Herzog Ulrich v. Württemberg, die sich mit Unterbrechungen über eine Generation hinzog. Erhobene Erbansprüche des Württembergers an der Herrschaft Neuchâtel in der Freigrafschaft Burgund und die nachfolgende Besetzung Blamonts wurden von Graf Wolfgang vehement zurückgewiesen, durch die Vermählung einer der beiden Erbtöchter - Bona (Jutta) von Neuchâtel - mit seinem ältesten Sohn Wilhelm sah man sich hier ebenfalls im Recht und war zum Gegenschlag entschlossen.
 
Die vormals reiche Witwe und nachfolgende Gattin Wilhelms war zuvor mit dem Grafen Ludwig von Blamont vermählt und erbte zudem nach dem Tod des letzten Herrn von Neuchâtel, Theobald IX., einen ansehnlichen Besitz. Neben Blamont begründete sich der Anspruch Fürstenbergs und des Grafen Felix v. Werdenberg auf die Herrschaften Héricourt, die Burg Neuchâtel, L'Isle-sur-le-Doubs, Châtelot, Clemont, Pont-de-Roide, Bourguignon, Granges etc. Der Werdenberger Graf hatte die zweite Erbtochter Theobalds IX. geehelicht. Beide Ehen wurden im Sinne Maximilians angebahnt, dieser begünstigte die Verbindungen des deutschen Reichsadels mit Burgund.
 
Graf Wolfgang beendete das nun zerrüttete Dienstverhältnis zu Württemberg, die Wege der beiden Häuser trennten sich unglücklich. Unterstützt durch Kaiser Maximilian I., König Philipp den Schönen und König Franz I. von Frankreich versuchte der fürstenbergische Graf noch Gegenmaßnahmen auf den Weg zu bringen, kriegerische Aktionen kamen jedoch nicht mehr zur Ausführung. Mit dem Tod von Graf Wolfgang Ende 1509 trat dann eine Unterbrechung ein, die den Konflikt augenscheinlich verflachen ließ. Im Hintergrund schwelte dieser aber weiter und benötigte nur einen kleinen Anstoß um wieder auszubrechen.
Freigrafschaft Burgund - Im Vertrag von Senlis (1493) dem habsburgischen Länderkomplex eingegliedert. Seit 1512 im Status der Neutralität zu den Eidgenossen. Bild: ©CC BY-SA 3.0 - Bruno Vallette Freigrafschaft Burgund - Im Vertrag von Senlis (1493) dem habsburgischen Länderkomplex eingegliedert. Seit 1512 im Status der Neutralität zu den Eidgenossen. Bild: ©CC BY-SA 3.0 - Bruno Vallette
Interessanterweise ruhte diese Angelegenheit dann über längere Zeit, bis Graf Wilhelm v. Fürstenberg 1515 einen ersten Versuch zur Rückeroberung unternahm, der jedoch nicht zum Erfolg führte. Seine Ehefrau war in diesem Jahr verstorben, Graf Wilhelm wurde mit dem gesamten Erbe bedacht. Im Jahr 1519 ausbrechende Kämpfe eskalierten dann zu einer regionalen Auseinandersetzung mit zahlreichen Beteiligten (Eidgenossenschaft), diese zog sich bis 1524 hin. Der fürstenbergische Handstreich von 1519 auf das württembergische Granges und andere mömpelgardische Dörfer, sowie die Zerstörung von Schloss Étobon, verweist auf die Entschlossenheit des Grafen hier keinen Fußbreit Boden preis zu geben. Sein zwischenzeitlicher Kriegsdienst für den französischen König Franz I. - 1521/22 - ließ dann noch kurz die Hoffnung auf stärkere diplomatische Unterstützung aufkommen. Der Übermacht seiner Gegner konnte er aber auf Dauer nicht standhalten, der streitbare Fürstenberger geriet immer mehr in die Defensive.
Erzherzog Ferdinand v. Österreich (1503-1564), 1531 König, 1558 Kaiser, gemalt 1521 - ©gemeinfrei, KHM Wien Erzherzog Ferdinand v. Österreich (1503-1564), 1531 König, 1558 Kaiser, gemalt 1521 - ©gemeinfrei, KHM Wien
Zum Schluss veräußerte Graf Wilhelm alle Erb- und Eroberungsrechte an den burgundischen Herrschaften seiner verstorbenen Frau unter Wert an Erzherzog Ferdinand von Österreich. Ferdinand hatte den Grafen unterstützt und war an einem Erwerb der strategisch gelegenen Herrschaften sehr interessiert. Auch konnte der Erzherzog gegenüber dem verbannten Herzog Ulrich v. Württemberg größeres politisches Gewicht in die Waagschale werfen. Am 15. März 1524 gingen dann alle Rechte des Fürstenbergers an Neuchâtel, HéricourtL'Isle-sur-le-Doubs, Châtelot, Clemont, Montron, Bourguignon, Poinson, Granges und Étobon mit Pont-de-Roide für 20.000 Gulden an den Habsburger, der sich über die günstigen Konditionen sicher freuen konnte [Wagner]. Ein bitteres Ende für den Grafen, der in schwieriger Lage nun an einem Endpunkt angelangt war. Dem Württemberger hatte er zumindest noch einen mächtigen Landesfürst ins Feld gestellt, der seine neu erworbenen Ansprüche bei Bedarf auch mit Nachdruck vertreten konnte. Die erlittene Rücksetzung durch den Württemberger vergaß der Graf lange nicht, sein Ehrbegriff ließ dies einfach nicht zu. "Besser leyb und leben gewagt dan ayn eck an der eren ferletz" - wer dieses, sein höchstes Gut antastete, der hatte seine unerbittliche Rache zu fürchten. Landgraf Philipp v. Hessen, der Graf Wilhelm gut kannte, traute diesem "seltzamen man" alles zu [Wagner]. Letztlich galt für den Fürstenberger die Devise: "Der Krieg heiligt die Mittel!". In den nächsten Jahren entwickelte der Graf dann eine charakterliche Eigenwilligkeit, die sich sicherlich aus den schlechten Erfahrungen des burgundischen Erbstreites nährte. Sein späteres Verhältnis zu Herzog Ulrich blieb trotz einvernehmlicher Phasen nicht ganz frei von Spannungen.
Getrennte Wege
- Katholizismus und Reformation -
Graf Wilhelm v. Fürstenberg (1491-1549), gemalt 1540 - Gemälde: Schloß Heiligenberg - ©FFA-DS Graf Wilhelm v. Fürstenberg (1491-1549), gemalt 1540 - Gemälde: Schloß Heiligenberg - ©FFA-DS
Graf Wilhelm v. Fürstenberg (1491-1549) - der "wilde Graf"
Sohn des Grafen Wolfgang v. Fürstenberg (1465-1509).
Kriegsmann, Söldnerführer, Diplomat, Landesherr und Reformator (seit 1529/31). Stand des öfteren im Gegensatz zu seinem jüngeren Bruder Graf Friedrich II. und Kaiser Karl V. von Habsburg. Seine Verhandlungen mit dem Schmalkaldischen Bund (gegr. 1531) und seine Bemühungen diesen zu unterstützen wurden als Rebellion aufgefasst.
 
[Gemälde]: Graf Wilhelm im Halbharnisch mit Degen, Dolch und Zweihänder (Bidenhänder). Unter dem Harnisch ist noch ein Kettenhemd ohne Ärmel (?) erkennbar (Mußzeug). Der Graf erscheint in der Feldrüstung eines Doppelsöldners, die Darstellung verzichtet fast gänzlich auf prunkvolle Attribute. Der vollzogene Wandel vom elitären Panzerreiter zum Fußkämpfer (Landsknechtführer) wird hier deutlich ersichtlich.
 
Kriegsmann und Gewaltmensch
Graf Wilhelm galt als geschickter Taktiker, der in der Schlacht situativ auch zu ungewöhnlichen Reaktionen neigte. War er gezwungen einen uneinsichtigen Gegner niederzukämpfen, wurde unter Einsatz aller Mittel kurzer Prozess gemacht. Sein überliefertes Gefecht vom 23. Juli 1544 bei Vitry zeigt dies beispielhaft auf. 300 abgeschnittene italienische Söldner der französischen Armee verschanzten sich dort in der Dorfkirche und verweigerten eine Übergabe. Graf Wilhelm rückte daraufhin gegen die Dorfkirche vor, wurde aber von einer gegnerischen Kugel, die seinen Kettenschutz am Hals durchschlug, erheblich verletzt. Seine spontane Reaktion fiel durchaus hart aus, die Dorfkirche wurde mit Kanonen zusammengeschossen und in Brand gesetzt, alle italienischen Söldner ohne Erbarmen an Ort und Stelle niedergemacht. Im Kontext dieser Epoche stellte dies ein durchaus gängiges Vorgehen dar. Dem unterlegenen Gegner wurde die ehrenhafte Annahme der Kapitulation in Aussicht gestellt, lehnte dieser aber ab wurde der Kampf bis zu dessen Vernichtung fortgesetzt.
Feldherr und Söldnerführer
Graf Wilhelms Fähigkeit zur Mobilisierung und Führung großer Truppenverbände eilte ihm als Ruf voraus und nötigte seinen Gegnern durchaus Respekt ab. Über eines herrschte bei Freund und Feind kein Zweifel: "Fürstenberg war ein hohes militärisches Talent!". Seine verschiedenen Dienstverpflichtungen im Kriegs- und diplomatischen Dienst für Habsburg, Hessen, Lothringen, Württemberg, den Schmalkaldischen Bund und Frankreich sprachen für sich. Hinzu kam eine ausgeprägte persönliche Tapferkeit im Feld, erlittene Verletzungen durch Gefechte oder Gefangennahme sind überliefert. Nur sein sporadisch ausbrechender Hang zur Waghalsigkeit, Unvorsichtigkeit, mangelnder Überlegenskraft und fehlendem Weitblick verhinderte, dass er als einer der hervorstechenden Feldherren dieser Zeit seinen Platz in der Geschichte gefunden hat. Auch seine Ehrenhändel (Duellforderungen) verweisen auf einen impulsiven Charakter, der vielfach aneckte und wenig Sympathie hinterließ. Sein Leben war von Kampf und Krieg geprägt, diesen persönlichen Kosmos konnte und wollte er nie verlassen [Wagner]. Er blieb stets ein großer Soldat, der den Lebensstil der Renaissance auf seine Art auch ausschweifend genoss.
Philipp der Großmütige, Landgraf von Hessen (1504-1567) - ©gemeinfrei. Landgraf Philipp gilt als politischer Führer der Reformation im Reich. Als Gegenspieler Kaiser Karls V. bestimmte er die Entwicklung im Reich und Europa wesentlich mit. Philipp der Großmütige, Landgraf von Hessen (1504-1567) - ©gemeinfrei. Landgraf Philipp gilt als politischer Führer der Reformation im Reich. Als Gegenspieler Kaiser Karls V. bestimmte er die Entwicklung im Reich und Europa wesentlich mit.
Württembergischer Feldzug
1534 führte Graf Wilhelm bei der Rückeroberung des Herzogtums Württemberg, als Oberster Feldhauptmann des gesamten Fußvolkes, nahezu 20.000 Kriegsknechte, davon 9.000-10.000 Mann aus eigener Werbung (zwei Regimenter mit 25 Fähnlein), auf das Schlachtfeld. [Ranke] bezeichnet diese Truppen, als "das erste Heer religiös-politischer, europäisch-deutscher Opposition gegen das Haus Österreich, das im Feld erschien!" Innerhalb kurzer Zeit wurden die habsburgischen Truppen in der Schlacht bei Lauffen entscheidend geschlagen, das überlegene Heer des Landgrafen Philipp v. Hessen erzwang die Restitution des Hauses Württemberg (Afterlehen, Herzog Ulrich). Der römisch-deutsche König Ferdinand I. v. Habsburg musste notgedrungen diesen Zustand akzeptieren und Frieden schließen (Vertrag von Kaaden), sicherte sich aber noch einige Rechte am Herzogtum (Herzogliche Titelführung, Einzugsrecht, Sukzession).
 
Im Herzogtum wurde die Reformation nun zielstrebig umgesetzt, die Annäherung an den Schmalkaldischen Bund vollzogen. Mit diesem Bündniswechsel war der Schwäbische Bund faktisch zusammengebrochen. Für die katholischen Reichsstände eine bedenkliche Entwicklung, die politischen Machtverhältnisse verschoben sich in Süddeutschland grundlegend.
Cuius regio, eius religio
"Wessen Land/Herrschaft, dessen Glaube" - dieser Grundsatz der Frühen Neuzeit zementierte die Vorherrschaft der Landesherren in Glaubensfragen gegenüber der Landschaft. Nach Gutdünken der Landesherrschaft konnte hier der Katholizismus beibehalten oder die Reformation eingeführt werden, die Bevölkerung musste dies stillschweigend ertragen. Eine reformatorische Flurbereinigung nahm hier wenig Rücksicht auf mögliche Befindlichkeiten, die Auflösung katholischer Klöster und die Vertreibung der Mönche waren normale Begleiterscheinungen dieses Bekehrungswechsels. Der ins Feld geführte Vorwurf der Verkommenheit der Römischen Kurie und der Päpste kann ohne weiteres auch auf die protestantischen Landesherren übertragen werden, deren Lebenswandel konnte den Anspruch einer moralischen Instanz gleichfalls nicht erfüllen. Im Grunde ging es hier um Macht, die Religion war vielfach nur Mittel zum Zweck.
In diesem kurzen Feldzug festigte Graf Wilhelm seinen Ruf als Truppenführer großen Stils und nutzte diesen als Basis für seine weitere militärisch-politische Karriere. Anwerbung, Musterung und Organisation großer Truppenverbände wurden von ihm und seinen Offizieren - 28 Hauptleute, darunter auch Sebastian Schertlin - in kürzester Zeit bewältigt. Nach [Wagner] beeinflusste Philipp v. Hessen nicht unwesentlich den Lebensweg Wilhelms, der sich zu diesem Reichsfürsten ideell hingezogen fühlte und den protestierenden Ständen mit großem Stolz beigetreten war (1529/31). Sein früheres Engagement für die Sache des Franz v. Sickingen wurde ihm nicht nachteilig ausgelegt (1521/22).
Ferdinand I. von Habsburg (1503-1564). Erzherzog, König und späterer Kaiser - ©gemeinfrei Ferdinand I. von Habsburg (1503-1564). Erzherzog, König und späterer Kaiser - ©gemeinfrei
Durch die militärische Niederlage König Ferdinands I. von 1534 verlor Habsburg neben dem Herzogtum Württemberg auch seinen beherrschenden Einfluss in der deutschen Politik. Die Reformation gewann nun an Boden, der Schmalkaldische Bund stand mit seiner Annäherung an Frankreich in fundamentaler Opposition zum Reich und dem Kaiser. Dieser Zwiespalt schwebte nun über dem Reich und trennte die politischen Lager.
 
Durch sein militärisches Engagement im Kampf um das böhmisch-ungarische Erbe und gegen die Osmanen im Reich geschwächt, brach der Konflikt um Württemberg für König Ferdinand I. zu einer Unzeit aus.
1529 konnte die erste osmanische Belagerung Wiens noch glücklich abgewehrt werden, der ungarische Feldzug von 1532 band dann aber starke Kräfte. Erst der 1533 geschlossene Waffenstillstand mit den Osmanen führte dann zu einer brüchigen Beruhigung dieses Kriegsschauplatzes, die aufgelaufenen Kriegskosten waren beträchtlich. Für eine erneute kriegerische Auseinandersetzung um das Herzogtum Württemberg war der König nicht ausreichend gerüstet, für den Moment musste dieser nachgeben. Es ergab sich dann später eine Möglichkeit zur Revanche, 1546 wurde Herzog Ulrich für seine Beteiligung am Schmalkaldischen Krieg haftbar gemacht (Felonie: Verrat und Lehnsuntreue), das Herzogtum (Afterlehen) durch König Ferdinand I. eingezogen und bis 1552 einbehalten. Der König betrachtete Württemberg nach wie vor als habsburgisches Eigentum, die Württemberger mussten ihm das Land in langwierigen Verhandlungen teuer abkaufen. Mit dem drohenden Aussterben der herzoglichen Hauptlinie trat im Haus Württemberg dann eine Krise ein, der schon 57-jährige Georg v. Württemberg-Mömpelgard (1498-1558) wurde mit Nachdruck zu einer Heirat mit der 19-jährigen Prinzessin Barbara v. Hessen "ermuntert" (1555) und zeugte dann noch rechtzeitig vor seinem Ableben einen Sohn - Graf Friedrich v. Württemberg-Mömpelgard (1557-1608). Dieser wurde dann von Herzog Christoph zum Nachfolger aufgebaut (reg. ab 1581, 1593-1608 Herzog). Erst 1599 gelang es den Württembergern das Herzogtum wieder in ein Reichslehen umzuwandeln (Freikauf), Herzog Friedrich I. musste aber die Anwartschaft Habsburgs auf das Land nach einem Aussterben der männlichen Linie erneut einräumen (Sukzession).
König Franz I. v. Frankreich (1494-1547) - Atlante dell'arte italiana - ©gemeinfrei. Sein Bündnis mit Sultan Süleyman I. löste ein politisches Beben aus. 1543/44 kam es zum Reichskrieg gegen Frankreich, im Frieden von Crépy wurden die Auseinandersetzungen zwischen den Habsburgern und Frankreich kurzfristig beendet. König Franz I. v. Frankreich (1494-1547) - Atlante dell'arte italiana - ©gemeinfrei. Sein Bündnis mit Sultan Süleyman I. löste ein politisches Beben aus. 1543/44 kam es zum Reichskrieg gegen Frankreich, im Frieden von Crépy wurden die Auseinandersetzungen zwischen den Habsburgern und Frankreich kurzfristig beendet.
Frontwechsel nach Frankreich (1535)
Der fürstenbergische Graf wurde nun für höhere politische Kreise interessant, sein 1535 eingegangenes Dienstverhältnis für König Franz I. v. Frankreich, trotz Verbot durch Kaiser Karl V., überraschte damals durchaus. Im Amt eines Obersten über alle deutschen Knechte in französischen Diensten und mit stattlicher Besoldung versehen, agierte der Graf nun am französischen Königshof. Innerhalb eines Monats warb er 6.000 elitäre deutsche Landsknechte an, seine ehemaligen Hauptleute reihten sich unter dem französischen Lilienbanner ein. Es folgten dann intensive Kämpfe in Savoyen, Artois, Flandern und Piemont, 1538 endete die kriegerische Phase des Grafen in Frankreich. Kurz darauf setzte sich der französische König bei Kaiser Karl V. noch dafür ein, die eingezogenen Güter Fürstenbergs in Deutschland gemäß den Vereinbarungen von Nizza seinem Besitzer wieder zurückzugeben. Eine Rückkehr nach Deutschland war somit möglich, im Herbst 1538 betrat Graf Wilhelm dann erstmals wieder deutschen Boden.
 
Hoch dekoriert und mit französischen Herrschaften belohnt konnte Wilhelm eine erstaunliche Bilanz vorweisen, die nur durch seine persönlichen Streitigkeiten getrübt wurde. Duellforderungen gegen deutsche und französische Befehlshaber, darunter auch ein Herzog Christoph v. Württemberg, waren Begleiterscheinungen seines unruhigen Charakters - "die Ehre ist gar ein seltsam Ding...".
Am 18. Juli 1539 verpachtete Graf Wilhelm - "conte de Bange, seigneur du Pontdevoyle" - die Einkünfte der ihm vom französischen König geschenkten Herrschaften Pange (Bange) und Pontdeveyle (Pontdevoyle) für jährlich 1.000 Sonnenkronen (escuz d'or au soleil) an Hamann de Brantschit und Philibert Chalenda auf zwölf Jahre [Baumann, 394]. Mit dem 1543 erfolgten Eintritt in kaiserliche Dienste leitete der Graf dann wieder einen Lebenswandel ein, der eine weitere Nutznießung an den französischen Herrschaften nun ausschloß.
Feldherr im Reichskrieg gegen Frankreich (1543/44)
Anfang April 1544 wurde Graf Wilhelm der Werbebefehl für 20 Fähnlein Fußknechte und 600 Reiter von Kaiser Karl V. zugestellt. Bereits am 12. Mai sollte die Musterung der fürstenbergischen Truppen, die sich im Elsass, St. Johann und Steinburg bei Zabern sammeln sollten, stattfinden. Sein Gefolgsmann Sebastian Schertlin setzte als Zahlmeister die Werbeaktion dann termingerecht um, die Werbekommandos waren in Windeseile in die Landschaften ausgerückt und verbreiteten den Aufruf des Fürstenbergers zum Kampf unter seiner und des Reiches Fahne. Mit 8.300 Mann Fußvolk und 160 Reitern schloss sich der kaiserliche Feldhauptmann Graf Wilhelm v. Fürstenberg dann im Lager von Soleuvre der Reichsarmee an (23. Mai, Hauptzuzug). Zum 6. Juni fällt bereits Luxemburg, die Kämpfe verlagerten sich nun nach Frankreich. Am 23. Juli führte Graf Wilhelm das Gefecht bei Vitry, eine erlittene Verletzung band ihn dann bis Ende August ans Krankenlager. Das Reichsheer stieß nachfolgend im Gewaltmarsch über Châlons und der Marne entlang nach Ay und Epernay vor. Hier sollte nun der Übergang über die Marne erfolgen.
Als persönliches Unglück stellte sich sicherlich die Gefangennahme des Grafen am 4. September dar. Während einer nächtlichen Querung der Marne streckten französische Reiter den unvorsichtigen Grafen mit schweren Kolbenschlägen auf den Kopf nieder. Diese Verletzungen könnten durchaus bleibende Schäden verursacht haben, da der nun in der Bastille in schwerster Kerkerhaft gehaltene Graf dort wiederholt die Besinnung verlor. Kaiser Karl V. protestierte und erbat von König Franz I. eine würdigere Behandlung des Grafen, die Franzosen betrachteten den früheren Waffengefährten jedoch als Verräter. Erst gegen die Zahlung eines ungeheueren Lösegeldes in Höhe von 30.000 Sonnenkronen konnte der nun schwermütige Graf aus der Haft ausgelöst werden. In der ersten Oktoberhälfte 1545 kehrte dieser dann in die Heimat zurück. Erlittene Schäden an Körper und Geist hatten die Persönlichkeit Wilhelms aber merkbar verändert. Der nachfolgende Streit mit Kaiser Karl V. um ausstehende Zahlungen aus seinem kaiserlichen Dienst führte dann zum Zerwürfnis, erbittert wandte sich der Fürstenberger auch von diesem Dienstherrn ab, dem er es nie verzeihen sollte, dass er ihn in schwerster Stunde im Stich gelassen hatte. Seine Annäherung an den Schmalkaldischen Bund ließ dann wenig Gutes hoffen.
Kaiser Karl V. (1500-1558) nach seinem Sieg in der Schlacht bei Mühlberg am 24. April 1547 über die Truppen des Schmalkaldischen Bundes. Gemälde: Tizian, 1548 - ©gemeinfrei Kaiser Karl V. (1500-1558) nach seinem Sieg in der Schlacht bei Mühlberg am 24. April 1547 über die Truppen des Schmalkaldischen Bundes. Gemälde: Tizian, 1548 - ©gemeinfrei
1546 kam es in Süddeutschland zu schweren Auseinandersetzungen zwischen den reformierten und katholischen Reichsständen. Mit einem Präventivschlag eröffnete das protestantische Lager in den ersten Julitagen den Schmalkaldischen Krieg und wollte so einem Angriff durch Kaiser Karl V. zuvorkommen. Innerhalb von wenigen Tagen wurde ein protestantisches Heer von 12.000 Mann unter dem Kommando von Sebastian Schertlin in Süddeutschland mobilisiert, zeitgleich in Norddeutschland zusätzliche 16.000 Mann und 5.000 Reiter in Marsch gesetzt. Kaiser Karl V. wurde vollständig überrumpelt, seine Rüstungen für diesen Konflikt waren auf einen späteren Termin angesetzt, es befanden sich gerade einmal 1.000 Mann unter seinem Befehl. Truppenkontingente aus den Niederlanden, Italien und Ungarn wurden sofort herangeführt, das katholische Lager befand sich nun in einer kritischen Situation. Ende Juli standen dann schon 50.000 Mann und 7.000 Reiter im protestantischen Lager bereit, der Kaiser konnte nur 30.000 Mann und 5.000 Reiter ins Feld stellen. Allerdings rückten aus den katholischen Teilen des Reiches kaisertreue Truppen heran, ein kontinuierlicher Zuzug glich den strategischen Nachteil dann schnell aus. Durch geschicktes Taktieren und der Vermeidung einer Entscheidungsschlacht gelang es dem Kaiser das protestantische Lager zu schwächen, die süddeutsche Koalition zerbrach, der Krieg verlagerte sich nach Kursachsen. Kaiser Karl V. eröffnete nun ein Strafgericht gegen die reformierten Reichsstände im Süden, Herzog Ulrich v. Württemberg und Kurfürst Friedrich von der Pfalz wurden kassiert, entsprechende Neutralitätserklärungen und enorme Strafzahlungen eingetrieben. Gegen die Reichsstädte wurden harte Maßnahmen ergriffen, 1547 der Widerstand der Reichsstadt Konstanz militärisch gebrochen und deren Reichsfreiheit kurzerhand eingezogen. Auf dem geharnischten Reichstag von Augsburg 1547/48 wurde mit der Verabschiedung des Augsburger Interim ein gefährlicher Entwurf angenommen, der nachfolgend zu schweren Protesten führte. In diesem Umfeld geriet nun auch der besagte Graf Wilhelm v. Fürstenberg in das Mahlwerk des kaiserlichen Strafgerichtes.
Adobe Ritter-Kriegsheld-Feldherr (Pdf, 70KB), Wohlfeil, Rainer; WEB [communicarte.de]
Adobe Die Übergabe der Stadt Konstanz ... (1548); Marmor, J. (Pdf, 1,6MB)
Herrschaftliche Widerstände
Zum Schutz der Fürstenbergischen Lande vor kaiserlichen Strafmaßnahmen mussten dann im November 1547, im Rahmen einer hausinternen Übereinkunft, die Landesteile von Graf Wilhelm auf seinen jüngeren Bruder Graf Friedrich II. übertragen werden. Schon die Ankündigung einer möglichen und erwogenen Ablösung der Reichspfandschaft Ortenau durch König Ferdinand löste im Haus Fürstenberg schwere Befürchtungen aus. Die Bewohner des Kinzigtals und der Ortenau huldigten dann im besagten November ihrem neuen Landesherrn Graf Friedrich II. aus der katholischen Linie, der nun augenscheinlich alle fürstenbergischen Gebiete in personeller Alleinregierung vereinte. Am 27. Februar 1549 wurde die Kündigung der Reichspfandschaft über die Herrschaft Ortenberg und der halben Landvogtei Ortenau von König Ferdinand eingeleitet und Fürstenberg zugestellt [Baumann, 657]. Unterschiedliche Quellen verzeichnen als Enddatum 1551, entsprechende Rechtsvorgänge dürften sich zeitlich gezogen haben.
Schloss Ortenberg in der Ortenau - Reichspfandschaft. Die Grafen v. Fürstenberg hatten über längere Zeit diese Pfandschaft inne - ©Deutsche Digitale Bibliothek Schloss Ortenberg in der Ortenau - Reichspfandschaft. Die Grafen v. Fürstenberg hatten über längere Zeit diese Pfandschaft inne - ©Deutsche Digitale Bibliothek
Durch uneinsichtiges Handeln seitens des Grafen Wilhelm kam es dann zu einer letzten Konfrontation mit dem Kaiser. Am 4. Juli 1549 erging der kaiserliche Befehl an Graf Friedrich II. v. Fürstenberg, seinen älteren Bruder Wilhelm in Haft zu nehmen. Dieser musste nun auf Schloss Ortenberg im Arrest verbleiben, die Anklagen lauteten: offene Rebellion im Schmalkaldischen Krieg sowie "allerlay ungeschicklichkait", die er seither von Tag zu Tag zum Schaden des Kaisers, des Reichs und des Geschlechts Fürstenberg begangen habe. Entgegen der geforderten Härte blieb das persönliche Verhältnis der beiden Brüder trotz politischer Gegensätze und religiöser Meinungsverschiedenheiten jedoch einvernehmlich. Sein Bruder Friedrich hat allerdings in einem kurzen Zitat seinen Mühen und Sorgen überliefert: "Was ich an aim ortt guott mach und mit meinem schweren zugen und diensten verdien, storczt er (Wilhelm) wider um, das dan stamen und namen Fürstenberg zu verderben raicht...".
Die hausinternen Schriftwechsel künden von den Schwierigkeiten, die Graf Wilhelm hier verursachte und seinem jüngeren Bruder Friedrich aufbürdete.
Vom Tod und einer Geisteserkrankung gezeichnet, verstarb Graf Wilhelm v. Fürstenberg kurz darauf am 21.08.1549 auf Schloss Ortenberg in seinem neuen Glauben, im festen Vertrauen auf seinen Gott: "ir gnaden alle sach zu got gesetzt hat.". Er wurde in Haslach beigesetzt, dort endete das Scheitern von Leben und Werk des Grafen Wilhelm v. Fürstenberg. [Wagner] - Bild: Schloss Ortenberg [Quelle und Rechte]
 
Im Rückblick betrachtet können die gewichtigen Anklagen durchaus als gerechtfertigt aufgefasst werden, schon seine Beteiligung an der Rückeroberung Württembergs 1534 (Restitution - Herzog Ulrich) stellte eine Provokation dar. Sein Engagement für den französischen König Franz I. brachte dann das Fass zum Überlaufen, 1536 wurden alle seine Güter und Besitzungen für verlustig erklärt und seinem Bruder Friedrich erstmals zugestellt. 1543 erfolgte dann der aussöhnende Wechsel in das kaiserliche Lager, 1543/44 kämpfte er im Reichskrieg gegen Frankreich bis zu seiner Gefangennahme. Im Herbst 1545 kam es dann erneut zum Zerwürfnis mit Kaiser Karl V., man stritt sich um das liebe Geld. Der Schmalkaldische Krieg veränderte dann die politische Landschaft im Südwesten des Reiches, für die protestantischen Reichsstände wurde die Luft spürbar dünner.

Interessanterweise vertrat der deutsche Adel die Auffassung, nach freier Wahl jedem beliebigen Herrn seine Dienste anbieten zu können. Es sei "im heiligen Reich teutscher Nation von alters her eine löbliche Gestalt teutscher Freiheit, um Ehr und Ruhm mit ritterlichen Taten fremden Potentaten ohn alles Beleidigen des Vaterlandes und dessen Angehörigen" dienen zu dürfen. So wurde es noch im Reichsabschied von 1570 aufgeführt. Die Hinrichtung des Franzosensöldners Vogelsberger von 1548 war allerdings als unmissverständliche Warnung Kaiser Karl's V. aufzufassen, der den Franzosengängern nun mit Güterkonfiskation, Reichsacht und der Todesstrafe drohte.
Weitere Info:
Adobe "Fürstenberg, Wilhelm Graf zu", Wagner, Johannes Volker - (Pdf, 13 MB)
Die Arbeit von Johannes Volker Wagner stellt eine außerordentlich gelungene Retrospektive auf das Leben und Wirken des "wilden" Grafen Wilhelm v. Fürstenberg dar, der von seinen Zeitgenossen für einen der bedeutendsten Heerführer seiner Zeit gehalten wurde. Graf Froben Christoph v. Zimmern überliefert prägnant - "in teutscher Nation kein martialischern Menschen ... gehapt"! Den Ausführungen Wagners ist nichts hinzuzufügen, in exzellenter Weise wurde Graf Wilhelms Lebensgeschichte fundiert und aussagekräftig zusammengetragen.
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Graf Friedrich II. v. Fürstenberg (1496-1559), gemalt um 1550, Gemälde - Schloß Heiligenberg - ©FFA-DS. Graf Friedrich II. v. Fürstenberg (1496-1559), gemalt um 1550, Gemälde - Schloß Heiligenberg - ©FFA-DS.
Graf Friedrich II. v. Fürstenberg (1496-1559)
Sohn des Grafen Wolfgang v. Fürstenberg (1465-1509).
Landesherr, kaiserlicher Obersthofmeister und Feldhauptmann - Stifter der Heiligenberger Linie (1516). Kriegsmann, in fast allen Kriegen Karl's V. bekleidete Graf Friedrich II. hohe Befehlshaberstellen und kommandierte Landsknechtkontingente in Frankreich, im Bauernkrieg und gegen die Osmanen (Türkenkrieg).

Interessanterweise ergaben sich für Graf Friedrich schon in jungen Jahren wichtige Kontakte zum Haus Habsburg. Als zweiter Sohn des kaiserlichen Hofmarschalls Wolfgang v. Fürstenberg wurde dieser als Gesellschafter der habsburgischen Prinzen und späteren Kaiser Karl und Ferdinand am königlichen Hof Maximilians in Brabant aufgenommen und erhielt mit diesen eine umfassende und grundlegende Ausbildung. Sprachgewandt und im Weltbild des königlichen Hofes geschult, eröffneten sich für Friedrich dann weitreichende Möglichkeiten im Dienst für die habsburgischen Herrscher. Als verdienstvoller Diplomat, Feldherr und Obersthofmeister gelang es ihm das Haus Fürstenberg durch bewegte Zeiten zu führen, die Auswirkungen des politischen Handeln seines älteren Bruders Wilhelm forderten diesem allerdings etliche Mühen und Geschicklichkeit ab. Luthers Religionsstreit von 1517 und der nachfolgende Bruch alter Koalitionen lösten hier schwerwiegende Ereignisse aus, deren letztlicher Ausgang nicht ohne weiteres abgeschätzt werden konnte. Gesellschaftliche Umwälzungen trugen ihr Übriges dazu bei.

Orden vom Goldenen Vlies - Kaiser Karl V.
Eintrag: Graf Friedrich II. v. Fürstenberg - Ritter vom Goldenen Vlies, Jpeg 930KB; Livre du toison d'or - BSB Cod.icon. 285; [S.I.] Niederlande Ende 16. Jh.; [WEB]; 21. Kapitel des Ordens vom Goldenen Vlies, Utrecht 1545, 58br
[Gemälde]: Graf Friedrich II. v. Fürstenberg (1496-1559) im vollen Harnisch mit angelegter Ordenskette vom Goldenen Vlies und Prunkdegen. [Zitation]: "Die Rüstungen Friedrichs und seines Bruders Wilhelm als hochberühmte Kriegsmänner erbat sich später Erzherzog Ferdinand v. Tirol für seine Am[b]raser Sammlung; mit dieser wird jetzt die erstere im Belvedere in Wien bewahrt (Stand 1878)."
Kaiser Karl V. v. Habsburg (1500-1558) von Juan Pantoja de la Cruz (1553-1608), nach einem Portrait von Tizian (Tiziano Vecellio, um 1490-1576) - ©gemeinfrei Kaiser Karl V. v. Habsburg (1500-1558) von Juan Pantoja de la Cruz (1553-1608), nach einem Portrait von Tizian (Tiziano Vecellio, um 1490-1576) - ©gemeinfrei
Politische Neuordnung
- Ende des Schwäbischen Bundes -
Nach der Auflösung des Schwäbischen Bundes im Jahr 1534 versuchte Graf Friedrich II. ein Defensivbündnis gegen die reformierten Reichsstände in Oberschwaben zu bilden. Mit der Restituierung des württembergischen Herzogs Ulrich verschoben sich die Machtverhältnisse im Süden des Reiches zu Ungunsten der katholischen Reichsstände. Im Dienst für das Reich war der Graf dann verstärkt tätig, Reichstage und Religionsgespräche (1541-45) begleitete er als kaiserlicher Rat und Commissär. Als Feldhauptmann des Reiches nahm er wie schon erwähnt an fast allen Kriegen Karl's V. teil, 
1529/32 musste das Reich starke Abwehrkämpfe in Ungarn gegen die Türken führen. Innerhalb des fürstenbergischen Familienverbandes ergaben sich zu dieser Zeit politische und religiöse Verwerfungen, die das Haus Fürstenberg zunehmend belasteten. Die Reformation hielt auch hier Einzug und spaltete die Familie in einen reformierten und katholischen Zweig. Mit dem Tod seines Bruders Wilhelm (1549) endete dann die religiöse Teilung des Hauses Fürstenberg.
Aufständische Bauern - Otto Henne am Rhyn: Kulturgeschichte des deutschen Volkes, Zweiter Band, Berlin 1897, S.21 - Bild: Flugschrift von 1525 - Quelle unbekannt. Aufständische Bauern - Otto Henne am Rhyn: Kulturgeschichte des deutschen Volkes, Zweiter Band, Berlin 1897, S.21 - Bild: Flugschrift von 1525 - Quelle unbekannt.
  • Bauernkrieg (1524/25)
Im Verlauf der kriegerischen Handlungen wurde der Landesteil des Grafen Friedrich II. stark in Mitleidenschaft gezogen, da dieser maßgeblich gegen die Bauern tätig wurde und deren Zorn auf sich zog. Zusammen mit seinem Bruder Wilhelm hatte Graf Friedrich II. ein Kontingent von über 3.000 Landsknechten aufgestellt und schlug sich mit diesen zum Heer des Truchsessen von Waldburg-Zeil durch. Anfang 1525 befehligte Friedrich II. dann die österreichischen Kriegsknechte und wurde im Februar des gleichen Jahres in Dotternhausen bei Balingen verwundet. Am 7. März 1525 erscheint dann sein älterer Bruder Graf Wilhelm mit 2.000 Landsknechten in Nürtigen und schließt sich dort dem Bundesheer an. Anmerkung: Die schriftlichen Quellen ergeben hier ein abweichendes Bild zum Eintrag in der Allgemeinen Deutschen Biographie (1878).
 
Fürstenbergische Schlösser und Dörfer wurden zwischenzeitlich von den Aufständischen verstärkt angegriffen (u.a. die Burgen Zindelstein und Neufürstenberg), eine Schadenssumme von 25-30.000 Gulden legte sich hier drückend auf den Grafen Friedrich II. und schränkte seine finanziellen Möglichkeiten deutlich ein. Erst 1534 konnte er sich durch den Anfall des Werdenbergischen Erbes (Grafschaft Heiligenberg) von den drückenden Schulden etwas befreien.
  • Feldzug nach Ungarn (1532)
Für den 20. Juni 1532 überliefern die Urkunden einen Revers über die Ernennung des Grafen Friedrich II. zum Obersten Feldhauptmann über alle deutschen Landsknechte, die im Rahmen der "Eiligen Hilfe des Reiches" gegen die Türken in Marsch gesetzt werden sollen. Das Kommando umfasste zwei Regimenter Fußvolk mit bis zu 12.000 Kriegsknechten, jedes Regiment zu "zwelf fendlein und darunter sechs tausent solde haben, yeden sold gerechnet zu vier gulden munz, ye sechzig kreutzer fur den gulden". Seine Dienstzeit sollte von der Musterung an für zunächst drei Monate gelten, eine Verlängerung unter den Bedingungen des Artikelbriefes in Besoldung erfolgen. Kaiser Karl V. unterstützte mit diesem Reichskontingent die Abwehrkämpfe König Ferdinands I. in Ungarn. [Baumann, 277]

  • Feldzug gegen Frankreich (1536)
Für 1536 liegt ein Nachweis über die Ernennung des Grafen Friedrich II. zum kaiserlichen Feldhauptmann und Heerführer über 6.000 Kriegsknechte vor (Regiment), die für einen Kriegszug gegen die Franzosen vorgesehen waren. [Hauptstaatsarchiv Stuttgart, B 123 II Bü 67]

  • Feldzug gegen die Türken (1541)
Ernennung des Grafen Friedrich II. zum Obersten Feldhauptmann für den geplanten Türkenzug durch Kaiser Karl V.

  • Schmalkaldischer Krieg (1546/47)
Ernennung des Grafen Friedrich II. zum Reiteroberst der kaiserlichen Truppen gegen die schmalkaldischen Verbündeten.
Erbteilung von 1559
Von 1547/49 bis 1559 waren die herrschaftlichen Verhältnisse Fürstenbergs wieder überschaubar geordnet. Mit dem Tod des Grafen Friedrich II. v. Fürstenberg wurde die Landesteilung in mehrere Hauslinien dann für die nächsten 150 Jahre eingeleitet (Stichwort: Primo-/Sekundo-/Tertio-Genitur).
Jacob Koebel: Schwaben - Wapen. Des Heyligen Römischen Reichs Teutscher nation. - Holzschnitt: Jacob Kallenberg 1545 - ©gemeinfrei Jacob Koebel: Schwaben - Wapen. Des Heyligen Römischen Reichs Teutscher nation. - Holzschnitt: Jacob Kallenberg 1545 - ©gemeinfrei
Bedauerlicherweise geriet das Haus Fürstenberg nach 1559 in schwere finanzielle Turbulenzen, ein drohender Zusammenbruch war ständig gegenwärtig. Eine aus heutiger Sicht nachteilige Erbpolitik zersplitterte die fürstenbergischen Herrschaften in Schwaben nahezu bis zur kleinsten Erdscholle, zeitweise zehrten mehrere Hauslinien von den schon knapp bemessenen Ressourcen des Landes (Fürstenberg nach 1627: Meßkirch, Heiligenberg, Stühlingen). In letzter Konsequenz drohte nun ein Abstieg aus dem Hochadel, der Sturz in die Bedeutungslosigkeit. Die Protagonisten dieser Epoche waren sich aber leider in einem Punkt einig, man wollte deutlich höher performen, wie es die Größe der Herrschaft eigentlich hergab! Das fürstenbergische Engagement am kaiserlichen Hof generierte Unsummen, die als Schuldenlast den Herrschaften dann aufgebürdet wurden. Der schon 1594 eingetretene finanzielle Ruin des Grafen Albrecht (Kinzigtal), sowie vergleichbar seines Vetters Friedrich (Heiligenberg), zeigt das Missverhältnis zwischen Einnahmen und Ausgaben deutlich auf. Zeitweise mussten hier dann fürstenbergische Herrschaften unter Kuratel gestellt werden, damit sich diese wieder finanziell konsolidieren konnten. Die Landgrafschaft Baar befand sich zeitweilig im Zustand des Bankrotts, von 1579 bis 1620 mussten auch die Ämter über Wald für den Schuldendienst stärker herangezogen werden (Amt: Neustadt, Löffingen, Vöhrenbach, Lenzkirch). Alle vier Wald-Ämter setzten diesem Ansinnen allerdings Widerstand entgegen, erst nach weiteren Verhandlungen konnte hier eine Einigung erzielt werden. Selbst die neu hinzugewonnenen Ländereien, wie zum Beispiel die Landgrafschaft Weitra (1606; Graf Friedrich oo Gräfin Arco, 1755 Subsidiallinie Fürstenberg-Weitra) oder die Pappenheimer Herrschaften (1639, Graf Friedrich Rudolph oo Maria v. Pappenheim), wurden mit Krediten überzogen. Was der kaiserliche Dienst dann nicht auffraß, wurde in weiteren abrundenden Erwerbungen teuer investiert (Frh. v. Schellenberg: Stadt Hüfingen, weitere Dörfer). Unter den gegebenen Umständen wäre ein Verzicht auf repräsentative wie kostenintensive Betätigungen bei Hofe ratsamer gewesen, die besagten Ansprüche waren aber nichtsdestotrotz hoch angesiedelt (Reputation, Repräsentation). Die von den Fürstenbergern eingenommenen kaiserlichen Hof- und Befehlshaberstellen (Kriegsdienst, Katholische Liga) forderten einen hohen finanziellen Tribut ein. Der 1632 erfolgte Einbruch protestantischer Heere in die Fürstenbergischen Territorien verschärfte die Situation dann drastisch, an eine geordnete Verwaltung der Finanzen war nun nicht mehr zu denken.
Asch, Ronald: Verwaltung und Beamtentum (Fürstenberg) Asch, Ronald: Verwaltung und Beamtentum (Fürstenberg)
Fürstenbergische Verwaltungsstrukturen (1490-1632)
Zur Verwaltungsstruktur und dem Beamtentum in den Fürstenbergischen Landen wird auf die nachfolgende Publikation verwiesen: Veröffentlichungen der Kommission für geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg - Reihe B - Forschungen - 106. Band. Ronald Asch - Verwaltung und Beamtentum - Die gräflich fürstenbergischen Territorien vom Ausgang des Mittelalters bis zum schwedischen Krieg 1490-1632 - 1986 - W. Kolhammer Verlag Stuttgart. Der behandelte Rahmen dürfte sicherlich auch tiefergehende Fragen beantworten, auf Grund der Komplexität des behandelten Themas wird eine vollständige Sichtung des Werkes empfohlen.
Im Gegensatz zu benachbarten Reichsständen waren die fürstenbergischen Verwaltungsstrukturen nur rudimentär ausgebildet, schlichtweg veraltet. Es fehlte hier an zentralisierenden Bestrebungen oder Rahmenbedingungen, die den erforderlichen Aufbau eines vorausschauenden, einheitlichen, effizienten und vor allem auch verlässlichen Verwaltungsapparates ansonsten ermöglicht hätten. Eine landschaftsbezogene Zersplitterung der Verwaltungsstrukturen war allerdings gegenwärtig und wurde von mehreren Grafenhöfen beeinflusst. Man trat hier durchaus uneinsichtig auf der Stelle, es fehlte im Grunde an einer ordnenden Kraft - der Zentralgewalt. Erst 1744 konnten dann wieder alle Herrschaften vereinigt werden, dieses Mal unter "einem" reichsunmittelbaren Fürsten v. Fürstenberg. Ab diesem Zeitpunkt können wir von einem einheitlichen fürstenbergischen Verwaltungsapparat sprechen, notwendige Reformen nahmen nun ihren Lauf. Doch das, ist eine andere Geschichte... [Fürst Joseph Wilhelm Ernst zu Fürstenberg]
Denkwürdiges
Nichts hat Dauer, nichts bleibt, wie es war
Das Reich im Wandel
Mit dem Tod von Kaiser Karl V. im Jahr 1558 begann der politische Zerfall der Reichsgewalt, die nachfolgenden Herrscher erlangten nicht mehr die Machtfülle dieses Weltmonarchen. Reichseinheit und Reichsidee bildeten nur noch ein lose Klammer, die Abdankung Karl's V. 1556 kann mittelbar auch als persönliche Resignation gegenüber den politischen Aufgaben und Pflichten aufgefasst werden. Der Aufstieg der aufstrebenden Monarchien in Spanien, Portugal bis 1580, England und später auch Schweden veränderte die politischen Machtverhältnisse in Europa nachhaltig. Die Anzahl der politischen Mitspieler vergrößerte sich, deren Einzelinteressen divergierten in alle Richtungen. Für das Reich selbst entwickelte sich der Dreißigjährige Krieg zu einer schmerzhaften Zäsur (1618-48). Danach war nichts mehr so, wie es einmal war.
 
WEB-Link: Der Dreißigjährige Krieg
http://www.dreissigjähriger-krieg.de
Einführung in die Frühe Neuzeit - ©Universität Münster
WEB-Projekt: Einführung in die Frühe Neuzeit
 
Universität Münster - Fachbereich Geschichte/Philosophie.
Lehrstuhl Frühe Neuzeit des Historischen Seminars der
Westfälischen Wilhelms-Universität Münster.
WEB-Projekt zur Geschichte der Frühen Neuzeit!
Samuel von Pufendorf (1632-1694); Portrait: 1706 - Johann Nikolaus Hert (1651-1710) - ©gemeinfrei Samuel von Pufendorf (1632-1694); Portrait: 1706 - Johann Nikolaus Hert (1651-1710) - ©gemeinfrei
Zeitgenössisches Urteil
Ein des öfteren publiziertes Zitat des lutherischen Rechtsgelehrten Samuel von Pufendorf (1632-1694) beschreibt sehr aufschlussreich den "erlebten" Verfassungszustand des damaligen Reiches: "Es bleibt uns aber nicht anderes übrig, als das Deutsche Reich einen irregulären und einem Monstrum ähnlichen Körper zu nennen, der sich im Laufe der Zeit durch die fahrlässige Gefälligkeit der Kaiser, durch den Ehrgeiz der Fürsten und die Machenschaften der Geistlichen zu einer so disharmonischen Staatsform entwickelt hat." Pufendorf präzisierte hier dann noch deutlicher: "Zur Vermeidung des grausamsten Unrechts durch den Fürsten ist es sicher besser, auszuwandern. Wenn die Möglichkeit der Flucht nicht gegeben ist, soll der Bürger lieber sterben als den Herrscher töten, nicht so sehr wegen des Herrschers Person, sondern wegen des ganzen Staates, der bei der Gelegenheit in schwere Wirren gestürzt zu werden pflegt."
Ein bemerkenswerter Ansatz, der in seiner Konsequenz allerdings doch etwas drastisch ausgefallen wäre.
Pufendorf lebte zeitweise am schwedischen Hof und nachfolgend im Kurfürstentum Brandenburg. Er war ein bekannter deutscher Naturrechtsphilosoph, Historiker, Natur- und Völkerrechtslehrer. König Karl XI. v. Schweden erhob Pufendorf noch kurz vor dessen Tod in den Freiherrenstand (1694). Zahlreiche Werke dieses Freidenkers sind überliefert und werden heute noch wissenschaftlich behandelt.
 
Weitere Info:
Adobe  "Pufendorf, Samuel Freiherr von", in: Neue Deutsche Biographie (2003) - (Pdf, 82 KB)
Die menschliche Gier als Antrieb
Die Selbstbereicherung dieser Zeit war keine ureigene Erscheinung der katholischen Welt, diese entstammte im Grunde dem calvinistischen Wertekanon! Während der katholische Adel durch religiöse Ächtung einer kommerziellen Tätigkeit entfremdet blieb, pflegten die calvinistischen und puritanischen Standesgenossen in den Niederlanden und England ein effizientes System zur ungehemmten Selbstbereicherung. Die durch den Calvinismus legitimierten Laster wie Geldgier, Egoismus und soziale Ignoranz können als frühe Ausbildung eines entarteten Kapitalismus definiert werden, hier wurde die Bereicherung zur gottgewollten Ordnung erhoben. Noch heute gilt das Werk von Bernard Mandeville (1670-1733) - die Bienenfabel - als Zeugnis eines korrupten und verkommenen Denkmodells, das die ungehemmte menschliche Gier zur Tugend erhob. "Ein Schelm, wer Böses dabei denkt - Mandevilles Anhänger sind heute noch...!"
WEB: Zeit Online - Lob des Lasters - Bernard Mandeville [Pdf, 86 KB]
WEB: Die Bienenfabel 1705 [Skript: de.scribd.com]
WEB: Portrait - Bernard Mandeville [bernard-mandeville.nl]
Landesverteidigung
Die Konzentration auf das Wesentliche
Festung Wildenstein - Quelle: Abbildung aus: Franz Xaver Kraus: Die Kunstdenkmäler des Grossherzogthums Baden. Band 1: Die Kunstdenkmäler des Kreises Konstanz. Freiburg i. Br. 1887 - ©gemeinfrei Festung Wildenstein - Quelle: Abbildung aus: Franz Xaver Kraus: Die Kunstdenkmäler des Grossherzogthums Baden. Band 1: Die Kunstdenkmäler des Kreises Konstanz. Freiburg i. Br. 1887 - ©gemeinfrei
Zur Sicherung des Landes standen entsprechende "Feste Plätze" zur Verfügung, die den landesherrlichen Anspruch wehrhaft untermauerten. Neben den aus dem Mittelalter stammenden Burgen reihten sich auch nach modernsten Gesichtspunkten umgebaute Wehranlagen ein. Für den fürstenbergischen Machtbereich kann die Burg Hausach [castrum Husen] im Kinzigtal und später die Festung Wildenstein im Donautal herangezogen werden. So wie in Hausach kein alter Stein mehr auf dem anderen blieb (Umbau 1453-77, Graf Heinrich VI.), wurde auch der Wildenstein stärker befestigt, bzw. auf den neuesten kriegstechnischen Stand gebracht. Während in Hausach eine noch gut erhaltene Ruine besichtigt werden kann, steht der Wildenstein nahezu zeitlos und unverändert an seinem Platz. In seinen Räumen lassen sich noch Zeugnisse der ehemaligen Besitzer nachweisen, ein Baudenkmal der besonderen Art.
Graf Wratislaus II. (Wratislaw) v. Fürstenberg-Meßkirch (1600-1642). Stifter der Meßkircher Linie (Primogenitur), Reichshofratspräsident, Inhaber der Herrschaften und Ämter Blumberg, Fürstenberg, Löffingen, Meßkirch mit Wildenstein und Falkenstein, Comegines in Belgien, Gundelfingen mit Hayingen und Neufra, ein Drittel der Herrschaft Wiesensteig, Möhringen und Hüfingen. Kaiserlicher Administrator der markgräflich badischen Herrschaften Hachberg, Sausenberg und Rötteln und der Landvogtei Ortenau, sowie Obrist über zwei Regimenter (Dragoner u. Infanterie, seit 1636). Das Stammschloss auf dem Fürstenberg wurde von ihm aufgegeben und dem Verfall überlassen, ein Wendepunkt in der Hausgeschichte. Sein Bruder Graf Friedrich Rudolph stand nun der Linie Stühlingen vor, diese besaß die Herrschaften und Ämter Haslach, Hausach, Neustadt, Stühlingen, Hohenhewen mit Engen und Wolfach. Die eigenständige Heiligenberger Linie setzte sich bis 1716 fort und wurde dann von der Meßkircher Linie beerbt. Die Fürstenbergischen Lande vergrößerten sich zu dieser Zeit deutlich, der Aufstieg der Fürstenberger in den erblichen Reichsfürstenstand resultierte nicht unwesentlich aus diesen neuen Erwerbungen. 1716/1744 kam es dann zu Erbfällen, die letztlich zu einer Vereinigung aller fürstenbergischen Herrschaften unter einem Reichsfürsten führten. Die umfassenden Ländereien in den österreichischen Erblanden kamen noch hinzu (1723, Waldsteinisches Erbe in Böhmen - 1756 Fideikommiß, Sekundogenitur). Graf Wratislaus II. (Wratislaw) v. Fürstenberg-Meßkirch (1600-1642). Stifter der Meßkircher Linie (Primogenitur), Reichshofratspräsident, Inhaber der Herrschaften und Ämter Blumberg, Fürstenberg, Löffingen, Meßkirch mit Wildenstein und Falkenstein, Comegines in Belgien, Gundelfingen mit Hayingen und Neufra, ein Drittel der Herrschaft Wiesensteig, Möhringen und Hüfingen. Kaiserlicher Administrator der markgräflich badischen Herrschaften Hachberg, Sausenberg und Rötteln und der Landvogtei Ortenau, sowie Obrist über zwei Regimenter (Dragoner u. Infanterie, seit 1636). Das Stammschloss auf dem Fürstenberg wurde von ihm aufgegeben und dem Verfall überlassen, ein Wendepunkt in der Hausgeschichte. Sein Bruder Graf Friedrich Rudolph stand nun der Linie Stühlingen vor, diese besaß die Herrschaften und Ämter Haslach, Hausach, Neustadt, Stühlingen, Hohenhewen mit Engen und Wolfach. Die eigenständige Heiligenberger Linie setzte sich bis 1716 fort und wurde dann von der Meßkircher Linie beerbt. Die Fürstenbergischen Lande vergrößerten sich zu dieser Zeit deutlich, der Aufstieg der Fürstenberger in den erblichen Reichsfürstenstand resultierte nicht unwesentlich aus diesen neuen Erwerbungen. 1716/1744 kam es dann zu Erbfällen, die letztlich zu einer Vereinigung aller fürstenbergischen Herrschaften unter einem Reichsfürsten führten. Die umfassenden Ländereien in den österreichischen Erblanden kamen noch hinzu (1723, Waldsteinisches Erbe in Böhmen - 1756 Fideikommiß, Sekundogenitur).
Fürstenbergische Herrschaft
Die Festung Wildenstein kam 1627 über den Erbfall der Grafen v. Helfenstein an die Fürstenberger (Graf Wratislaus II. v. Fürstenberg-Meßkirch) und wurde von diesen auch als Zufluchtsort genutzt. Als Glücksfall hat sich sicherlich die Reaktivierung des Bauwerks in der Endzeit des in seiner Existenz bedrohten Fürstentums Fürstenberg erwiesen. Die zwischen 1804 und 1806 erfolgten Baumaßnahmen sicherten damals die Bausubstanz, die uns heute immer noch beeindruckend vor Augen geführt wird. Von der bautechnischen Ausführung her betrachtet wurde die zur Verfügung stehende Fläche optimal genutzt und eine sehr kompakt ausgeführte Festungsanlage dort errichtet. "Klein aber fein", so könnte man heute unbedarft darüber befinden, es steht aber immer eine Geschichte im Hintergrund, die manches in einen anderen Blickwinkel rückt.
 
Der Wildenstein und seine Wirkung
Auftretende Kosten für den laufenden Unterhalt der Festung Wildenstein wurden von je her dem fürstenbergischen Amt Meßkirch auferlegt und durch eine Sondersteuer von den dortigen Untertanen wieder eingetrieben. Da es sich hier um durchaus beträchtliche Summen handelte, legte sich der Wildenstein drückend auf das Amt und engte dessen Finanzkraft deutlich ein. Über Jahrhunderte begrenzte der Wildenstein somit eine günstigere Entwicklung des dortigen Gemeinwesens, erst nach einem langjährigen Rechtsstreit gelang es der Landschaft im Jahr "1837" die Unterhaltspflicht zu Fall zu bringen und die Festung "als bedrückendes Symbol herrschaftlicher Willkür und Ausbeutung" abzuwerfen [Armin Heim].
 
Zusätzlich zur finanziellen Belastung musste seit 1658 im Kriegsfall noch ein Landesausschuss (Wehrmannschaft) zur Erstbemannung und Verteidigung der Festung gestellt werden, der bei einer Verfügbarkeit kaiserlicher Truppen dann eine Ablösung fand. Dieser Ernstfall trat dann auch mehrfach ein, entsprechende Kampfhandlungen sind nachgewiesen. In Meßkirch lag dann später auch die 2. Kompanie des schwäbischen Kreis-Infanterie-Regiments "Fürstenberg" in Garnison. [Kreismilitär]
 
Unbestritten war die sehr kompakt ausgeführte Festung Wildenstein ein Bestandteil des damaligen Landes- und Reichsdefensionalwerkes und somit auch von militärischem Interesse! Alle kennzeichnenden Merkmale einer Festung des 16./17. Jahrhunderts waren vorhanden, ein massives Vorwerk deckte den mit bombenfesten Gelassen (Räumen) und Schießscharten versehenen Vorbau, der die Kasematten, Pulver-, Waffen- und Vorratskammern, Verliese, Wachzimmer, Soldatenhalle und die Wohnung des Kommandanten mit aufnahm. Eine Besonderheit stellte sicherlich der niederlegbare Dachstuhl dar, die Konstruktion ließ einen Ab- und Aufbau ohne weiteres zu. Durch einen Hof getrennt gruppierten sich dann talseitig die Wohn- und Wirtschaftsräume. Eine notwendige Wasserversorgung wurde durch eine vorhandene Brunnenstube mit Wippbalken sichergestellt (abgeteufte Zisterne), augenscheinlich ist kein Tiefbrunnen erkennbar [?]. Mit einer ausreichenden und kampfbereiten Besatzung versehen, sowie entsprechenden Vorräten, bildete der Wildenstein ein festes Bollwerk, dass nicht ohne weiteres eingenommen werden konnte. In den bekannten Fällen wo es zu einer Einnahme kam, war die Festung entweder sträflich unterbesetzt, oder es lag ein Überraschungsmoment vor. Selbst die beste Festung ist nicht zu halten, wenn die erforderlichen Verteidigungsmittel fehlen und ein entsprechender Wille zur Verteidigung aussteht. Am Bauwerk selbst lag es in den wenigsten Fällen, hierfür wäre dann schon eine förmliche Belagerung und ein mauerbrechender Artilleriepark notwendig gewesen [Interner Link: Schwarzpulver].
Die fürstenbergischen Grafen dieser Zeit haben von je her eine grundlegende und umfassende Kriegsausbildung (Kavalierstour) erhalten und besaßen somit die Befähigung zur Führung größerer Truppenverbände. In österreichischen, bayerischen, kaiserlichen und anderen Diensten nahmen diese dann auch höhere Befehlshaberstellen ein. Entsprechende Kriegsverluste des Hauses Fürstenberg belegen das persönliche Engagement dieser Familie.
Im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts versiegte dann das Interesse an der Festung spürbar, bis die kriegerischen Auswirkungen der Französischen Revolution, die nachfolgenden Koalitionskriege, das Bauwerk wieder stärker in den Fokus rückten. Erwähnenswert ist noch die zeitweise Verwendung als fürstenbergisches Staatsgefängnis und als Zeughaus (Magazin, Hauptwaffenplatz). Im Rahmen der 1770 erfolgten Auflösung des Zeughauses wurden die Festungsgeschütze und das gesamte Inventar nach Donaueschingen verlagert, die Festung war nun desarmiert. Letzte klägliche Reste der dortigen Rüstkammer und Festungsausstattung, wie Harnische, Rüstungen, Kanonen, Mörser, Handwaffen und Zubehör, wurden 1798 restlos verkauft. Möglicherweise war man hier etwas vorschnell unterwegs, die politischen Entwicklungen ließen auf stürmische Zeiten schließen...
Not zum Handeln?
Es stellt sich abschließend schon die Frage, warum die fürstenbergische Regierung 1804 eine Erhaltung oder Reaktivierung der Festung Wildenstein beschloss und entsprechende Finanzmittel freisetzte. Vom militärischen Standpunkt aus betrachtet dürfte die Festung sicherlich die einzig verbliebene Wehranlage im Fürstenbergischen dargestellt haben, die eine nach damaligen Befestigungsgrundsätzen noch im Ansatz festzustellende Verteidigungsfähigkeit aufwies. Die isolierte Lage wie auch die funktionale bautechnische Ausführung ließ hier schon noch eine substantielle Wehrhaftigkeit vermuten, wenngleich auch weit größere und stärkere Landesfestungen wie der benachbarte Hohentwiel schon nach kurzer Belagerung von der Garnison überraschend aufgegeben wurde (Übergabe 1799, Schleifung 1801). Letztlich speiste sich die Absicht zur Erhaltung bzw. Aktivierung eines festen Verteidigungsplatzes aus einer damals gegenwärtigen Bedrohungslage, der absehbare Zerfall des alten Reichsverbandes generierte hier schon mögliche Szenarien. Für Fürstenberg entwickelte sich das politische Verhalten der benachbarten Reichsstände Baden, Württemberg und ferner noch Bayern zum Menetekel, eine weitergehende territoriale Neuordnung Süddeutschlands zeichnete sich bereits in den politischen Kreisen ab. Frankreich galt nun als Maß aller Dinge, in Paris begann nun das Geschacher um neue Territorien und Landesgrenzen [Interner Link].
 
Weitere Info:
WEB: DJH Jugendherberge Leibertingen-Wildenstein
Digitalisat: Franz Xaver Kraus: Die Kunstdenkmäler des Grossherzogthums Baden. Band 1
Digitalisat: Ansicht der Burg Wildenstein
Digitalisat: Grundriss der Burg Wildenstein
Digitalisat: Schnitt der Burg Wildenstein
Nachtrag: Der 1459 begonnene Neubau des oberen Schlosses Wartenberg bei Geisingen kann als festes Haus bezeichnet werden, stellt aber auf Grund seiner begrenzten Größe nur ein kleineres Befestigungswerk dar. Hier dürften die zahllosen Fehden zu dieser Zeit den Anlass zum Bau gegeben haben (Graf Heinrich VI.).
Politische Zugehörigkeit
Schwäbischer Reichskreis (1500/1512 bis 1806)
Wappen: Reichskreis Schwaben - ©gemeinfrei Wappen: Reichskreis Schwaben - ©gemeinfrei
Der Schwäbische Reichskreis (auch Schwäbischer Kreis) war einer der zehn Reichskreise, in die unter Kaiser Maximilian I. 1500/1512 das Heilige Römische Reich eingeteilt wurde. Anfänglich konkurrierte dieser zum Schwäbischen Bund, der in den 1530er Jahren durch die Reformation zum Einsturz gebracht wurde. Unter den Reichskreisen galt der Schwäbische Kreis als einer der aktivsten, seine Lage an der Grenze des Reiches im Westen und sein stehendes Heer bestimmten seine Bedeutung innerhalb des Heiligen Römischen Reiches nach 1648.
Zur Kreismiliz siehe [Link: Kreismilitär]
Karte: Die Reichskreise im Heiligen Römischen Reich (png - 554 KB)
 
Aufgaben
Die Funktionen des Kreises waren in der Reichsexekutionsordnung von 1555 niedergelegt, darunter die Innere Ordnung, die Besetzung des Reichskammergerichtes (Reichskammergerichtsordnung 1555), die Münzordnung [Link], die Reichssteuern, die Kreismiliz, das Marschwesen und die Kreisfinanzen. Ausführende Kreisorgane waren: der Kreistag als beschließendes Gremium, das Kreisausschreibamt, der Kreisobrist (Kreismiliz), der Kreisfeldmarschall (Kreismiliz), das Kreisdirektorium und die Kreisbeamten (Kreissekretär, Kreiseinnehmer, Münzwardein und der Kreisarchivar).
Zur Kreismiliz siehe [Link: Kreismilitär]
Organisation
Die zuletzt 101 Stände waren in fünf Bänke, wie die einzelnen Kollegien genannt wurden, eingeteilt. Diese Bänke waren eigenständige Gremien mit fester Organisation, eigenem Direktorium sowie Wahl und Geschäftsordnung, die zur internen Beschlussfassung eigene Kollegialtage abhielten. Organisiert waren die fünf Bänke oder Kollegien wie folgt: 1. Geistliche Fürsten; 2. Weltliche Fürsten; 3. Prälaten; 4. Grafen und Herren; 5. Reichsstädte. Fürstenberg zählte neben den größten weltlichen Reichsständen, dem Herzogtum Württemberg und der Markgrafschaft Baden, sowie den späteren Fürstentümern Hohenzollern und Öttingen, zu den hervorzuhebenden Ständen des Reichskreises Schwaben.
Fürstenbergische Herrschaften und Stimmen
Außer auf dem Reichstag konnte Fürstenberg, aufgrund seiner Besitzungen und Herrschaften in Schwaben, auf dem Schwäbischen Kreistag gleichfalls politischen Einfluss geltend machen. Danach standen Fürstenberg sechs Stimmen zu, die einzeln, jede an ihrer Stelle, zur Stimmabgabe aufgerufen wurden. Aufgeteilt waren diese wie folgt: Auf der Bank der weltlichen Fürsten eine Stimme für die gefürstete Grafschaft Heiligenberg, auf der Grafen und Herrenbank je eine Stimme für die Landgrafschaft Stühlingen, für die Landgrafschaft Baar, für die Herrschaft Hausen im Kinzigtal, für die Herrschaft Meßkirch und für die Herrschaft Gundelfingen. Diese Einteilung behielt ihre Gültigkeit bis zum Ende des Reichskreises. Auf dem Kreistag wurde im Gegensatz zum Reichstag nicht mit den einzelnen Bänken abgestimmt (Kuriatstimmen), sondern jeder einzelne Stand des Kreistages wurde zur Stimmabgabe aufgerufen. Alle Stimmen waren gleichwertig zueinander!
 
Wenngleich das Fürstentum Fürstenberg reichsrechtlich keine Einheit gegenüber Kaiser und Reichskreis bildete, sondern eine Vereinigung kleinerer Gebietsteile und Herrschaftsrechte unter einem späteren reichsunmittelbaren Fürsten darstellte (Reichsfürstenrat, weltliche Bank - Virilstimme), hatte sich dennoch ein modernes Staatswesen in der Größe des Herzogtums Sachsen-Koburg-Gotha herausgebildet, welches für die Verwaltung ein Ganzes war, und seit 1744 den viertgrößten Territorialstaat in Schwaben bildete. Auf Grund seiner hohen Stimmenzahl konnte Fürstenberg durchaus politisches Gewicht auf dem Kreistag zur Geltung bringen, der Herzog v. Württemberg, als größter weltlicher Reichsstand (Herzogtum), war zum Beispiel nur mit einer Stimme politisch vertreten.
Fürstenbergische Gebiete
Bis zur Mediatisierung von 1806
Wappen: Fürstentum Fürstenberg - ©thz-historia.de Wappen: Fürstentum Fürstenberg - ©thz-historia.de
Das Haus Fürstenberg führte bis zum Ende des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation den Titel eines Landgrafen der Baar in seiner Titulatur auf. Die Wertigkeit dieses Titels lässt sich auf die Anfänge des Adelshauses zurückführen, von der Landgrafschaft Baar ausgehend nahmen die Ereignisse ihren Lauf...
 
Titulatur bis 1806
"..., des Heiligen Römischen Reichs Fürst zu Fürstenberg,
Landgraf in der Baar und zu Stühlingen,
Graf zu Heiligenberg und Werdenberg,
Freiherr zu Gundelfingen,
Herr zu Hausen im Kinzigtal, Meßkirch,
Hohenhöwen, Wildenstein, Waldsberg, Werenwag,
Immendingen, Weitra und Pürglitz etc. etc."
Mit der Inkraftsetzung der Rheinbundakte von 1806 wurde die Existenz des bis dahin reichsunmittelbaren Fürstentums Fürstenberg beendet, die weiteren Geschicke wurden nun größtenteils vom Großherzogtum Baden bestimmt (Fürstenbergische Standesherrschaft). Reichsunmittelbare Gebiete, die bis zum 12. Juli 1806 den fürstenbergischen Landesverband gebildet haben, waren nachfolgend:
1. Landgrafschaft Baar
2. Herrschaft Hohenhewen
3. Herrschaft Kinzigtal und Seitentäler
4. Grafschaft Heiligenberg
5. Herrschaft Jungnau und Trochtelfingen
6. Herrschaft Meßkirch
7. Landgrafschaft Stühlingen
8. Einzelne fürstenbergische Besitzungen
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